Sprüche und Zitate zu Sprache
angelegt 08.01.2021
Quelle: Verein deusche Sprache, korrigiert, zeitlich strukturiert und erweitert durch weitere gefunde Zitate!
| Konfuzius | -551 | -479 | Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte ist, dann sind auch die Taten nicht in Ordnung. Sind die Taten nicht in Ordnung, so verderben die Sitten. Verderben die Sitten, so wird die Justiz überfordert. Wird die Justiz überfordert, so weiß das Volk nicht, wohin es sich wenden soll. Deshalb achte man darauf, daß die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem. |
| Virgil | -70 | -19 |
Ich würde keinen verurteilen, der Fremdworte dort verwendet, wo es angebracht erscheint. Aber über das ungereimte, unnötige Einflicken ausländischer Wörter oder womöglich noch nicht einmal verstandener Redensarten, durch die Sätze oder Abschnitte förmlich auseinander fallen, die unsäglichen Wortzusammenfügungen ohne Sinn und Verstand, darüber müsste man sich schämen, wenn man darüber ein wenig nachdächte. Dies alles ist es, was nicht nur unsere Sprache verdirbt, sondern mehr und mehr auch unser Gemüt krank machen wird. |
| Hugo von Trimberg | 1230 | 1313 | Nieman kan ouh wol bediuten kriechische, jüdisch, heidenisch, syrisch, windisch, kaldeisch, swer daz mischet in tiutsche getihte diu meisterschaft ist gar ze nihte. |
| Martin Luther | 1483 | 1546 | Zwar wenn keyn anderer nutz an den sprachen were, sollt doch uns das billich erfrewen und anzuenden, das es so eyn edle feyne gabe Gottis ist, da mit uns deutschen Gott itzt so reichlich fast uber alle lender heymsucht und begnadet. Die Sprachen sind die Scheiden, darin die Schwerter des Geistes verborgen stecken. |
| Johann Michael Moscherosch | 1601 | 1699 | Fast jeder Schneider Der Knecht Matthies Ihr bösen Teutschen, Ihr tut alles mischen Wir hans verstanden Philander von Sittewalt (aus: Zoozmann, Richard, Laßt uns lachen, Globus-Verlag Berlin) |
| Friedrich von Logau | 1604 | 1655 | Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarren, poltern, donnern, krachen, kann sie doch auch spielen, scherzen, lieben, kosen, tändeln, lachen. |
| Justus Georg Schottel | 1612 | 1676 | Alle Künste und Sprachen sind von den Deutschen aufs sinnreichste und gründlichste hervorgezogen, aber ihrer eigenen Sprache und ihrer selbst ist von ihnen fast vergessen worden. Die Fremdgierigkeit scheinet durch ein hartes Verhängnis sonderlich den Deutschen tief angeboren zu sein. |
| Molière | 1622 |
1673 | Wer so spricht, daß er verstanden wird, spricht immer gut. |
| John Locke | 1632 | 1704 | Wie viele Trugschlüsse und Irrtümer ... gehen auf Kosten der Wörter und ihrer unsicheren oder mißverstandenen Bedeutung. |
| Gottfried Wilhelm Leibniz | 1646 | 1716 | Gleichwohl wäre es ewig Schade und Schande, wenn unsere Haupt- und Helden-Sprache dergestalt durch unsere Fahrlässigkeit zu Grunde gehen solte, so fast nichts Gutes schwanen machen dürfte; weil die Annehmung einer fremden Sprache gemeiniglich den Verlust der Freiheit und ein fremdes Joch mit sich geführet. Ja, es scheint, manche dieser Leute haben ihr Deutsch vergessen und Französisch nicht gelernt. Wollte Gott, es wäre jedesmal unter zehn solcher fliegenden Papiere eines, so ein Fremder ohne Lachen, ein Patriot ohne Zorn lesen könne. Sagen sie, daß sie nach vielem Nachsinnen und Nagelbeißen kein Deutsch gefunden, so ihre herrliche Gedanken auszudrücken gut genugsam gewesen, so geben sie wahrlich mehr die Armut ihrer vermeinten Beredsamkeit als die Vortrefflichkeit ihrer Einfälle zu erkennen. Es ist demnach die Meinung nicht, daß man in der Sprache zum Puritaner werde und mit einer abergläubischen Furcht ein fremdes, aber bequemes Wort als eine Todsünde meide, dadurch aber sich selbst entkräfte und seiner Rede Nachdruck nehme. Inzwischen müssen von der Ungewißheit im Reden und Schreiben notwendig auch die deutschen Gemüter nicht wenig Verdunklung empfinden, weil die meisten doch die Kraft der fremden Worte eine lange Zeit nicht fassen also elend schreiben und übel denken würden; wie denn Sprache nicht anders als bei einer einfallenden Barbarei oder Unordnung oder fremder Gewalt sich merklich verändern. Alles. was sich nicht mit Mitteln der Volkssprache auseinandersetzen läßt, damit ist es nichts. Es ist bekandt, daß die Sprach ein Spiegel des Verstandes, und dass die Völcker, wenn Sie den Verstand hoch schwingen, auch zugleich die Sprache wohl ausüben. Denn weil alles was der gemeine Mann treibet, wohl in Teutsch gegeben, so ist kein Zweiffel, dass dasjenige, so vornehmen und gelehrten Leuten mehr fürkommt, von diesen, wenn sie gewolt, auch sehr wohl, wo nicht besser in reinem Teutsch gegeben werden können. Wir Teutschen hätten einen sonderbahren Probierstein der Gedancken, der andern unbekandt; und wann sie denn begierig gewesen etwas davon zu wissen, so habe ich ihnen bedeutet, dass es unsere Sprache selbst sey, denn was sich darinn ohne entlehnte und ungebrauchliche Worte vernehmlich sagen lasse, das seye würcklich was Rechtschaffenes; aber leere Worte, da nichts hinter, und gleichsam nur ein leichter Schaum müssiger Gedancken, nehme die reine Teutsche Sprache nicht an. Anitzo scheinet es, dass bei uns übel ärger worden, und hat der Mischmasch abscheulich überhand genommen, also dass der Prediger auff der Cantzel, der Sachwalter auff der Cantzley, der Bürgersmann im schreiben und Reden, mit erbärmlichen Frantzösischen sein Teutsches verderbet; Mithin es fast das Ansehen gewinnen will, wann man so fortfähret und nichts dargegen thut, es werde Teutsch in Teutschland selbst nicht weniger verlohren gehen, als das Engelsächsische in Engelland. Das Band der Sprache, der Sitten, sogar auch des gemeinsamen Namens vereinigt die Menschen auf eine starke, wenn auch unsichtbare Weise und bewirkt eine Art Verwandtschaft. Und bin ich insbesonderheit der Meinung, daß die Nationen, deren Sprache wohl ausgeübet und vollkommen gemachet, dabei einen großen Vorteil zu Schärfung ihres Verstandes haben. […] man muß bedenken, daß die Worte nicht nur Zeichen sein, andern unsere Meinung zu entdecken, sondern auch mit uns selbsten innerlich gleichsam zu reden und zu ratschlagen, wie die Erfahrung bezeiget, und je besser oder bequemer und deutlicher die Zeichen sein, je füglicher kann der Verstand seine Wirkung verrichten, […] |
| Liselotte von der Pfalz | 1652 |
1722 | .. warumb hat herzog Christian das Französch mit dem Teutschen gemischt? ein teutscher herzog sollte alle seine devisen auf teutsch haben, und es kostet nicht mehr, zu sagen “Alles mit Gott” als “tout avec Dieu”.Ist es möglich, liebe Louise, dass unsere gutte, ehrliche Teüutschen so alber geworden, ihre sprache gantz zu verderbe, dass man sie nicht mehr verstehen kan?. |
| Francois-Marie Voltaire | 1694 |
1778 | Verwendet nie ein neues Wort, sofern es nicht drei Eigenschaften besitzt: Es muß notwendig, es muß verständlich und es muß wohlklingend sein. |
| Samuel Johnson | 1709 |
1784 | Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken. |
| Immanuel Kant | 1724 | 1804 | Kein größerer Schaden kann einer Nation zugefügt werden, als wenn man ihr den Nationalcharakter, die Eigenart ihres Geistes und ihrer Sprache nimmt. Fremdwörter verraten entweder Armut oder Nachlässigkeit. |
| Friedrich Gottlieb Klopstock |
1724 |
1803 | Verkennt denn euer Vaterland, undeutsche Deutsche! Steht und gafft mit blöder Bewunderung großem Auge das Ausland an! Dem Fremden, den ihr vorzieht, kam’s nie ein, den Fremden vorzuziehen. Er haßt die Empfindung dieser Kriechsucht, verachtet euch! Daß keine, welche lebt, mit Deutschlands Sprache sich |
| Gotthold Ephraim Lessing | 1729 | 1781 | Die größte Deutlichkeit war mir immer auch die größte Schönheit. Nenne mir ein so geschicktes Tier, dem ich nicht nachahmen könnte! so prahlte der Affe gegen den Fuchs. Der Fuchs aber erwiderte: Und du nenne mir ein so geringschätziges Tier, dem es einfallen könnte, dir nachzuahmen. Ich finde es geradezu für das Zeichen eines schiefen Kopfes, eines Stümpers, zu glauben, daß er sich in einer fremden Sprache besser werde asudrücken können, als in seiner. (in seiner Streitschrift „Anti Goetze“) |
| Christoph Martin Wieland | 1733 | 1813 | Jede Sprache ist der Organisation, der Läge, dem Genie und Charakter der Nation, von weicher sie gebildet worden ist, angemessen. |
| Georg Christoph Lichtenberg | 1742 | 1799 | Die wahre Bedeutung eines Wortes in unserer Muttersprache zu verstehen, bringen wir gewiß oft viele Jahre hin. Ich verstehe auch zugleich hiermit die Bedeutungen, die ihm der Ton geben kann. (Aphorismen Buch A, 1765-1770) Wer nich verständlick spreckt, mot lyden, dat het dann de Leser nich verstaht, und düdet als he kan. (Buch B, 1768-1771) Es gibt heuer eine gewisse Art Leute, meistens junge Dichter, die das Wort deutsch fast immer mit offenen Naslöchern aussprechen. Ein sicheres Zeichen, dass der Patriotismus bei diesen Leuten auch sogar Nachahmung ist. Wer wird immer mit dem Deutschen so dicketun? Ich bin ein deutsches Mädchen, ist das etwa mehr als ein englisches, russisches oder otaheitisches? Wollt ihr damit sagen, daß die Deutschen auch Geist und Talent besitzen? Oh, das leugnet nur ein Unwissender oder ein Tor... (Aphorismen Buch D, 1773-1775) |
| Johann Gottfried Herder | 1744 | 1803 | Wehe unserer Sprache, wenn Fremdwörter ein Muster des Geschmacks würden. Ein Volk hat keine Idee, zu der es kein Wort hat. Der Mensch ist Mensch nur durch die Sprache. Für ein Volk ist seine Sprache etwas Besonderes. In ihr wohnt sein ganzer Gedankenreichtum an Tradition, Geschichte, Religion und Grundsätzen des Lebens, sein Herz und seine Seele. Die Sprache, in der ich erzogen bin ist meine Sprache. So wie ein Kind alle Bilder und neuen Begriffe mit dem vergleicht, was es schon weiß, so paßt unser Geist insgesamt alle Sprachen der Muttersprache an. Sie behält er auf der Zunge, damit er nachher desto tiefer in den Unterschied der Sprachen eindringe. Sie behält er im Auge, daß, wenn er dort Lücken entdeckt, er den Reichtum der seinen, liebgewinne und ihre Armut, wo es sein kann, mit fremden Schätzen bereichere. Sie ist der Leitfaden, ohne den er sich im Labyrinth fremder Sprachen verirrt. Nicht um meine Sprache zu verlernen, lerne ich andere Sprachen, sondern ich gehe bloß durch fremde Gärten, um für meine Sprache Blumen zu holen. Musik wirkt unmittelbar auf den Charakter eines Volkes ein, sofern die Musik selbst Charakter hat und nicht nur Vielerlei nachäfft. Wenn in der Heimat Trivialitäten der gemeinsten Art das gute einheimische Liedgut verdrängen, dann wird nicht nur der gute Geschmack, sondern mit ihm auch die innere Rechtschaffenheit im Volke bedroht. Es ist ein Zeichen, daß wir uns selbst gering achten, solange wir uns gegen uns und gegen andere Nationen unserer Sprache schämen. (…) Die Sprache, in der ich erzogen bin, ist meine Sprache. Nicht um meine Sprache zu verlernen, lerne ich andere Sprachen; nicht um die Sitten meiner Erziehung umzutauschen, reise ich unter fremde Völker; nicht um das Bürgerrecht meines Vaterlandes zu verlieren, werde ich ein naturalisierter Fremder: denn sonst verliere ich mehr, als ich gewinne. Sondern ich gehe bloß durch fremde Gärten, um für meine Sprache, als eine Verlobte meiner Denkart, Blumen zu holen: ich sehe fremde Sitten, um die Meinigen, wie Früchte, die eine fremde Sonne gereift hat, dem Genius meines Vaterlandes zu opfern. Hätte wohl ein Volk . . . etwas Lieberes als die Sprache seiner Väter? In ihr wohnt sein ganzer Gedankenreichtum an Tradition, Geschichte, Religion und Grundsätzen des Lebens, all sein Herz und seine Seele. Einem solchen Volk seine Sprache nehmen oder herabwürdigen hieße, ihm sein einziges unsterbliches Eigentum nehmen, das von Eltern auf Kinder fortgeht. |
| Gottfried August Bürger | 1747 | 1794 | Die Muttersprache kann zu allem übrigen sagen: Ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer mich verachtet, der wird wieder verachtet von seinem Zeitalter und schnell vergessen von der Nachwelt.Wenn ihr eure Sprache lieb habt, so tretet dem Schlendrian auf den Kopf und richtet euch nach den Regeln der Vernunft und einfachen Schönheit! |
| Johann Wolfgang Goethe | 1749 | 1832 | Ich verfluche alle negativen Purismen, daß man ein Wort nicht brauchen soll, in welchem eine andere Sprache Vieles oder Zarteres gefaßt hat. (Maximen und Reflexionen) Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern daß sie es verschlingt. (Maximen und Reflexionen)Die Sprache zugleich reinigen und bereichern, ist das Geschäft der besten Köpfe.In jedem Wort klingt der Ursprung nach, wo es sich herbedingt.Wer die deutsche Sprache versteht und studiert befindet sich auf dem Markte, wo alle Nationen ihre Waren anbieten, er spielt den Dolmetscher, indem er sich selber bereichert.Die Sprache bleibt ein reiner Himmelsrauch. Empfunden nur von stillen Erdensöhnen. Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen; darum scheint es eine Torheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen. |
| Friedrich Schiller | 1759 | 1805 | Die Sprache ist ein Spiegel einer Nation; wenn wir in diesen Spiegel schauen, so kommt uns ein großes, treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen. Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache. Lass die Sprach dir sein, was der Körper den Liebenden. Er nur ist’s, der die Wesen trennt und der die Wesen vereint. |
| Johann Gottlieb Fichte | 1762 | 1814 | Unermeßlichen Einfluß auf die ganze menschliche Entwicklung eines Volkes hat die Beschaffenheit seiner Sprache, der Sprache, welche den Einzelnen bis in die geheimste Tiefe seines Gemüts bei Denken und Wollen begleitet und beschränkt oder beflügelt. |
| Jean Paul | 1763 | 1825 | Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen. Vom Worte werden die Völker länger als vom Gedanken regiert; das Wort wohnt auf der leichten Zunge fester, als dessen Sinn im Gehirn; denn es bleibt, mit demselben Tone Köpfe zusammenrufend und an einander heftend, und Zeiten durchziehend, in lebendiger Wirkung zurück, indes der ewig wechselhafte Gedanke ohne Zeichen umfliegt, und sich sein Wort erst sucht. Die Muttersprachen sind die Völkerherzen, welche Liebe, Leben, Nahrung und Wärme aufbewahren und umtreiben. Dieses Herz einem Volk ausschneiden, heißt das Lebendige ins Tot-Gedruckte übersetzen und unter die Presse geben. Daher ist der Untergang oder die Vertilgung jeder, auch der ärmsten Sprache, das Verdunkeln und Vertilgen einer Facette oder Fläche am polyedrischen Auge der Menschheit für das All. |
| Madame de Staël | 1766 |
1817 | Die deutsche Sprache ist viel philosophischer als die italienische, viel poetischer in ihrer Kühnheit als die französische, dem Rythmus der Verse viel günstiger als die englische. In der Literatur, wie in der Politik, haben überhaupt die Deutschen zuviel Achtung für das Ausland und nicht genug nationale Voruteile. |
| Wilhelm von Humboldt | 1767 | 1835 | Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfremdung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten und leichtesten, wenn auch am leisesten vor sich. Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung des Geistes der Völker. Man kann sich beide nicht identisch genug denken. Die Berührung der Welt mit dem Menschen ist der elektrische Schlag, aus welchem die Sprache hervorspringt, nicht bloß in ihrem Entstehen, sondern immerfort, so wie Menschen denken und reden. Die Mannigfaltigkeit der Welt und die Tiefe der menschlichen Brust sind die beiden Punkte, aus welcher die Sprache schöpft. Durch die Mannigfaltigkeit der Sprachen wächst … der Reichtum der Welt und die Mannigfaltigkeit dessen, was wir in ihr erkennen. Die Sprache ist das bildende Organ des Gedankens |
| Alexander von Humboldt | 1769 |
1859 | So geheimnisvoll unzertrennlich als Geist und Sprache, der Gedanke und das befruchtende Wort sind, ebenso schmilzt, uns selbst gemeinsam unbewußt, die Außenwelt mit dem Innersten im Menschen, mit dem Gedanken und der Empfindung zusammen. |
| Ernst Moritz Arndt | 1769 | 1860 | Wer seine Sprache nicht achtet und liebt, kann auch sein Volk nicht achten und lieben. Ein geistigeres und innigeres Element als die Sprache hat ein Volk nicht. Will ein Volk also nicht verlieren, wodurch es Volk ist, will es seine Art mit allen Eigentümlichkeiten bewahren, so hat es auf nichts mehr zu achten, als daß ihm seine Sprache nicht verdorben und zerstört werde. Die deutsche Sprache ist nach allgemeinem Einverständnis eine der wichtigsten der Welt, tief und schwer an Sinn und Geist, in ihren Gestalten und Bildungen unendlich frei und beweglich, in ihren Färbungen und Beleuchtungen der innern und äußern Welt vielseitig und mannigfaltig. Sie hat Ton, Akzent, Musik. Sie hat einen Reichtum, den man wirklich unerschöpflich nennen kann und den ein Deutscher mit dem angestrengtesten Studium eines langen Lebens nimmer umfassen mag. Was die Sprache verwirrt und verrückt und auf irgendeine Weise den klaren und lauteren Fluß trübt, das hat auch den Einfluß der Verwirrung und Trübung des ganzen Volkes. Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt, verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst. Eine Sprache muss verarmen und sich verdunkeln und verlöschen, von welcher ganze Seiten geradezu brachliegen und nicht bearbeitet werden. |
| Georg Wilhelm Friedrich Hegel | 1770 | 1831 | Höchste Geistes- und Seelenbildung bekundet es, alles in seiner Muttersprache sagen zu können. Alles in der Muttersprache ausdrücken zu können, bekundet höchste Geistes- und Seelenbildung. |
| Friedrich Ludwig Jahn | 1778 | 1852 | Ein Volk, das seine eigene Sprache verlernt, gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Völkerbühne verwiesen. In seiner Muttersprache ehrt sich jedes Volk, in der Sprache Schatz ist die Urkunde seiner Bildungsgeschichte niedergelegt. |
| Jacob Grimm | 1785 | 1836 | Fällt von ungefähr ein fremdes Wort in den Brunnen einer Sprache, so wird es solange darin umgetrieben, bis es ihre Farbe annimmt und seiner fremden Art zum Trotze wie ein heimisches aussieht. In welchen Teil des Wortvorrats man immer greift, wird, nach überwundener erster Scheu, man sich bald davon angezogen fühlen. sprache und recht, d.h. volkssitte haben einheimisch zu sein und wir können auf die länge keine wahre befriedigung dabei finden, wenn sie uns aus der fremde zugeführt werden. Von allem, was die Menschen erfunden und ausgedacht, bei sich gehegt und einander überliefert, was sie im Verein mit der in sie gelegten und geschaffenen Natur hervorgebracht haben, Scheint die Sprache das größte, edelste und unentbehrlichste Besitztum. Deutsche geliebte Landsleute, welches Reichs, welches Glaubens ihr seid, tretet ein in die euch allen aufgetane Halle eurer angestammten uralten Sprache, lernt und heiliget sie und haltet an ihr, eure Volkskraft und Dauer hängt in ihr. |
| Ludwig Börne | 1786 |
1837 |
Welche Sprache darf sich mit der deutschen messen, welche andere ist so reich und mächtig, so mutig und anmutig, so schön und mild als unsere? |
| Joseph von Eichendorff | 1788 | 1857 |
Mir aber, da ich so unverhofft deutsch sprechen hörte, war es nicht anders am Herzen, als wenn die Glocke aus meinem Dorfe am stillen Sonntagsmorgen plötzlich zu mir herüberklänge. (aus: Aus dem Leben eines Taugenichts) |
| Arthur Schopenhauer | 1788 | 1860 | Schreibt ihr Plattheiten und Unsinn in die Welt, so viel es euch beliebt, das schadet nicht, denn es wird mit euch zu Grabe getragen; ja, schon vorher. Aber die Sprache laßt ungehudelt und unbesudelt: denn die bleibt. Jeder Wohlgesinnte und Einsichtige ergreife also mit mir Partei für die deutsche Sprache gegen die deutsche Dummheit. Der hohe Werth des Studiums der alten Sprachen beruht zu Theil darauf, daß wir lernen vor Grammatik und Lexikon Respekt zu haben: wäre es mit Ersterem bei den meisten unserer Sprachverbesserer nicht so elend bestellt; so würden sie nicht so freche Eingriffe in die Regeln und Wörter der Deutschen Sprache thun. - Ohne eine Ahndung davon, daß das Treffende, Bezeichnende, Genaue des Ausdrucks es ist, worauf es ankommt, sind sie bloß bemüht, Silben und Buchstaben abzuzählen, bereit, sich in allen Fällen mit dem à peu pres zu contentiren und dem Leser Einiges zu errathen übrig zu lassen, wenn es nur ein Paar Buchstaben weniger giebt. Dahin geht all ihr Denken und Trachten, und jeder Sudler legt, ohne Umstände, seine Tatzen an, die deutsche Sprache zu verbessern. - Was würde aus der Lateinischen, was aus der Griechischen Sprache geworden seyn, wenn Griechen und Römer sich einer solchen niederträchtigen Buchstabenzählerei ergeben hätten? Die verdammte Einhelligkeit in der Aufnahme jedes neuen Sprachschnitzers entspringt aus dem Triebe der Nachahmung, welcher dem großen Haufen, also auch unsern Sprachverbesseren, Leitstern alles ihres Thuns und Treibens und leider auch des Schreibens ist: was irgend Einer geschrieben hat, und sei es ein grober Schnitzer, schreiben sie auf seine Autorität nach: so verbreitet sich die Pest der Sprachverhunzung. Zum Verzweifeln ist, daß nicht Einer eine Spur von eigenem Urtheil zeigt, durch Verwerfung und Verhöhnung eines auftauchenden Schnitzers. Nein, Jeder adoptirt ihn so freudig, wie die Grasmücke den jungen Kukuk, und diese Sprachverbesserer sind einander Gegenstände der Bewunderung und Nachahmung. Wer sich selber bis auf den Grund klar ist und ganz deutlich weiß, was er will und denkt, der wird nie undeutlich schreiben, wird nie schwankende, unbestimmte Begriffe aufstellen und zur Bezeichnung derselben aus fremden Sprachen höchst schwierige und komplizierte Ausdrücke zusammenstellen. ...oder ist die deutsche Sprache vogelfrei, als eine Kleinigkeit, die nicht des Schutzes der Gesetze wert ist, den doch jeder Misthaufen genießt? Aber die Sprache um ein Wort ärmer zu machen heißt das Denken der Nation um einen Begriff ärmer zu machen. (Die Welt als Wille und Vorstellung, Zweiter Band, Zum ersten Buch, zweite Hälfte, Kapitel 12) ..., daß Gedanken in dem Moment sterben, da sie durch Worte verkörpert werden. |
| Heinrich Heine | 1797 | 1856 | Ich hatte einst ein schönes Vaterland. Das küßte mich auf deutsch und sprach auf deutsch |
| Hoffman von Fallersleben | 1798 |
1874 | Lapidarstil Ist das Deutsch schon so verdorben, Oder habet ihr vernommen, Jedes Denkmal wird frisieret Wo man hinschaut, strotzt und glozet Deutsches Volk, du musst studieren |
| Heinrich Laube | 1806 | 1884 | Die Sprache einer Nation angreifen, heißt ihr Herz angreifen. |
| Georg Büchner | 1813 |
1837 |
O Teutschland! Das Fremde staunt ihr an in kalter Bewundrung, während ihr aus dem Busen eures Vaterlandes glühende Begeistrung für alles Edle saugen könntet. Am toten Buchstaben der Fremden klebt ihr, doch ihr Geist ist ferne von euch […] O Teutschland, Teutschland den Stab wirfst du von dir, der dich stützen und leiten könnte für fremden Tand, an den Brüsten der fremden Buhlerin nährst du dich und ziehst schleichendes Gift in deine Adern, während du frische, kräftige Lebens-Milch saugen könntest aus dem Busen. |
| Richard Wagner | 1813 | 1883 | Selbst seine Sprache, dieses einzige heilige, durch die größten Geister ihm mühsam erhaltene und neugeschenkte Erbe seines Stammes, sieht der Deutsche stumpfsinnig dem Verderbnisse preisgegeben. |
| Otto von Bismarck | 1815 | 1898 | Die Neigung, sich für fremde Nationalitäten und Nationalbestrebungen zu begeistern, auch dann, wenn dieselben nur auf Kosten des eignen Vaterlandes verwirklicht werden können, ist eine politische Krankheitsform, deren geographische Verbreitung leider auf Deutschland beschränkt ist. |
| Emil Heinrich du Bois-Reymond | 1818 |
1896 | Je hastiger gegenwärtig die wissenschaftliche Produktion, um so größer die stilistische Verwilderung. – Es ist nicht von jedem zu verlangen, daß er geistreich, fein und schwunghaft schreibe, daß er mit treffenden Gleichnissen den Leser erfreue, durch Leidenschaft ihn fortreiße. Dagegen ist von jedem zu verlangen, daß er in gutem Deutsch seine Meinung bündig, kurz und klar mitteile. |
| Theodor Storm | 1817 | 1888 | Achte jedes Mannes Vaterland, doch das deinige liebe! |
| Karl Marx | 1818 | 1883 | Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die Sprache. |
| Theodor Fontane | 1819 | 1898 | Mit gutem Deutsch und schlechtem Französisch kommt man überall durch.(aus: Der Stechlin) Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache. |
| Gottfried Keller | 1819 | 1890 |
In der Sprache, mit der man geboren, welche die Väter gesprochen, denkt man sein ganzes Leben lang, so fertig man eine andere spricht; und dies anders zu wünschen, die Sprache, in der man sein Geheimstes denkt, vergessen zu wollen, zeigt, wie tief man getroffen ist und wie sehr man gerade diese Sprache liebt. |
| Sir Francis Galton | 1822 |
1911 |
Es ist für mich ein ernstes Hindernis beim Schreiben und noch mehr beim mündlichen Erklären, daß ich mit Worten nicht so leicht denke wie sonst. |
| Otto Gildemeister | 1823 | 1902 | In jeder Kunst ist es ratsam, sich an die Meister zu halten und vor den Systemen zu hüten. Dies gilt auch von der Kunst, die Sprache zu gebrauchen. |
| Friedrich Nietzsche | 1844 | 1900 | Nehmt Eure Sprache ernst! Wer es hier nicht zu dem Gefühl einer heiligen Pflicht bringt, in dem ist nicht einmal der Keim für eine höhere Bildung vorhanden. |
| Otto Leixner von Grünberg | 1847 |
1907 | An deiner Sprache, Deutscher, halte fest! Weh dem, der diesen Schatz sich stehlen läßt: Wer erst beginnt, das reine Wort zu fälschen, Dem kann gar bald auch Kopf und Herz verwälschen. |
| Fritz Mauthner | 1849 |
1923 | Ein Hauptmittel des Missverstehens ist die Sprache. Wir wissen voneinander bei den einfachsten Begriffen nicht, ob wir bei einem gleichen Worte die gleiche Vorsdtellung haben. […] Je vergeistigter das Wort, desto sicherer erweckt es bei verschiedenen Menschen verschiedene Vorstellungen. |
| Friedrich Wilhelm Voigt | 1849 |
1922 |
Ick hab’ mir heimjesehnt. Da unten in Böhmen und Bukarest, da sinse janz anders, und da redense ooch janz anders. Und da hat nu schließlich der Mensch seine Muttersprache, und wenn er nischt hat, dann hat er die immer noch. (“Hauptmann von Köpenick”) |
| Peter Hille | 1854 | 1904 | Die Sprache ist der Frühling des Geistes. |
| Gustav Mahler | 1860 |
1911 |
Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. |
| Rudyard Kipling | 1865 |
1936 |
Words are, of course, the most powerful drug used by mankind. |
| Stefan George | 1868 | 1933 | Wenn wir alle Fremdwörter, auch die eingewurzelten, wegließen, so bliebe vieles Leere ungesagt. |
| Cristian Morgenstern | 1871 |
1914 | Die Sprachreiniger sind, in gehöriger Entfernung betrachtet, keine ganz unnütze Gesellschaft. Ohne ihre Krämpfe nachahmen zu wollen, wird man sich oft von dem richtigen Grundsatz, von welchem sie ausgehen, angeregt fühlen, lieber deutsche als fremde Wörter zu setzen, da keineswegs immer die Entschuldigung zutrifft, das Fremdwort sei treffender als das heimische. So habe ich in diesen beiden Sätzen die Wörter Puristen, Distanz, Exaltiertheiten, Prinzip und präziser ohne Mühe, aber auch nur deshalb vermieden, weil mich mein Thema selbst dazu bewog. |
| Karl Voßler | 1872 | 1949 | Erst in der Sprache nimmt die Welt ihre geistige Gestalt an. |
| Karl Kraus | 1874 |
1936 |
Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste. (Fackel 406/412 152; Nachts) |
| Thomas Mann | 1875 |
1955 | Mit der Anstrengung des sich Umstellens … blieb der Wille zum Beharren, die aktive Treue zur deutschen Sprache, dieser wahren und unverlierbaren Heimat, die ich mit mir ins Exil genommen und aus der kein Machthaber mich vertreiben konnte. […] Im Gegenteil wurde mein Tun in diesen Jahren mehr und mehr zum bewußten Sprachwerk, zur versuchenden Lust, alle Register des herrlichen Orgelwerks unserer Sprache zu ziehne, zu einem Bestreben nach Rekapitulation zugleich und Vorwärtstreibung deutsche deutscher Sprachzustände und Ausdrucksmöglichkeiten deutscher Prosa.” |
| Hermann Hesse | 1877 |
1962 | Die deutsche Sprache mit ihren großen Schöpfungen vom Nibelungenlied über Luther und Goethe bis heute, diese reiche, elastische und kraftvolle Sprache mit ihren vielen Spielen, Launen und Unregelmäßigkeiten, mit ihrer hohen Musikalität, ihrer Beseeltheit, ihrem Humor ist der größte Schatz, der treuste Kamerad und Trost meines Lebens gewesen. Es ist ein Fluch, in einem Volk als Dichter zu leben, das seine eigene Sprache nicht kennt, nicht liebt, nicht pflegt, nicht schützt. […] Es gibt in Europa kein andres Land, in dem man Professor, Arzt, Minister, Kult(us)minister, Akademiemitglied, Ehrendoktor, Bürgermeister und Abgeordneter werden kann, alles ohne seine eigene Sprache anständig reden und schreiben zu können. |
| Gustav Stresemann | 1878 |
1929 | Der Göttliche Baumeister der Erde hat die Menschheit nicht geschaffen als ein gleichförmiges Ganzes. Er gab den Völkern verschiedene Blutströme, er gab ihnen als Heiligthum ihrer Seele ihre Muttersprache. |
| Albert Einstein | 1879 | 1955 | Was mich erschreckt, ist nicht die Zerstörungskraft der Bombe, sondern die Zerstörungskraft, die aus dem Herzen kommt. Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Allgemeinheit sich umfassend und verständlich über wissenschaftliche Forschung und ihre Resultate informieren kann. Wenn man wissenschaftliche Erkenntnisse einem kleinen Kreis von Menschen vorbehält, wird dadurch der philosophische Sinn eines Volkes geschwächt, was zu seiner geistigen Verarmung führt. Die Worte oder die Sprache, in schriftlicher oder gesprochener Form, scheinen in meinem Denkmechanismus keine Rolle zu spielen |
| Jossif Wissarionowitsch Stalin | 1879 | 1953 | Der Marxismus besagt, daß die Gemeinschaft der Sprache eines der wichtigsten Merkmale der Nation ist ... daß die Nationalsprache die Form der nationalen Kultur ist. |
| Victor Klemperer | 1881 |
1960 |
… und nichts führt uns dichter an die Seele eines Volkes heran als die Sprache. (Lingua tertii Imperiee, 1947) |
| Karl Jaspers | 1883 | 1963 | Es ist keineswegs gleichgültig, wie man die Sachen nennt ... Der Name schon bringt eine Auffassungstendenz mit sich, kann glücklich treffen oder in die Irre führen. Er legt sich wie Schleier oder Fessel um die Dinge. |
| Salvador de Madariaga | 1886 | 1978 | Deutsch ist eine der musikalischsten Sprachen und kommt an Klangfülle der Orgel, ja dem vollen Orchester vielleicht am nächsten. |
| Gottfried Benn |
1886 | 1956 | Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort. |
| Arnold Zweig | 1887 | 1968 | Gut Deutsch schreibt nicht, wer zelotisch Begriffe und Nuancen, um die die Sprache sich zum Glück bereichert hat, erbittert wieder ausreißt und ihr Niveau damit auf das eigene herabwirtschaftet, sondern der empfindliche Kenner und Künstler, der das fremde Wort dorthin stellt, wo es seinem unersetzlichen Sinne und dem bereichernden Klange nach, der Sprache neuen Reiz zuführt, ohne ihrem Geist zuwider zu wirken.Diese Sprache, in der Luther donnerte und Heine kämpfte, Goethe bildete und Schiller hingerissen lehrte, die mit Schopenhauers Groll ebenso stark, wie lind mit Kellers Helligkeit tönte, sich in Nietzsche zur stählernen Härte und Melodie steigerte und in Kleist grausam und hiebhaft wie das Leben des Genies sich krampfte, mit Jean Paul die grenzenlose Phantasie und Heiterkeit der zarten Enge wie mit Lessing die bebende Klarheit der geistigen Leidenschaft offenbarte: diese Sprache, die heute und für immer von Dichtern und Künstlern getragen wird, weil in der menschlichen Seele immer Erhabenheiten und Zärtlichkeiten drängen werden, die so nur auf deutsch sich kundtun werden.Wie unbeschreiblich und dem Worte entzogen auch die Eigenheit jeder Sprache sei: nebeneinandergestellt, schwesterlich, und jede schön und reich in organischer Mannigfaltigkeit, scheiden sie sich deutlich; und man vergreift sich an der Fülle der Welt und ihrem Gestaltenreichtum, wenn man sie einander anähnelt. |
| Ludwig Wittgenstein | 1889 | 1951 | Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt. |
| Martin Heidegger | 1889 |
1976 | Die Sprache ist das Haus des Seins, darin wohnend der Mensch existiert, indem er der Wahrheit des Seins, sie hütend, gehört. |
| Georg Schmidt-Rohr | 1890 | 1945 | Die Frage nach der Berechtigung der Fremdwörter im Deutschen ist nicht nur eine nebensächliche Stilfrage, sondern - und darin hat Fichte recht - es geht hier um Gesundheit und Krankheit des deutschen Geistes schlechthin. |
| Ernst Jünger | 1895 | 1998 | Wird die Sprache als Verkehrsmittel behandelt und ihr Bestand in dieser Absicht aufgeräumt, so ist damit ein unvermeidlicher Verlust an historischer und kultureller Substanz verknüpft. Zugleich werden die Quellen ausgetrocknet, von denen die Dichtung lebt. |
| Herbert Thannhaeuser | 1898 | 1963 | Die Liebe zur Schrift hat ihre tiefe Ursache immer in der Liebe zur Sprache. Der Schriftkünstler will mit seinen Schriftschöpfungen der Sprache ein neues Kleid für ihre graphische Erscheinung schaffen. Ob es ein Festgewand oder ein Arbeitsgewand ist - es soll für seinen Zweck und für seine Zeit schön sein. |
| Gustav Heinemann | 1899 | 1976 | Die seit Kriegsende bei uns in alle Bereiche des Lebens eingedrungene Flut von Amerikanismen muß endlich wieder zurückgedrängt werden. Deshalb sollte ein wesentlicher Gesichtspunkt für den Gebrauch jedes Fremdwortes sein, ob es unersetzbar ist, weil es eine wirkliche Lücke ausfüllt. Es wird sich dann herausstellen, daß die Verteidigung von Fremdwörtern oft nur die Verteidigung der Bequemlichkeit ist, die wir uns nicht erlauben sollten. Sich in Sprachzucht zu nehmen, ist sicher nicht immer leicht, aber ein Beitrag sowohl zur Demokratie wie auch zur Bewahrung der Schönheit unserer Sprache. |
| Alexander Romanowitsch Lurija | 1902 |
1977 |
Während die vergleichsweise einfachen Formen organischer Tätigkeit ... ohne Beteiligung der Sprache gesteuert werden können, finden die höheren psychischen Vorgänge auf der Basis sprachlicher Tätigkeit statt. |
| Dag Hammarskjoeld | 1905 |
1961 |
Achtung vor dem Wort, seinem Gebrauch in strengster Sorgfalt und in unbestechlicher innerer Wahrheitsliebe, das ist auch die Bedingung des Wachstums für Gemeinschaft und Menschengeschlecht. Das Wort missbrauchen heißt die Menschen verachten. |
| Hannah Arendt | 1906 | 1975 | Aber dann natürlich das größte Erlebnis, wenn man nach Deutschland zurückkommt, abgesehen von dem Wiedererkennenserlebnis … daß auf der Straße Deutsch gesprochen wurde, hat mich unbeschreiblich gefreut. |
| Emile Cioran | 1911 |
1995 |
Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache |
| Lew Kopelow | 1912 | 1997 | Die Liebe des Nachbarn zu seiner Sprache begreifen kann nur, wer die eigene liebt. |
| Octavio Paz | 1914 | 1998 | Mit jeder Sprache, die ausstirbt, wird ein Bild des Menschen ausgelöscht. |
| Frère Roger | 1915 |
2005 |
Heute, in meinem fortgeschrittenen Alter, habe ich die Möglichkeit, täglich Jugendlichen mit den verschiedensten Mentalitäten zuzuhören. Wenn ich versuche, alles in ihnen zu verstehen, wenn ich suche, unter ihren schöpferischen Vorstellungen die besten zu erfassen, entdecke ich dabei dies: die Jugendlichen haben bei aller Vielfalt ihrer Ausdrucksweisen ein brennendes Verlagen nach Verständigung, nach Kommunikation. |
| Heinrich Böll | 1917 |
1985 |
Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein |
| Helmut Schmidt | 1918 | 2015 | Sprachen sind bei weitem das wichtigste Vehikel kultureller Entfaltung und zugleich das wichtigste Element nationaler - übrigens auch persönlicher - Identität. |
| Georg Stefan Troller | 1921 |
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| Inge Keller | 1923 |
2017 |
Für einen Schauspieler ist die Sprache eine Droge. Sie überkommt einen, und man kann sich nicht wehren gegen sie. Der Genuss eines Kommas, die Überraschung eines Doppelpunktes, das Atemholen eines Gedankenstrichs, das sind Erlebnisse, die weitergegeben werden müssen. (Berliner Zeitung, 14.12.2013) |
| Walter Jens | 1923 | 2013 | Wenn es so weiter geht, dann können die Deutschen in zehn Jahren nicht mehr richtig deutsch und noch nicht richtig englisch. |
| Ralph Giordano | 1923 | 2014 |
Deutsch – eine wunderbare Sprache, von der ich – ohne deshalb andere Sprachen herabsetzen zu wollen – behaupte, daß sie bis in die allerfeinsten Kapillaren der menschlichen Seele vorzudringen vermag. … Überlassen wir diese Sprache, die auch unsere Mutter ist, diesmal nicht wieder Deutschlands potentiellen Verderbern! … Verteidigen wir sie! |
| Günter de Bruyn | 1926 |
2020 |
Das bißchen Heimat, das ich jetzt brauche, habe ich an meinen Schuhsohlen. Früher … war mir der Verlust der Heimat – ja wie der Verlust eines Gliedes. Das war ein überhaupt nicht wiedergutzumachender Verlust. Ja! – Das ist nicht mehr der Fall und ist natürlich ersetzt durch die Sprache. Und daß ich mich an dieser Sprache – zur Verwunderung aller – so festgekrampft habe, daß ich auch in der Emigration mit Bedacht praktisch nur Deutsch gelesen habe (bis ich dann nachher in der amerikanischen Armee natürlich auf Amerikanisch umschaltete, mußte), das gehört eben zu diesem unbewußten Raster, den jeder Mensch in sich trägt, der sich dann auswächst zu der eigentlichen Persönlichkeit. Das, was ich damals ganz unbewußt mit mir veranstaltete, um diese Sprache nicht zu verlieren, um immer fähig zu sein, eine Sprache zu haben, in der man sich vollkommen ausdrücken kann – also indem man das Letzte an Gefühlswerten noch rüberbringt -, … stellt sich inzwischen als das Nützlichste heraus, was ich je tun konnte. Ja das heißt, daß ich für meine Arbeit … eine Sprache habe – und kein Gestammel! Und Sprache bedeutete dann eben auch Bewältigung von Dingen, die einem im Magen liegen, ja, die einem schwer zu schaffen machen. |
| Günter Grass | 1927 |
2015 |
Wegen vieler Kampagnen gegen mich war ich oft kurz davor, das Land zu verlassen. Was mich zurückgehalten hat, war die deutsche Sprache |
| Christian Graf von Krockow | 1927 | 2002 | Das Deutsche, die Sprache Luthers, Goethes, Heines, Fontanes, Bismarcks und Thomas Manns, ist ein Kulturheiligtum, das wir nach Kräften zu hüten und vor Entstellungen, sozusagen den Graffiti-Schnöseleien zu bewahren haben, die es bedrohen. |
| Otto Schenk | 1930 |
Und ich gäbe keinen Tropfen deutschen Blutes, so leid es mir tut und so sehr man mich schlachten mag … . Trotzdem … denke, verehre ich, vergöttere ich die deutsche Sprache. | |
| Erasmus Schöfer | 1931 | Es läßt sich kein wirkungsvolleres Mittel denken, den Menschen seiner individuellen Handlungsfähigkeit und Urteilskraft zu berauben, ohne ihm zugleich physisch Gewalt anzutun, als ihn zur Benutzung einer entsprechend präparierten Sprache zu bringen. | |
| Rudi Carrell | 1934 | 2006 | Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch - aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch! |
| Václav Havel | 1936 | 2011 | Am Anfang war das Wort. – Das ist ein Wunder, dem wir zu verdanken haben, daß wir Menschen sind. – Doch zugleich ist es ein Hinterhalt, eine Prüfung, eine List und ein Test. – Größer vielleicht, als es Ihnen scheinen mag, die Sie unter den Bedingungen einer großen Freiheit des Wortes leben, also in Verhältnissen, in denen es scheinbar so sehr auf die Worte nicht ankommt. Es kommt auf sie an. Es kommt überall auf sie an. |
| Amos Oz | 1939 | 2018 | Die Verteidigung der Sprache ist mein Weg, |
| Galsan Tschinag | 1943 |
Deutsch ist eine wunderbare Sprache. Ich liege vor ihr auf den Knien. Ähnlich wie bei den Deutschen gilt bei den Mongolen derjenige als ‘weltgewandt’ und ‘gebildet’, dem es gelingt, in jedem Satz ein oder zwei englische Worte unterzubringen. Noch zu keiner Zeit wurde die mongolische Muttersprache so entstellt wie in Laufe der letzten Jahre. | |
| Steven Arthur Pinker | 1954 |
Die Vorstellung, Gedanken und Sprache seien ein- und dasselbe, ist gewissermaßen eine konventionelle Absurdität. | |
| Karin Pittner | 1960 |
Zunächst einmal kann Entlehnung ja auch eine Bereicherung einer Sprache bedeuten. Allerdings wird eine massive Entlehnung in nur einer Richtung als ein Zeichen der Morbidität einer Sprache gesehen, wenn Entlehnung in der anderen Richtung nur sporadisch vorkommen (und dies ist ja im Verhältnis zwischen dem Englischen und dem Deutschen durchaus der Fall). Bei einem beginnenden Sprachtod liegt eine Asymmetrie der Interferenz vor, so daß man von einer dominaten und einer rezessiven Sprache sprechen kann, wobei eine generell soziale, ökonomische und politische Unterordnung der rezessiven Sprachgemeinschaft unter die dominante vorliegt. Als eines der letzten Stadien in diesem Prozeß gilt, daß die entlehnten Wörter nur noch als Zitatwörter verwendet werden, wobei sie phonologisch und morphologisch weniger integriert werden. Bei diesem Prozeß ersetzen die Lehnwörter meist einheimische Wörter, was als “Reflexifizierung” bezeichnet wird. Zu den soziolinguistischen Aspekten des Sprachtods gehört, daß in den letzten Stadien ein Fehlen von puristischen Reaktionen gegen die massive Interferenz von der dominierenden Sprache vorliegt, wobei die eigene Sprache zunehmend als wertlos gesehen wird. Konkret zeigt sich dies darin, daß diejenigen, die diese Sprache nur noch wenig beherrschen (“semi-speakers”), den Verfall nicht mehr bemerken und daß die älteren Sprecher, die die Sprache noch vollständig beherrschen, sie auch nicht mehr korrigieren. (aus: Deutsch – eine sterbende Sprache?) | |
| Sidney Baca, Medizinmann der Apachen | Wenn unsere Sprache verlorengeht, verlieren wir alles. |