Werk:Werk:Phaidon (Platon)/110
◀▷[1] … Denn diese Erde und die Steine und der ganze Ort hier sind verwüstet und zerfressen, wie die Dinge mi Meer vom Salz, und weder wächst etwas Erwähnenswertes im Meer, noch gibt es darin etwas sozusagen Vollkommenes; aber Klüfte, Sand, unbeschreiblichen Schlamm und Schmutz gibt es dort, wo irgend noch Erde ist, und nichts, was im geringsten wert wäre, mit den Schönheiten bei uns verglichen zu werden. Jene aber wiederum würden gegenüber den Dingen bei uns als noch viel vorzüglicher erscheinen.[2] Wenn ich noch einen schönen Mythos vorbringen darf, dann ist es wert zu hören, wie die Dinge auf der Erde, die unmittelbar unter dem Himmel ist, beschaffen sind.
Aber gewiß, Sokrates, sagte Simmias, wir würden diesen Mythos gerne hören.
[3] Man sagt also, mein Freund, zuerst sei die Erde so anzusehen,wenn man sie von oben betrachten würde, wie die aus zwölf Lederstücken zusammengesetzten Bälle,[4] nämlich gefleckt und in Farben eingeteilt, von denen die Farben hier wie Proben sind, die die Maler verwenden. [5] Dort aber bestehe die ganze Erde aus solchen, und aus noch viel leuchtenderen und reineren als diese. Denn der eine Teil sei purpurfarben und von wunderbarer Schönheit, der andere goldfarben, was aber weiß ist, sei weißer als Gips oder Schnee, und aus den anderen Farben sei sie in gleicher Weise zusammengefügt, und aus noch mehr und noch schöneren, als wir je gesehen haben. Denn selbst diese Höhlungen, die mit Wasser und Luft angefüllt sind, böten sich als eine Art von Farbe dar, [6] leuchtend in der Mannigfaltigkeit der verschiedenen Farben, so daß sie, zu einer Gestalt vereinigt, bunt erscheine. Auf dieser, die so beschaffen ist, wüchsen in entsprechender Weise die Gewächse: Bäume, Blumen und die Früchte. Die Berge wiederum und die Steine hätten in entsprechender Weise Glätte und Durchsichtigkeit und schönere Farben. Von denen seien auch die hiesigen Edelsteine, die so geschätzt werden, Teile,wie Karneole, Jaspis, Smaragde und alles derartige. [7] Dort aber gebe es Das Verursachende dafür sei, daß jene Steine rein sind und nicht zerfressen und verwittert wie die hiesigen durch Fäulnis und Salz von dem Wasser, das hier zusammengeflossen ist, was auch den Steinen, der Erde und allen Lebewesen und Gewächsen Häßlichkeit und Krankheiten bringt. Die Erde selbst aber sei geschmückt mit all diesen Dingen und außerdem mit Gold, Silber und dem übrigen in der Art. …▷