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Werk:Werk:Phaidon (Platon)/115

aus AufEinWort, der freien Forschung
(Weitergeleitet von Phaidon (Platon)/115)

—Übrstzng B.Z.

◀▷…Also [1] deswegen darf der Mensch zuversichtlich sein in bezug auf seine Seele, der im Leben den verschiedenen den Körper betreffenden Lüsten und dessen Schmuck entsagt hat wie einer Sache, die ihm fremd ist, und weil er glaubt, damit den Schaden nur größer zu machen; der aber denen, die das Lernen betreffen, mit Eifer nachgegangen ist und seine Seele geschmückt hat, nicht mit fremdem, sondern mit dem ihr eigenen Schmuck, [2] mit Besonnenheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Freiheit[3] und Wahrheit, und so seine Reise in die Unterwelt erwartet, um zu reisen, wenn das Geschick ihn ruft. Ihr nun, Simmias und Kebes und ihr anderen, werdet ein anderes Mal reisen, jeder zu seiner Zeit; mich aber ruft jetzt bereits, würde ein Mann der Tragödiewohl sagen, das Geschick, und es ist fast schon Zeit für mich, mich dem Bad[4] zuzuwenden. Es scheint mir nämlich besser zu sein, erst zu baden und dann das Gift zu trinken und den Frauen keine Umstände damit zu machen, die Leiche zu waschen.

[5] Nachdem er das gesagt hatte, sprach Kriton: So sei es, Sokrates. Was aber trägst du diesem oder mir auf wegen deiner Kinder oder einer anderen Sache, womit wir dir am meisten einen Liebesdienst erweisen könnten, wenn wir es tun würden?

Was ich immer sage, Kriton, sprach er, nichts Neues weiter: daß ihr, wenn ihr für euch selbst Sorge tragt, sowohl mir und den meinen als auch euch selbst einen Liebesdienst erweisen werdet, was auch immer ihr tun mögt – auch wenn ihr jetzt nicht zustimmt. Daß ihr aber, wenn ihr nicht für euch sorgt und nicht gleichsam der Fährte des jetzt und schon in früherer Zeit Gesagten folgend leben wollt, nichts weiter erreichen werdet, wenn ihr auch [6] gegenwärtig noch so sehr und so heftig zustimmen würdet.

Wir wollen uns also bemühen, sagte er, dies so zu tun. Auf welche Weise sollen wir dich aber begraben?

Wie ihr wollt, sprach er, wenigstens wenn ihr mich erwischt und ich euch nicht entkomme. Dabei lächelte er sanft und sagte, indem er uns anblickte: Ich überzeuge, ihr Männer, den Kriton wohl nicht, daß ich dieser Sokrates bin, der sich jetzt unterhält und jedes von dem ordnet, was gesagt wird, sondern er glaubt, [7] ich sei jener, den er wenig später als Leichnam sehen wird, und fragt daher, wie er mich begraben soll. Daß ich aber schon lange eine große Rede darüber gehalten habe, daß ich, sobald ich das Gift getrunken habe, nicht länger bei euch bleiben, sondern mich entfernen und zu irgendwelchen Freuden der Seligen fortgehen werde, das, meint er wohl, sage ich nur, um euch und zugleich mich selbst zu trösten. Leistet also eine Bürgschaft für mich bei Kriton, und zwar die entgegengesetzte Bürgschaft zu der, die er bei den Richtern geleistet hat. Er nämlich war Bürge dafür, daß ich dableibe; ihr aber verbürgt euch, daß ich nicht dableiben werde, wenn ich sterbe, sondern daß ich mich entfernen [8] und fortgehen werde, damit Kriton es leichter ertrage, und nicht, wenn er meinen Körper verbrennen oder begraben sieht, unwillig werde meinetwegen, als ob mir Furchtbares widerfah- ren würde, und damit er beim Begräbnis nicht sage, daß er Sokrates ausstelle oder heraustrage oder beerdige. Denn wisse nur, bester Kriton, fuhr er fort, sich unschön auszudrücken ist nicht nur an sich fehlerhaft, sondern es flößt auch den Seelen etwas Schlechtes ein.[9] …▷

—Übrstzng F.S.