Spekulatius
Spekulat + -ius | m. Der Ausdruck für das mit reliefartigen Figuren versehene knusprige Gebäck ist seiner Herkunft nach nicht sicher geklärt. Nd. (besonders ostfries.) Spikelātsje, Spekelātsje, rhein. Spekulaties (19. Jh.) gehen wohl auf ein in den Grenzgebieten zu den Niederlanden übernommenes nl. speculatie (18. Jh.) zurück, zunächst Bezeichnung für ein plastisches Zuckerwerk, dann für figürliches Gebäck.
Die nd. bzw. rhein. Formen werden latinisiert zu Spekulatius (da als Ableitung von lat. speculum ‘Spiegel, Abbild’ aufgefaßt?).
Bisherige Erklärungsversuche werden zusammenfassend abgehandelt von de Tollenaere in: Neuphilolog. Mitt. 84 (1983) 522 ff., der, unter Rückgriff auf frühere Ansätze, nl. spekulatie ‘Zuckerbackwerk als Tischschmuck, Gebäck’ von mnl. speculatie ‘Betrachtung, Beschauung’, dann auch ‘Überlegung, Sinn, Wohlgefallen, Phantasie’ (aus lat. speculātio ‘das Ausspähen, Betrachtung, das Beschauen’) herleiten will und von einer Bedeutung ‘Gebäck für Feinschmecker, Phantasiegebäck zum Vergnügen, als Tischschmuck’ ausgeht.
Er sieht eine parallele Entwicklung in dt. Spekulation ‘glatt gewebtes, halbseidenes Tuch’ (18. Jh.), frz. spéculation ‘Mischstoff aus Seide und Zwirn oder Baumwolle’, d. h. ‘Erzeugnisse zum Wohlgefallen, Luxuserzeugnisse’.