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Padua (Cusanus)

aus AufEinWort, der freien Forschung

ist eine Stadt und ein Bistum in der oberitalienischen Region Ventien, die vermutlich im 4. Jahrhundert v. Chr. gegründet wurde.

Seit dem 12. Jahrhundert gibt es dort eine Kathedralschule. 1222 entsteht die Universität von Padua, dadurch dass Studenten und Professoren der Universität Bologna fortgehen und sich in Padua niederlassen. Ihre Blütezeit erlebt die Universität im 15. Jahrhundert. In diese Zeit fällt der Aufenthalt des Nikolaus von Kues. Es zieht ihn wohl zwischen 1415 und 1420 zum Studium des Kirchenrechts in die oberitalienische Stadt, damals ein Zentrum des kulturellen wie des intellektuellen Austausches. Ein Rechtsstudium dort (oder in Italien im Allgemeinen) verspricht einen sozialen Aufstieg. Über Cusanus’ Zeit in Padua existieren nur wenige Dokumente. Ab Ende des Jahres 1420 wohnt er wohl zusammen mit anderen Studenten im Hause seines Lehrer für Kirchenrecht, Prosdocimus de Comitibus (Prosdocimo Conti). Dieser führt scheinbar zu dieser Zeit eine Art Studentenwohnheim in seinen eigenen vier Wänden. 1423 schließt Cusanus sein Studium als Doktor der Dekrete (doctor decretorum) ab. Während seines Studiums lernt er Lehrer und Lehren kennen, die ihn stark beeinflussen. So hat beispielsweise Prosdocimus de Beldomandis (1380-1428), der Lehrstuhlinhaber für Musik und Astrologie, ihn geprägt. Vermutlich ist er auch das Verbindungsglied zwischen dem berühmten Paduaner Philosophen und Mathematiker Blasius von Parma (Biagio Pelacani da Parma, ca. 1345–1416 ) und Cusanus. Seinem Lehrer für römisches Recht, der spätere Kardinal und Präsident des Basler Konzils Giuliano Cesarini (1398-1444), widmet er zwei seiner wichtigsten Schriften: De docta ignorantia und De coniecturis. Durch Cesarini lernt Nikolaus von Kues auch Ideen und Lehren des Kanonisten Francesco Zabrella (1360-1417) kennen. Dieser ist ein Vertreter der Konziliartheorie, und Cesarini wie auch Cusanus ziehen aus seinen Werken vieles für ihre Theorien über Papsttum und Konzil.

Während der Studienzeit in Padua schließt Nikolaus von Kues auch wichtige Freundschaften, die zum Teil bis zu seinem Tode bestehen. Einer dieser Freund ist der spätere Arzt, Mathematiker, Astronom und Geograph Paolo dal Pozzo Toscanelli (1397-1482). Er war vermutlich wie Cusanus ein Schüler von Prosdocimus de Beldomandis. Später unterrichtet Toscanelli unter anderem Filippo Brunelleschi und Leon Battista Alberti in Mathematik. Die Freundschaft mit Cusanus ist von wissenschaftlichem Austausch geprägt. Toscanelli übersendet ihm in 1443 die von Ambrogio Traversari erstellt lateinische Übersetzung der Peri mustikes theologias (De mystica theologia) des Dionysius Areopagita. Zwei Jahre später widmet Cusanus seinem Freund den mathematische Traktat De geometricis transmutationibus und 1457 lässt er ihn als Dialogpartner in der Quadratura circuli auftreten. Die Freundschaft endet mit dem Tod des deutschen Kardinals 1464 in Todi. Toscanelli steht ihm am Sterbebett zur Seite.

Ein weiteres freundschaftliches Verhältnis verbindet Nikolaus von Kues mit dem späteren Kardinal Domenico Capranica (1400-1458). Dieser studiert kanonisches und römisches Recht in Padua. Sie treffen sich unter anderem während des Basler Konzils wieder, wo Capranica Enea Silvio Piccolomini als Sekretär an seiner Seite hat.

Beeindruckt ist Cusanus wohl auch von den Predigten des Bernardino da Siena, Minderbruder in den Franziskaner-Observantenorden, den er in Padua hört und an den er in einer seiner eigenen Predigten erinnert.

Die wissenschaftlichen Traditionen, die Nikolaus von Kues unter anderem durch Gelehrte wie Biagio Pelacani da Parma und Prosdocimus de Beldomandis in Padua kennen lernt, sind stark mathematisch-physikalisch orientiert. So verfolgt die dortige epistemologische Theorie einen logisch-visuellen und mathematischen Ansatz, nach dem die Mathematik mit größter Sicherheit die Wahrheit ermitteln könne. Denn sie gelte als einzig exakte und deshalb als wichtigste Wissenschaft. Die mathematische Wahrheit beruhe auf dem Prinzip von Exaktheit, welche auf das Konzept des gleichheitlichen Verhältnisses zurückzuführen sei. Cusanus seinerseits bearbeitet diese Theorie dann für die Theologie weiter (vgl. dazu De docta ignorantia).

Literatur:

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G. FEDERICI VESCOVILI: Cusanus und das wissenschaftliche Studium in Padua zu Beginn des 15. Jahrhunderts, in: Nicolaus Cusanus zwischen Deutschland und Italien. Beiträge eines deutsch-italienischen Symposiums in der Villa Vigoni, hrsg. von. M. Thurner, Berlin 2002 (Veröffentlichungen des Grabmann-Institutes zur Erforschung der Mittelalterlichen Theologie und Philosophie; 48), S. 93-113.

L. GAFFURI und J. VERGER: Padua, in LexMA, Bd. 6 (1993), Sp. 1617-1623.

TH. E. MORRISSEY: Ein unruhiges Leben. Franciscus Zabarella an der Universität von Padua (1390-1419). Die Welt, die Nikolaus von Kues vorfand, in: MFCG 24 (1998), S. 5-40.

H. SCHNARR: Frühe Beziehungen des Nikolaus von Kues zu italienischen Humanisten, in: Nicolaus Cusanus zwischen Deutschland und Italien. Beiträge eines deutsch-italienischen Symposiums in der Villa Vigoni, hrsg. von M. Thurner, Berlin 2002 (Veröffentlichungen des Grabmann-Institutes zur Erforschung der Mittelalterlichen Theologie und Philosophie; 48), S. 187-213.

Alexandra Geissler

23.06.2010

zuletzt bearbeitet: 23.06.2010