Sophisterei
Rhetorische Figuren ohne Wahrheitswert, die zu Fehlschlüssen verleiten, werden bis heute oft als Sophismen bezeichnet. Im bildungsbürgerlichen Diskurs des 18., 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde Sophisterei auch als abwertende Bezeichnung für Rabulistikverwendet, und bis heute bezeichnet das Wort Sophist auch einen Wortklauber oder Blender, der zwecks Durchsetzung eines Standpunkts zu einem Thema bewusst irreführend und manipulativ argumentiert.
„Sophistik ist […] die Kunst, durch falsche Dialektik das Wahre mit dem Falschen zu verwirren und durch Disputieren, Widerspruch und Schönschwatzen Beifall und Reichtum zu erwerben; sophistisch heißt demnach trügerisch, Sophisterei ein verfängliches Räsonnement.“[15]Die Geringschätzung sophistischen Philosophierens zieht sich nicht nur durch die Philosophiegeschichte. Sie findet auch seit Jahrhunderten Ausdruck im deutschen Sprachgebrauch. Überredungskünstler, Wortverdreher, Schwätzer, Betrüger waren seit dem Ende des 15. Jahrhunderts Bezeichnungen für negativ bewertete Philosophen und Gelehrte. Vertreter der „falschen, heidnischen“ Philosophie hießen Sophisten. Noch im modernen Alltagsgebrauch steht sophistisch für spitzfindig und/oder haarspalterisch. Synonym für sophistisch werden pedantisch, kleinlich, ausgeklügelt, scharfsinnig, übergenau und überspannt gebraucht. In Anbindung an die zeitgenössische Medienkultur wird behauptet, dass die antiken Sophisten eine Show machten, sich mit ihrer Sachkunde brüsteten, das gewohnte politische Leben durcheinanderwarfen, die Jugend manipulierten und „in der panhellenischen Öffentlichkeit einen Star- und Kultstatus erreichten“.[16]