Paronyme
Seitenversionsstatus
Die Seite wurde nicht überprüft
Paronym-e Mz. —Nwf. z. Paronym
Bedeutungen:
- [1] Linguistik: ein Wort einer Sprache, das einem Wort einer anderen Sprache lautlich (phonetisch) ähnlich ist und die gleiche Bedeutung hat
- [2] Linguistik: ein Wort, das morphologisch teilweise mit einem anderen übereinstimmt, aber eine andere Bedeutung hat
Herkunft:
- von griechisch παρώνυμος (parōnymos Aristoteles), (lat. parōnymon) „ähnlichnamig“ aus παρά- (para-) „bei, neben“ und ὄνομα (agr. ónoma) „Name“
Oberbegriffe:
- [2] Wortfamilie
Beispiele:
- [1] In der Literatur wird als Beispiel für Wörter, die Paronyme sind, auf deutsch „Sommer“ und englisch „summer“ verwiesen.[2]
- [2] Bußmann verweist als Beispiele für Paronyme auf die Wörter der Wortfamilie, die aus dem Stamm „les-“ (zum Verb lesen) abgeleitet werden können.
- [2] Duden. Das große Fremdwörterbuch nennt als Beispiele für Paronyme die Wortfamilie mit dem Stamm „red-“: „Rede- reden - Redner - redlich - beredt“.[3]
- [2] „Paronyme können bedingt sein durch fehlerhaften Gebrauch oder durch spielerischen Umgang mit der Sprache.“[4]
- [2] „Paronyme werden in der Regel nicht als Synonyme betrachtet, sondern es handelt sich um Ausdrücke mit einem erhöhten Grad an »ausdrucksgebundener Verwechslungsmöglichkeit« (…).“[5]
Wortbildungen:
Paronyme
[✎]Als Paronyme bezeichnet man verwechselbar ähnliche Wörter innerhalb einer Sprache. Zurückgehend auf einen Vorschlag von Jean Bertrand[1] wird ein Paronym in Analogie zum falschen Freund, der sich auf Fremdsprachen bezieht, auch als falscher Bruder bezeichnet. Paronyme entfalten ihre Wirkung in häufigen oder geläufigen Missverständnissen, die regelmäßig wiederkehren, oft lange bestehen bleiben und auch punktuell auftreten können, oder das Lernen der jeweiligen Sprache erschweren.
Welche Wörter im Einzelnen als paronym zueinander empfunden werden, hängt vom Ausbildungsstand und vom sozialen, regionalen wie sprachlichen Umfeld der beteiligten Sprecher ab. Auch die Sprachwissenschaft kennt mehrere Definitionen und Zugänge zum Phänomen des Paronyms; die Paronymie als solche ist noch ungenügend erforscht.[2] Paronyme eignen sich für Witze und Wortspiele, weil sich ihre Sinngebung leicht einem Zusammenhang unterstellt, aus dem sie danach aber überraschend wieder herausgeholt wird.
Eine Unterklasse der Paronyme sind die Homophone, die in Anlehnung an ein Ratespiel auch Teekesselchen genannt werden.
Beispiele
[✎]Deutsch
[✎]Adjektiv
[✎]- abstrus–absurd
- adrett–kokett
- afferent–efferent
- agil–fragil
- anscheinend–scheinbar
- ästhetisch–ätherisch
- dediziert–dezidiert
- diffizil–diffus
- diffus–konfus
- effektiv–effizient
- ethisch–ethnisch
- frigid–frivol
- geistig–geistlich
- histologisch–historisch–hysterisch
- infantil–infertil
- jovial–juvenil
- komplex–kompliziert
- konkav – konvex
- labil–stabil –debil
- lakonisch–drakonisch
- latent–lateral
- launig–launisch
- mondän–mondial
- morbid–moribund
- narrativ–nativ–naiv
- objektiv–subjektiv
- obligat–obsolet
- obskur–obszön
- offenbar–offensichtlich (offenkundig)
- offiziell–offiziös
- omnipotent–omnipräsent
- pekuniär–prekär
- perfid–pervers
- profan–profund
- real–reell
- renitent–resistent
- rigid–frigid
- sakral–säkular
- sensibel–sensitiv
- stupid–stupend
Präfix
[✎]Substantiv
[✎]- Aarau–Aargau
- Absorption–Adsorption
- Adhäsion–Kohäsion
- Adduktion–Abduktion
- Aerometer–Aräometer
- Agglomerat–Konglomerat
- Amnesie–Amnestie
- Astrologie–Astronomie
- Aszendent–Assistent
- Bit–Byte
- Deprivation–Depravation
- Derivation–Distribution
- Effekt–Affekt
- Effekt–Effet
- Emerit–Eremit
- Emigrant–Immigrant
- Emission–Immission
- Engagement–Arrangement
- Exitus–Exodus
- Exponat–Exponent
- Fission–Fissur
- Fission–Fusion
- Fraktion–Fraktur
- Inferenz–Interferenz
- Informand–Informant
- Injektion–Interjektion
- Intention–Intension
- Internet–Intranet
- Intuition–Institution
- Invention–Intervention
- Irrigation–Irritation
- Jurist–Journalist
- Kapitel–Kapitell
- Katheder–Katheter
- Kohärenz–Kohäsion
- Koma–Komma
- Kondition–Konzession
- Konjunktiv–Konjunktion–Konjugation
- Konklave–Enklave
- Kontakt–Kontrakt
- Kommunismus–Konsumismus
- Komplement–Kompliment
- Konstellation–Konstitution
- Kooperation–Kooptation–Koordination
- Koryphäe–Konifere
- Kurtine–Kurtisane
- Mandat–Mandant
- Meteor–Meteorit–Meteoroid
- Metrologie–Meteorologie
- Nukleon–Neutron–Neutrino–Neuron
- Ökologie–Ökonomie–Ökumene
- Observation–Obsession
- Obstipation–Obstruktion
- Okklusion–Okkupation
- Pedant–Pendant
- Präkrastination–Prokrastination
- Reflex–Reflux
- Relikt–Replik
- Reverenz–Referenz
- Rezeption–Rezension–Rezession
- Stalaktit–Stalagmit–Stalagnat
- Statik–Statistik
- Subduktion–Substitution–Subtraktion–Subvention
- Subjekt–Sujet
- Version–Variante–Variation
- Ventrikel–Vesikel
- Veterinär–Veteran
- Versprechen–Versprecher
- Zäsur–Zensur
Verb
[✎]- adoptieren–adaptieren
- erigieren–irrigieren
- exekutieren–exerzieren–extrahieren–exzerpieren
- fingieren–fungieren
- haken–hacken
- imponieren–imprägnieren
- intrigieren–integrieren
- kollabieren–kollaborieren–kollidieren
- kompromittieren–korrumpieren
- konstatieren–konsternieren
- kontrollieren–kondolieren
- kooperieren–kooptieren–koordinieren
- scharen–scharren
- singen–sinken
- spuken–spucken
- statuieren–stationieren
- verbieten–verbitten
- versengen–versenken
- zehren–zerren
Englisch
[✎]- Australia – Austria
- conjuncture – conjecture
- night – knight
- precedent – president[3]
- quarrel – quarry
- quiet – quite
- than – then
- their – there
- worse – worth
- marshall – martial
- the kings – The Kinks (englische Band)
Französisch
[✎]- antiseptique – aseptique
- amoral – immoral
- je veux – cheveux
- t’as – ta
- (ça) soit – soit (l’un soit l’autre)
- j’irai – j'irais
- c’est – (il) s’est
- antérieur – intérieur
Litauisch
[✎]- Farmacija – formacija
- Kompanija – kampanija
Polnisch
[✎]- adaptować – adoptować
Bulgarisch
[✎]- Австралия – Австрия
- боксувам – буксувам
- указвам – оказвам
Russisch
[✎]- Австралия – Австрия
- указывать – оказывать
Ungarisch
[✎]- ateista – autista
- adaptál – adoptál
- allegória – filagória
Siehe auch
[✎]Literatur
[✎]- Harald Kipp: Non-Verwexlexikon: Englische Vokabeln, die am häufigsten verwechselt werden. 3., stark erw. Neuausg., Lübbe, Bergisch Gladbach 1991,ISBN 3-404-66208-3
- Ioan Lăzărescu: Die Paronymie als lexikalisches Phänomen und die Paronomasie als Stilfigur im Deutschen. Editura Anima, Bukarest 1999,ISBN 973-9053-42-4
- Wolfgang Mentrup: Mahlen oder malen? Gleichklingende, aber verschieden geschriebene Wörter. Bibliographisches Institut, Mannheim (u. a.) 1971 (= Duden-Taschenbücher, 13),ISBN 3-411-01143-2
- Wolfgang Müller: Leicht verwechselbare Wörter. Duden-Verlag, Mannheim (u. a.) 1973 (= Duden-Taschenbücher, 17),ISBN 3-411-01147-5
- Anna Pavlova: Paronym-Wörterbuch. Russisch und deutsch. SAXA Verlag, Berlin 2011,ISBN 978-3-939060-31-4
- Petra Storjohann: Das künftige Projekt „elexiko: Paronymwörterbuch“. In: Sprachreport, 30. Jahrgang, Nummer Heft 1, 2014, S. 22–29.
Weblinks
[✎]Einzelnachweise
[✎]- Jean Bertrand: Dictionnaire pratique des faux frères – mots a ne pas confondre entre eux. Nathan, Paris 1979.
- Ioan Lăzărescu: Deutsche Paronyme. In: Grazer Linguistische Studien 43 (1995), S. 85–93 (PDF-Download).
- Adam Gabbatt: 'Unpresidented': Donald Trump invents the Guardian's word of the year. In: The Guardian. 19. Dezember 2016,ISSN 0261-3077 (theguardian.com[abgerufen am 18. Februar 2019]).