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NCIT/Vorwort

aus AufEinWort, der freien Forschung

„Ideo cavendunt est valde, ne volendo malum ejicere, malum accumuletur.“

(„Man soll sich daher sehr hüten, daß nicht durch den Wunsch, das Übel auszurotten, es nur noch vergrößert wird.“) [1]

Cusanus am 6. 3. 1457 in einer Predigt im Brixner Dom.

Seit dem Erscheinen von Albert Jägers Werk über den Streit des Nikolaus Cusanus mit Herzog Sigismund von Tirol (1861), das sich freilich fast ausschließlich auf den politischen Aspekt des Problems beschränkt, wurde eine Vielzahl von Einzelaspekten zum Cusanusstreit neu erforscht. Seit über 120 fahren fehlt jedoch eine umfassende Darstellung der gesamten Problematik von historischer, theologischer, philosophischer und rechtshistorischer Seite aus.

Als Student in Innsbruck wurde ich von Prof. Nikolaus Grass auf diesen Mangel aufmerksam gemacht. Die vielfachen Warnungen verschiedener Historiker, dieses ,,heiße Eisen“ anzufassen (so z. B. von Anselm Sparber), reizten mich, das bis heute unaufgearbeitete Problem in Angriff zu nehmen. Historische, theologische und philosophische Studien versetzten mich in die Lage, den Gesamthintergrund der Problematik, von dem aus viele Einzelaspekte erst voll verständlich werden, in die Darstellung der landesgeschichtlichen Auseinandersetzungen einzubeziehen. Ich nahm daher gerne das freundliche Angebot des Verlags Athesia an, das vorliegende Buch zu verfassen.

Vielfältige Archivstudien führten durch das Entgegenkommen der Archivbeamten zu vielen neuen Quellenfunden, die z. B. über 100 bisher unveröffentlichte Briefe und 4 Denkschriften des Kardinals zutage brachten, die in der vorliegenden Studie berücksichtigt werden konnten.

Mein Dank gilt daher in besonderem Maße dem Tiroler Landesarchiv, dem Staatsarchiv Bozen, dem Diözesanarchiv Brixen und der Bibliothek des Priesterseminars in Brixen. Dr. Fritz Steinegger war mir beim Lesen einiger Autographen behilflich. Herr Eduard Scheiber (Brixen) gab mir mehrere wertvolle Hinweise, und Kanonikus Dr. Johann Mayr ermöglichte es mir, ganze Faszikel zu fotokopieren. Auch das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum ermöglichte mir ein bequemes Studium von Urkunden und Handschriften. Prälat Dr. Hermann Hoberg (Rom) verschaffte mir eine Reihe von Fotokopien vatikanischer Urkunden.

Der Rektor des St.-Nikolaus-Hospitals in Kues ermöglichte es mir, an Ort und Stelle Einblick in die Bibliothek des Cusanus zu nehmen. Prof. Dr. Rudolf Haubst (Institut für Cusanus-Forschung an der Universität Trier) stellte mir einen Mikrofilm des ,,Codex Cusanus“ [2] zur Verfügung. Im Archiv des Stiftes Wilten konnte ich selbst in alle gewünschten Unterlagen Einsicht nehmen.

Vom Stift Stams erhielt ich durch P. Maurus Grebenc und Herrn Josef Ernst eine Reihe von Fotokopien von Urkunden, durch die es möglich war, das ,,Vorleben“ des berühmten Konzilstheologen Johannes von Gelnhausen aufzuhellen.[3] Leider war es in Stams und St. Georgenberg, wie auch im Archiv derKünigl von Ehrenburg nicht möglich, selbst umfassende Studien vorzunehmen. Das Germanische National-Museum in Nürnberg stellte bereitwillig Fotokopien von Aktenmaterial aus dem Wolkenstein-Archiv zur Verfügung.

Nach meiner Versetzung nach Spanien wäre eine Fortführung des Projektes ohne die unbürokratische Hilfe der großen Bibliotheken nicht möglich gewesen. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv München, das, die bayerische Staatsbibliothek München und die Österreichische Nationalbibliothek in Wien schickten mir praktisch alle gewünschten Unterlagen in Form von Kopien nach Spanien, ebenso auch das Stift Neustift.

In ganz besonderer Weise bin ich auch der Universitätsbibliothek Innsbruck (besonders Herrn Dr. Walter Neuhauser und Frl. Sepp) zu Dank verpflichtet, die mir ganze Codices kopieren ließ bzw. mir schickte, Im Staatsarchiv Ljubljana (Laibach) konnte ich ebenfalls ganze Faszikelbände durchsehen und fotokopieren lassen.

Hilfreich bei der Materialbeschaffung war mir auch das Stift St. Peter in Salzburg und die Stiftsbibliothek Melk. Herr Dr. Egon Kühebacher verdanke ich Materialien aus dem Stiftsarchiv Innichen.

Mehrere im einzelnen vermerkte, schwerlesbare Urkunden transkribierte und übersetzte Dr. Karl Rauter (Döbriach). Mein Freund Dr. Elmar Lechner (Klagenfurt) war mir in mehrfacher Weise bei der Materialbeschaffung behilflich.

Schließlich danke ich noch der Fernleihe der Universitätsbibliothek Klagenfurt (besonders Henn Engelbert Rauch) für die unkomplizierte Beschaffung von Mikrofilmen und Fotokopien.

Die meisten Fotos stammen von meiner Frau Dr. Ulrike Baum, die außerdem das Register anfertigte, die Fahnen korrigierte und zahllose Einzelprobleme immer wieder mit mir durchdiskutierte. Ihr sei das Buch in Dankbarkeit gewidmet.

Neben allen genannten Personen und Institutionen danke ich besonders auch dem Verlag Athesia für sein vielfaches Entgegenkommen und die gute Kooperation und dem Südtiroler Kulturinstitut für die Gewährung eines Druckkostenbeitrages. Möge das Nord- und Südtirol in gleicher Weise berührende Buch zu einer neuen Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk des umstrittenen Philosophen und Reformators fuhren!

  1. ↑ Anm. KF: Cusanus hat damit Recht und  ist als Reformator letztlich weitestgehend darin gescheitert Organisationen zu verbessern, weil er Teil des Systems und der Organisation war – will man eine Organisation verbessern, muß man von außen her kommen und Neuitralität wahren. Er sagt in der Predigt (Ex sermone Haec omnia tibi dabo): „Zuweilen ereignet es sich bei der Verfolgung, daß durch den Haß der Verfolger der Zauberei irgendein Unschuldiger zugrunde geht. So bringt der Teufel viele zur Zustimmung zu ihrem Morde und verblendet irgendein altes unglückliches Weib derart, daß es sich als Hexe einkerkern und töten läßt. Und Gott erlaubt es. Aus diesen Vergehen folgt dann das größte Unheil von wegen des unschuldig vergossenen Blutes. Daher muß man sich sehr hüten, daß man nicht mit dem Wunsche, das Übel auszurotten, das Übel vergrößert. Ich habe zwei von den alten Weibern verhört und habe sie halb verrückt befunden und kam zu der Überzeugung, daß diese Weiber krank seien und delirierten'."
  2. ↑ Anm. KF: Der in der Cusanus-Bibliothek überlieferte Codex Cusanus 221, das sogenannte Cusanus-Chartular, ist eine der Hauptquellen zur Auseinandersetzung zwischen Nikolaus von Kues und Herzog Sigismund von Tirol. Die Handschrift wurde 1462/63 von Simon von Wehlen, der ein Neffen des Cusanus, einer seiner wichtigsten Sekretäre und Rentmeister in Brixen war, zusammengestellt. Auf 550 Seiten finden sich darin ca. 421 deutsche und lateinische Dokumente (Bullen, Briefe, Zeugenaussagen, Breven, Instruktionen, Reden, Gutachten etc.) mit vielen persönlichen Anmerkungen von der Hand des Kardinals. Die Fragen, die Herr Ingo Keuser in seinem Promotionsvorhaben an das Manuskript stellt, reichen von der Beschreibung der Handschrift über die Argumentations- und Verteidigungsstrategie des Nikolaus von Kues bis hin zur Person des Simon von Wehlen. Frau Prof. Dr. Petra Schulte widmet sich ausgehend vom Codex Cusanus 221 der Beziehung zwischen Nikolaus von Kues und Venedig. (Quelle: Zentrum für Cusanus-Forschung)
  3. ↑ Anm. KF: Verfasste um 1405 den nach ihm benannten Codex Gelnhausen. Diese Kodifikation des Bergrechts ist für die Geschichte der Rezeption des römischen und kanonischen Rechts von großer Bedeutung.