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Platonischer Körper (Mathematische Eigenschaften)

aus AufEinWort, der freien Forschung

Platonische Körper als reguläre Parkettierungen der Sphäre

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Projiziert man die Kanten eines platonischen Körpers aus dem Mittelpunkt auf eine Kugel mit demselben Mittelpunkt, z. B. auf die Umkugel, so erhält man eine Parkettierung der Kugeloberfläche durch zueinander kongruente regelmäßige sphärische Vielecke, wobei in jeder Ecke gleich viele Kanten unter gleichen Winkeln zusammentreffen. Diese Parkettierungen haben dieselben Symmetrien wie der Ausgangskörper. Insbesondere sind sie ebenfalls fahnentransitiv. Es sind die fünf regulären Parkettierungen der Sphäre, zwischen denen dieselben Dualitätsbeziehungen bestehen wie zwischen den Körpern. In anderem Zusammenhang spricht man auch von Landkarten und dualen Landkarten.

Jede reguläre Parkettierung kann durch ein Paar {p,q}, das sogenannte Schläfli-Symbol, beschrieben werden, wobei p für die Anzahl der Kanten eines Feldes und q für die Anzahl der in einer Ecke endenden Kanten steht. Die platonischen Körper sind die dualen Paare {4,3} (Hexaeder) und {3,4} (Oktaeder), {5,3} (Dodekaeder) und {3,5} (Ikosaeder) sowie das selbstduale {3,3} (Tetraeder).

Geometrisch bedeutet das für die platonischen Körper, dass

  • p die Anzahl der Ecken der Seitenflächen ist. Die Seitenflächen des platonischen Körpers sind also regelmäßige p-Ecke.
  • q die Anzahl der Flächen/Kanten des platonischen Körpers sind, die an einer Ecke zusammentreffen.

Die Summe der Innenwinkel an einer Ecke des platonischen Körpers beträgt daher q⋅p−2p⋅180∘ (siehe Regelmäßiges Polygon - Winkel). Daraus ergibt sich die Ungleichung

q⋅p−2p⋅180∘<360∘⇒1p+1q>12(p,q∈ℕ)

mit den oben genannten Lösungen. Diese Beziehung folgt auch aus dem eulerschen Polyedersatz, der die Anzahl E der Ecken, K der Kanten und F der Flächen zueinander in Bezug stellt:

E−K+F=2,

wobei die Konstante 2 für die Sphäre charakteristisch ist.[1]

In der euklidischen Geometrie gilt für unendlich große planare Graphen bei geeigneter, nämlich asymptotischer Interpretation der Gleichung

E−K+F=0

oder

1p+1q=12(p,q∈ℕ)

mit den Lösungen

{4,4} (selbstdual) sowie {3,6} und dual dazu {6,3}, die für die drei platonischen Parkettierungen der Ebene (durch Quadrate, gleichseitige Dreiecke und regelmäßige Sechsecke) stehen, die Verallgemeinerungen der platonischen Körper darstellen.

Die Lösungen von

1p+1q<12 (p,q∈ℕ)

liefern die regulären Parkettierungen der hyperbolischen Geometrie.

Für die platonischen Körper gilt nicht nur E−K+F=2, sondern auch q⋅E=2⋅K=p⋅F. Dieses ausschließlich ganzzahlige Gleichungssystem aus drei Gleichungen lässt sich auflösen und ergibt für die Anzahl E der Ecken, K der Kanten und F der Flächen:

E=4⋅p4−(p−2)⋅(q−2)
K=2⋅p⋅q4−(p−2)⋅(q−2)
F=4⋅q4−(p−2)⋅(q−2)

Es lässt sich also für jeden platonischen Körper nur durch die Vorgabe von p und q (siehe oben) die Anzahl der Ecken, Kanten und Flächen berechnen, ohne die genauen geometrischen Eigenschaften zu kennen.

Übersicht

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Allgemeine Betrachtungen

der platonischen Körper

Allgemeiner Fall Tetraeder Hexaeder Oktaeder Dodekaeder Ikosaeder
Schläfli-Symbol {p,q} {3,3} {4,3} {3,4} {5,3} {3,5}
Anzahl der Ecken E=4⋅p4−(p−2)⋅(q−2) 4 8 6 20 12
Anzahl der Kanten K=2⋅p⋅q4−(p−2)⋅(q−2) 6 12 12 30 30
Anzahl der Flächen F=4⋅q4−(p−2)⋅(q−2) 4 6 8 12 20
Innenwinkel der Seitenflächen α=p−2p⋅180∘ 60° 90° 60° 108° 60°
Summe der Innenwinkel q⋅p−2p⋅180∘ 180° 270° 240° 324° 300°
Winkeldefekt
(360° − Summe der Innenwinkel)
(2−q⋅p−2p)⋅180∘ 180° 90° 120° 36° 60°

Oberflächeninhalt

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Für den Flächeninhalt der Oberfläche des platonischen Körpers gilt mit der Seitenlänge a und dem Schläfli-Symbol {p,q}

AO=p⋅q⋅a24−(p−2)⋅(q−2)⋅cot⁡(πp)

denn die Oberfläche besteht aus F=4⋅q4−(p−2)⋅(q−2) kongruenten regelmäßigen p-Ecken (siehe Regelmäßiges Polygon - Umfang und Flächeninhalt)

Winkel zwischen benachbarten Flächen

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Für den Winkel β zwischen benachbarten Flächen (Diederwinkel) gilt

β=2⋅arcsin⁡(cos⁡(πq)sin⁡(πp))⇔sin⁡(β2)=cos⁡(πq)sin⁡(πp)

wegen 0<β<π, denn die platonischen Körper sind konvex.

Dafür reicht es, eine Diagonale d2 (siehe Regelmäßiges Polygon – Diagonalen) des regelmäßigen q-Ecks zu betrachten, das von den Ecken der Kanten, die an einer bestimmten Ecke zusammentreffen, wie ein Regenschirm aufgespannt wird, und die beiden gleich langen Höhen der Endpunkte (Ecken) dieser Diagonalen auf die Kante, die die betrachtete Ecke mit der von der Diagonalen d2 übersprungenen Ecke verbindet. Auf dieses gleichschenklige Dreieck kann der Sinus angewendet werden.

Die Seiten dieses regelmäßigen q-Ecks („Regenschirm“) sind die Diagonalen d2 der Seitenflächen des platonischen Körpers, also der regelmäßigen p-Ecke der Seitenlänge a, die an der betrachteten Ecke zusammentreffen. Sie haben die Länge

a⋅sin⁡(2⋅πq)sin⁡(πq)=2⋅a⋅cos⁡(πq)

Umkugelradius, Kantenkugelradius, Inkugelradius

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Aus diesem Winkel β zwischen benachbarten Flächen lassen sich der Umkugelradius ru, Kantenkugelradius rk und der Inkugelradius ri des platonischen Körpers bestimmen, indem zusätzlich der Umkreisradius und der Inkreisradius der betroffenen Seitenfläche, einem regelmäßigen p-Eck, betrachtet wird (siehe Regelmäßiges Polygon - Kreis als Grenzform):

ru=a2⋅tan⁡(πq)⋅tan⁡(β2)
rk=a2⋅cos⁡(πp)cos⁡(πq)⋅tan⁡(β2)
ri=a2⋅cot⁡(πp)⋅tan⁡(β2)

Kantenlänge

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Skizze zu den Kantenlängen der platonischen Körper, umschrieben von einer gegebenen Kugel

Die Kantenlänge a erhält man u. a. aus der allgemeinen Formel für den Umkreisradius ru. Darin ist q die Anzahl der Flächen/Kanten des platonischen Körpers, die an einer Ecke zusammentreffen bzw. β der Winkel zwischen benachbarten Flächen (siehe Formeln).

a=2⋅rutan⁡(πq)⋅tan⁡(β2)

Euklid erklärt und beweist die Kantenlängen der fünf platonischen Körper, indem er sie mittels einer Kugel mit gegebenem Durchmesser umschreibt.[2] Die nebenstehende Konstruktionskizze zeigt die so ermittelten Kantenlängen. Werden die Werte der Kantenlängen a nach obiger Formel ermittelt, können sie jeweils in einen arithmetischer Ausdruck umgeformt werden. Der Faktor ru steht dabei für den Umkugelradius ru.

Die hierzu erforderlichen Konstruktionsschritte, sind in den Artikeln der platonischen Körper erläutert.

Raumwinkel in den Ecken

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Im Jahre 2015 veröffentlichte H. C. Rajpoot[4] eine einfache Formel für den Ecken-Raumwinkel[5]

Ω=2⋅π−2⋅q⋅arcsin⁡(cos⁡(πq)⋅tan2(πq)−tan2(α2))

die in allen fünf platonischen Körpern Anwendung findet. Dabei bedeuten die zwei Variablen

  • q die Anzahl der Kanten/Flächen die sich an einer Ecke des platonischen Körpers treffen
  • α=(1−2p)⋅π den Innenwinkel der Seitenflächen des platonischen Körpers

Volumen

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Aus der Oberfläche und dem Inkugelradius ergibt sich schließlich das Volumen, denn jeder platonische Körper lässt sich in F=4⋅q4−(p−2)⋅(q−2) regelmäßige Pyramiden zerlegen, die eine Seitenfläche, also regelmäßiges p-Eck, als Grundfläche und den Inkugelradius als Höhe haben:

V=13⋅A⋅ri=13⋅p⋅q⋅a24−(p−2)⋅(q−2)⋅cot⁡(πp)⋅a2⋅cot⁡(πp)⋅tan⁡(β2)=p⋅q⋅a324−6⋅(p−2)⋅(q−2)⋅cot2(πp)⋅tan⁡(β2)

Formeln

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Größen eines platonischen Körpers mit p Ecken/Kanten pro Fläche, q Flächen/Kanten in einer Ecke und Kantenlänge a
Allgemeiner Fall Beispiel Dodekaeder
Schläfli-Symbol {p,q} {5,3}
Volumen V=p⋅q⋅a324−6⋅(p−2)⋅(q−2)⋅cot2(πp)⋅tan⁡(β2) V≈7,663⋅a3
Oberflächeninhalt AO=p⋅q⋅a24−(p−2)⋅(q−2)⋅cot⁡(πp) AO≈20,646⋅a2
Umkugelradius ru=a2⋅tan⁡(πq)⋅tan⁡(β2) ru≈1,401⋅a[6]
Kantenkugelradius rk=a2⋅cos⁡(πp)cos⁡(πq)⋅tan⁡(β2) rk≈1,309⋅a[7]
Inkugelradius ri=a2⋅cot⁡(πp)⋅tan⁡(β2) ri≈1,114⋅a[8]
Verhältnis von Inkugelradius

zu Umkugelradius

riru=cot⁡(πp)⋅cot⁡(πq) riru≈0,795
Verhältnis von Volumen

zu Umkugelvolumen

VVUK=1π⋅p⋅q4−(p−2)⋅(q−2)⋅cot2(πp)⋅cot3(πq)⋅cot2(β2) VVUK≈0,665
Verhältnis von Inkugelvolumen

zu Volumen

VIKV=π⋅4−(p−2)⋅(q−2)p⋅q⋅cot⁡(πp)⋅tan2(β2) VIKV≈0,755
Innenwinkel der Seitenfläche

(regelmäßiges p-Eck)

(1−2p)⋅180∘ α=108∘≈1,885
Winkel zwischen benachbarten Flächen

(Diederwinkel)

β=2⋅arcsin⁡(cos⁡(πq)sin⁡(πp)) β≈116,565∘≈2,034
Raumwinkel in den Ecken Ω=2⋅π−2⋅q⋅arcsin⁡(cos⁡(πq)⋅tan2(πq)−tan2((12−1p)⋅π)) Ω≈2,962sr
Sphärizität Ψ=π13⋅(6⋅V)23AO Ψ=180⋅π⋅(47+21⋅5)36⋅25+10⋅5≈0,910

Bemerkung: Für den Winkel β zwischen benachbarten Seitenflächen (Diederwinkel) gilt (siehe Trigonometrische Funktion - Beziehungen zwischen den Funktionen und Arkusfunktion - Beziehungen zwischen den Funktionen):

tan⁡(β2)=tan⁡(arcsin⁡(cos⁡(πq)sin⁡(πp)))=(sin2(πp)cos2(πq)−1)−12 wegen tan⁡(arcsin⁡(x))=x1−x2 und
cot⁡(β2)=cot⁡(arcsin⁡(cos⁡(πq)sin⁡(πp)))=(sin2(πp)cos2(πq)−1)12 wegen cot⁡(arcsin⁡(x))=1−x2x.
  1. ↑ Die Anzahl der Flächen ist 2 mal Anz. der Kanten geteilt durch p, die der Ecken 2 mal Anz. der Kanten geteilt durch q
  2. ↑ Euklid, deutsch Rudolf Haller: Stoicheia. Buch XIII.18.
  3. ↑ Euklid zeigt a=|MB‾| und |KC‾|=|CL‾|, folglich ist auch |AH‾|=a.
  4. ↑ Harish Chandra Rajpoot: Solid angles subtended by the platonic solids (regular polyhedra) at their vertices. In: SlideShare. März 2015, abgerufen am 16. Juni 2020.
  5. ↑ Wegen n=q (Schläfli-Symbol) wurde q zwecks Angleichung eingesetzt.
  6. ↑ Eric Weisstein: Dodecahedron. Umkugelradius, Formel (17) weiter vereinfacht. In: MathWorld Wolfram. A Wolfram Web Resource, abgerufen am 1. Juli 2020.
  7. ↑ Eric Weisstein: Dodecahedron. Kantenkugelradius, Formel (19). In: MathWorld Wolfram. A Wolfram Web Resource, abgerufen am 1. Juli 2020.
  8. ↑ Eric Weisstein: Dodecahedron. Inkugelradius, Formel (15). In: MathWorld Wolfram. A Wolfram Web Resource, abgerufen am 1. Juli 2020.