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Scholia enchiriadis

aus AufEinWort, der freien Forschung

Die Scholia enchiriadis (auch Scolica enchiriadis) ist eine anonyme musiktheoretische Abhandlung aus dem späten 9. Jahrhundert. Sie fungiert als erklärender Kommentar und längeres Pendant zu der berühmten Schrift Musica enchiriadis. Beide Werke gelten als die ältesten erhaltenen Lehrwerke der abendländischen Mehrstimmigkeit und Notenschrift.

Inhalt und Bedeutung

  • Lehrwerk der Mehrstimmigkeit: Die Schrift liefert die erste schriftliche Beschreibung des sogenannten Organums. Dabei handelt es sich um eine frühe Form der Mehrstimmigkeit, bei der eine gregorianische Choralmelodie parallel in Quinten oder Quarten mit einer zweiten Stimme gesungen wird.
  • Dialogform: Im Gegensatz zur Musica enchiriadis (einem systematischen Lehrbuch) ist die Scholia enchiriadis als leicht verständlicher Dialog zwischen einem Lehrer und einem Schüler aufgebaut.
  • Notation: Sie erklärt die sogenannte Dasia-Notation, eine spezielle Methode zur grafischen Aufzeichnung von Tonhöhen.

Ursprung und Entstehung

Die Texte wurden vermutlich um das Jahr 900 im Raum der Abtei Werden an der Ruhr verfasst und oft fälschlicherweise dem Gelehrten Hucbald zugeschrieben. Während das Hauptwerk die Grundlagen der Musiklehre präsentiert, führt die Scholia den Leser schrittweise in die Tonarten, Konsonanzen und die komplexere Notation ein.