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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/106

aus AufEinWort, der freien Forschung
(Weitergeleitet von Phaidon (Platon)/106)

—Übrstzng B.Z.

◀▷[1] Wie also, Kebes? fragte er. Wenn es dem Ungeraden notwendig zukäme, unvergänglich zu sein, wäre dann die Drei etwas anderes als unvergänglich?[2]

Wie denn nicht?

Und wenn das Nicht-Warme notwendig unvergänglich wäre, würde sich dann nicht, sobald jemand an Schnee Wärme heranbrächte, der Schnee zurückziehen – unversehrt und ungeschmolzen? Denn vergehen könnte er ja nicht, und auch nicht verharren und die Wärme aufnehmen.

Du hast recht.

Ebenso würde, meine ich, wenn das Nicht-Kalte unvergänglich wäre, das Feuer, sobald man an es etwas Kaltes heran- brächte, niemals verlöschen und vergehen, sondern sich unversehrt entfernen und weggehen.

Notwendig, sagte er.

[3] Muß man nicht auf diese Weise notwendig auch von dem Unsterblichen sprechen? Wenn das Unsterbliche auch unvergänglich ist, dann ist es für die Seele unmöglich, zugrundezugehen, wenn der Tod an sie herantritt. Denn den Tod kannsie nach dem vorhin Gesagten nicht annehmen, noch kann sie gestorben sein – wie das, was drei ist, so sagten wir, nicht gerade sein kann, ebensowenig das Ungerade selbst, und das Feuer nicht kalt, ebensowenig die Wärme im Feuer. Aber was hindert daran, könnte jemand sagen, daß das Ungerade zwar nicht gerade werden kann, wenn das Gerade herankommt, wie zugestanden war, wohl aber, [4] daß es vergeht und anstelle von jenem ein Gerades entsteht? Dem gegenüber, der dies sagte, könnten wir es wohl nicht durchfechten, daß es nicht vergeht; denn das Ungerade ist nicht unvergänglich. Wenn uns das aber zugestanden würde, könnten wir es leicht durchfechten, daß, wenn das Gerade herankommt, das Ungerade und das, was drei ist, sich entfernen und weggehen. Und in bezug auf das Feuer und das Warme und die anderen Dinge könnten wir es ebenso durchfechten – oder nicht?

Allerdings.

Nicht auch in bezug auf das Unsterbliche? Wenn man uns zugestehen würde, daß es auch unvergänglich ist, dann wäre die Seele, außer daß sie unsterblich ist, auch unvergänglich. Wenn [5] aber nicht, dann bedürfte es einer anderen Rede.

Aber dessen bedarf es nicht, sagte er, wenigstens nicht deswegen; denn schwerlich könnte wohl etwas anderes die Vergänglichkeit nicht annehmen, wenn sogar das Unsterbliche und immer Seiende die Vergänglichkeit annähme.

[6] Daß Gott wenigstens, so glaube ich, sagte Sokrates, und die Idee des Lebens selbst und wenn sonst noch etwas unsterblich ist,[7] niemals vergehen, das dürfte wohl von allen zugestanden werden.

Von allen Menschen ganz bestimmt, bei Zeus, und noch mehr, wie ich meine, von den Göttern.

[8] Wenn also das Unsterbliche auch unvergänglich ist, müßte die Seele dann nicht, wenn sie doch unsterblich ist, auch unvergänglich sein?

Ganz notwendig.

Tritt also der Tod an den Menschen heran, dann stirbt zwar das Sterbliche an ihm, wie es scheint, das Unsterbliche aber entfernt sich und geht unversehrt und unvergänglich fort, indem es dem Tod ausweicht.

Offenbar.▷

—Übrstzng F.S.