Sünde
¦∅¦ eine Dasein ist nicht wie es ist; sich von dem dass sein sollte oder ist durch sein, tun oder haben entfernt zu haben, nicht damit übereinzustimmen; die Tat nicht dem Dasein zu entspreche oder das Dasein anderes zu sehen oder zu nehmen, wie es ist;
Sünden,Sünder,Sünderin,sündhaft,sündig,sündigen,versündigen,versündigt,
¦⊕¦ die Sünde des Sünders besteht im Grunde im verkennen des Daseins und in dem, sich vom Dasein zu entferenen, oder von dem Zu entferenen wie es sein könnte; eine Sonde dient dazu den Abstand von der Wasseroberfläche bis Grund zu messen und wenn man den Abstand in Meter bekannt geben, so würde man bei 5 Meter Entfernung "5 Meter" sagen und wären es 4 anstelle von 5, dann wäre die Sünde bereits 1 Meter. Und bei einem Boot mit einem Tiefgang von 3 Meter würde man bei einem ansteigenden Grund bei 4 Meter bereits bei drei Meter sein und auflaufen; Sünde ist somit die "Unangemessenheit" das Dasein als das zu erkennen was es ist und so ist man vom Dasein abgesondert, somit dass eigene Sein, Tun oder Haben, das einen zu Fall bringt;
¦⊗¦ Die für den Begriff ‘Sünde’ wiedergebenden Ausdrücke eine Bedeutungsentwicklung von ‘das Seiende, Wahre, die Wahrheit’ über ‘festgestellte Schuld, (richtige) Sachverhältnisse, die den gegnerischen Aussagen entgegengestellt werden, Widerspruch, Verneinung’ zu (im christlich-kirchlichen Sinne) ‘Vergehen gegen Gottes Gebot, Böses’ anzunehmen.
im Sinne des Christentums ‘Verstoß gegen ein göttliches Gebot’; allgemein und dennoch vom Christentum beeinflusst ‘Übertretung des Sittengesetzes, Verstoß gegen Verhaltensnormen, Verfehlung, Irrtum’;
¦≈¦ Sünde hat so wenig mit Religion oder Gott zu tun, wie es eine Sonde hat;
¦√¦ uig. *es- schwundstufig *s- ‘sein’; uig. *h₁s-ónt-ih₂, f. von *h₁sónts “sein, wahr”, zu gegenwärtig von *h₁es- “sein”, wovon germanisch *wesaną "Wesen" abgeleitet ist.
¦↵¦ uger. *sundijō; ger. *sanþ-, *sund-, *sundī f ‘wahr’ "wahr sein"; Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten, jedoch nur, weil die Christen das Wort Sünde gerne an Schande oder Scham anhängen wollen anstelle von sein;
ahd. sunta (8. Jh.), mhd. sünde, sünte, sunte, asächs. sundia, mnd. sünde, mnl. sonde, sunde, nl. zonde, afries. sende, sinde, aengl. syn(n), engl. sin; aus dem Mnd. stammen wohl anord. schwed. synd.
Die Herleitung des Wortes bereitet Schwierigkeiten. in: Zs. f. vgl. Sprachforsch. 56 (1928) 106 ff. versucht, eine Verbindung von Sünde mit dem alten unter ↗Schande (s. d.) behandelten rechtssprachlichen Ausdruck herzustellen. Er erschließt germ. *skṃtjō ‘Scham’ und ein zugehöriges (mit Übergang von m zu n vor Dental) *skantō ‘Schande’, das nach (sonst kaum belegtem) Ausfall von k schwundstufiges germ. *sundjō ergeben habe.
Andere sehen in den germ. Formen frühe Entlehnungen in die Kirchensprache aus lat. sōns (Genitiv sontis) Adj. ‘schädlich, sträflich, straffällig, schuldig’, Subst. ‘Schuldiger, Missetäter’ (Ausdruck der römischen Rechtssprache; zur Etymologie von sōns s. unten); vgl. Nl. 869, ebenso Lehngut im Altwestnord. (1976) 87, der als Ausgangsform für das Germ. vlat. *sontia vermutet, eine als Fem. Sing. aufgefaßte Substantivierung des Adjektivs.
Doch nach in: PBB (H) 81 (1959) 427 und vor allem nach in: Die Sprache 15 (1969) 14 ff. ist germ.*sundjō bzw. (mit Aufgabe des Dentals) *sunjō im Sinne von ‘Schuld für eine strafwürdige Tat’ als alter germ. Rechtsausdruck aufzufassen, der in die Kirchensprache zur Wiedergabe von lat. peccātum ‘Sünde (gegen Gott)’ aufgenommen wird, vgl. ahd. sunta, suntea, asächs. sundia, afries. sende, sonde und aengl. syn(n) ‘Schuld, Vergehen, Sünde’.
Als verwandte Bildungen stehen daneben ahd. sunna (9. Jh.), asächs. sunnia ‘wahrer Zustand, gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Entschuldigung, Notwendigkeit’, anord. syn ‘Wahrheitsbekräftigung’, auch ‘Einspruch, Leugnung’, nauðsyn ‘gesetzlich anerkannter Hinderungsgrund, Notwendigkeit, Zwang’ und got. sunja (aus *sundj-) ‘Wahrheit’ (vgl. auch got. bisunjanē Genitiv Plur. ‘der ringsum Seienden, der Herumwohnenden’).
Sie sind mit anord. sannr, saðr ‘wahr, schuldig’, asächs. sōð ‘wahr, Wahrheit’, aengl. sōþ- ‘wahr’ (germ. *sanþ-, *sund- ‘wahr’), außergerm. mit lat. sōns (s. o.), griech. ónt- (ὄντ-) ‘seiend’, aind. satyáḥ ‘wahr, wirklich’ zu *sṇtió-, vgl. aind. sánt- ‘seiend, gut, wahr’, Part. Präs. zu ásti ‘ist’, zusammenzustellen und auf die unter ↗sein1 (s. d.) angegebene Wurzel uig. *es-, schwundstufig *s- ‘sein’ bzw. auf das zugehörige Part. Präs. uig. *sont-, *sṇt- zurückzuführen.