▷ 117. 17 Die gesamte Passage über die ›
Redefeindschaft‹ ist also kein zufälliges
Intermezzo, sondern beleuchtet das Generalthema noch einmal aus anderer
Perspektive: Der philosophische Weg der ›Reinigung‹, ›Lösung‹, ›Gesundung‹ ist zugleich der der Redefreundschaft – das Vertrauen darauf, daß es ein Sein gibt, das mittels des
Logos auch zu erfassen ist. Das unphilosophische Leben ist das der Redefeindschaft – der Verzicht auf die Suche nach dem Sein, der das eigene Versagen der angeblichen Unerkennbarkeit der Sache anlastet. Redefreundschaft und Redefeindschaft bezeichnen also die beiden grundlegenden Lebensmöglichkeiten, deshalb steht dieser Abschnitt auch genau in der Mitte des Dialogs. – Das Motiv des ›Gesund-Werdens‹ durch die Philosophie ist ein Vorverweis auf
118a: Die Heilung, für die Sokrates dem Gott
Asklepios mit seinem Opfer danken will, ist die von der Krankheit ›Redefeindschaft‹ oder ›
Unvernunft‹.