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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/103

aus AufEinWort, der freien Forschung
(Weitergeleitet von Phaidon (Platon)/103)

—Übrstzng B.Z.

◀▷... Jene aber erträgt esnicht, indem sie groß ist, auch klein zu sein. Ganz auf dieselbe Weise will auch das Kleine in uns niemals groß werden, noch sein, und auch kein anderes von den einander Entgegengesetzten will, während es noch ist, was es war, zugleich das ihm Entgegengesetzte werden oder sein, sondern [1] entweder es geht fort, oder es geht bei diesem Vorgang unter.

Ganz und gar, sagte Kebes, scheint es mir so zu sein.

[2] Da sagte einer von den Anwesenden, der das gehört hatte – wer es war, erinnere ich mich nicht genau –: Bei den Göttern, ist nicht in unseren früheren Reden genau dem Gegenteil des jetzt Gesagten zugestimmt worden, nämlich daß aus dem Kleineren das Größere entstehe und aus dem Größeren das Kleinere und daß eben das schlechthin die Entstehung für Entgegengesetztes sei, die aus Entgegengesetztem?[3] Jetzt aber scheint mir behaup- tet zu werden, daß dies niemals sein könne.

Da sagte Sokrates, der ihm den Kopf zugewandt und zugehört hatte: [4] Sehr tapfer hast du dich da erinnert, allerdings bemerkst du nicht den Unterschied des jetzt Gesagten zu dem, was damals gesagt wurde. Damals wurde nämlich gesagt, daß aus dem entgegengesetzten Ding das entgegengesetzte Ding entstehe, jetzt aber, daß das Entgegengesetzte selbst niemals ein ihm Entgegengesetztes werden könne, weder das in uns noch das in der Natur. Denn damals, mein Freund, sprachen wir von den Dingen, die das Entgegengesetzte an sich haben, indem wir sie mit dem Beinamen von jenen benannten, jetzt aber von jenen selbst, durch deren Anwesenheit in ihnen die so benannten Dinge ihren Namen haben. [5] Von jenen selbst aber behaupten wir doch wohl nicht, daß sie eine Entstehung auseinander zulassen wollen.[6] Und zugleich zu Kebes hinblickend sagte er: Es hat doch wohl, Kebes, nicht auch dich etwas von dem verwirrt, was dieser sagte?

Nein, sagte Kebes, so ergeht es mir nicht; dennoch will ich nicht behaupten, daß nicht vieles mich verwirrte.

Wir sind also, sagte er, schlechthin darin einig, daß niemals ein Entgegengesetztes das ihm selbst Entgegengesetzte sein wird.

Vollkommen, sagte er.

[7] Prüfe mir also auch noch folgendes, sagte er, ob du auch dabei zustimmen wirst. Du nennst doch etwas warm und kalt?

Ja.

Dasselbe, was du Feuer und Schnee nennst?

[8] Bei Zeus, nein.

Sondern etwas anderes als das Feuer ist das Warme und etwas anderes als der Schnee das Kalte?

Ja.

Aber das, meine ich, glaubst du doch, daß niemals Schnee als solcher das Warme aufnehmen und, wie wir im Vorangegangenen gesagt haben, noch sein wird, was er war, Schnee und warm; sondern wenn das Warme sich nähert, wird er ihm entweder ausweichen oder vergehen.[9]

Gewiß.

Und das Feuer wiederum wird, wenn das Kalte sich ihm nähert, sich entweder zurückziehen oder vergehen, niemals aber es ertragen, die Kälte aufzunehmen und noch zu sein, was es war, Feuer und kalt.

[10] Du hast recht, sagte er.

Es ist demnach, fuhr er fort, mit einigen Dingen dieser Art so, daß nicht allein die Idee selbst den ihr eigenen Namen für alle Zeit für sich beansprucht, sondern auch etwas anderes, das zwar nicht jene ist, aber die Form von jener immer an sich hat, so lange es ist. Im folgenden wird es dir vielleicht noch deutlicher, was ich meine; nämlich das Ungerade muß doch immer den Namen bekommen, den wir jetzt aussprechen - oder nicht?

Gewiß.▷

—Übrstzng F.S.