Sozialtatbestände
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Sozialtatbeständ-e lat.-frz.-eng.-deu. soziale Tatbestände, Sozialtatbestand
Ansatz
[✎]Die Objektivität sozialer Tatbestände als soziale Zwänge
[✎]Beispiel: Untersucht man etwa Währungen, Moralvorstellungen, Gesetze, Sitten und Gebräuche soziologisch, so haben sie alle gemeinsam, dass sie unabhängig vom Einzelnen existieren und sich seiner Kontrolle entziehen. Ebenso üben alle einen gewissen Zwang aus, da wir uns mit ihnen arrangieren müssen. Der Zwang wird aber lediglich unbewusst wahrgenommen und erst dann Gegenstand von Reflexion, wenn man sich außerhalb der durch den sozialen Tatbestand gesteckten Grenzen befindet.
„Die erste und grundlegende Regel besteht darin, die soziologischen Tatbestände wie Dinge zu behandeln“[2](Durkheim). Eine Orientierung an den Naturwissenschaften wird explizit gefordert („natürliche Neigung des Verstandes“). Soziale Tatbestände sollen wie Dinge aufgefasst werden und nicht als „Begriffsbildungen, die wir in sämtlichen Religionen beigemengt finden.“ So entgeht man nach Durkheim der „Ideologie“. Auch „Ethik“ ist für ihn Ideologie (nur „Idee“).
„Soziale Typen“ dienen der Gruppierung der Tatsachen bzw. der Dinge.Soziale Ursachen
[✎]Später schwächt Durkheim diesen „Zwang“ ab und spricht von „aufdrängen“, da auch er die „Autonomie des Individuums“ nicht leugnen will: Einerseits sei der Mensch ein soziales Wesen – andererseits ein Individuum. Ersteres hat bei Durkheim absolute Priorität. Am Beispiel des Selbstmordes will er zeigen, dass auch diese scheinbar höchst individuelle Erscheinung durch soziale Tatsachen verursacht wird.
Den Nachweis der Existenz des Substrats sieht Durkheim in der Statistik (die Anzahl, Häufungen, Änderungen von Geburten, Eheschließungen oder Selbstmorden sind soziale Tatbestände), womit allerdings nur die Wirkungen des Substrates, nicht aber dessen Ursachen selbst erfasst werden. Hier spricht er annahmeweise vom (seinerseits sozialen) „Kollektivgeist“. Grundsätzlich wird auch hier Durkheims generelles Postulat erkennbar: Soziales nur durch Soziales erklären!Soziale Tatsachen und sozialer Wandel
[✎]Außerhalb der Soziologie
[✎]Literatur
[✎]- Émile Durkheim: Regeln der soziologischen Methode. Neuwied und Berlin 1961 ff. (frz. Originalausgabe: Paris 1895)
Einzelnachweise
[✎]- Durkheim 1980, Die Regeln der soziologischen Methode, 6. Auflage, S. 114
- Durkheim 1980, Die Regeln der soziologischen Methode, 6. Auflage, S. 115