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Sprachforschung

aus AufEinWort, der freien Forschung

Sprach-Forschung deu. Inhalt der in der Sprachwissenschaft sind die Sprache als System, ihre einzelnen Bestandteile und Einheiten sowie deren Bedeutungen.

Forschungsparadigmen

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In der linguistischen Forschung sind drei grundsätzliche paradigmatische Unterschiede in der Herangehensweise zu verzeichnen. In der Konzeption von Forschungsfragen können diese klarerweise auch miteinander gekreuzt werden.

Präskriptive Schriften über Sprachgebrauch werden heutzutage von Wissenschaftlern weitestgehend als unwissenschaftlich abgelehnt. Normativ orientierte Arbeiten, die als wissenschaftliche angesehen werden, sind im Sinne von applied linguistics zu verstehen, aber solche Arbeiten nehmen im akademischen Bereich nur wenig Raum ein. Gerade in Bezug auf normative Schlussfolgerungen herrschen hier zum Teil sehr kontroverse Ansichten. Beispielsweise wird immer wieder heftig debattiert, inwieweit Sprachkritik überhaupt ein Gegenstand linguistischer Forschung sein und von Linguisten betrieben werden kann und soll, weil sie ja entweder leicht eine werthaltige Norm des Gebrauchs von Sprache einfließen lässt oder oft zugleich Gesellschaftskritik darstellt. Präskriptive Arbeiten werden − mit wenigen Ausnahmen wie etwa Sprachentwicklungstests, die den Sprachstand eines Kindes gemessen an einer ermittelten Entwicklungsnorm festlegen − weitestgehend nicht in der akademischen Forschung und Lehre behandelt, sondern meist von wirtschaftlicher oder privater Seite erstellt.
Beispiele einer Gegenüberstellung von präskriptiven und deskriptiven Arbeiten aus denselben Bereichen sind etwa folgende:
präskriptiv deskriptiv
Lexikografie:
Rechtschreibungswörterbuch

rückläufiges Wörterbuch
Psycholinguistik / Klinische Linguistik:
medizinische Sprachtests

Sprachentwicklungsforschung
Soziolinguistik:
Anweisungen für geschlechtsneutralen Sprachgebrauch

Beschreibung geschlechtsspezifischen Sprachgebrauchs


  • diachron – synchron
Diese Sichtweisen bestimmen, ob ein sprachliches Phänomen in seiner Entwicklung über die Zeit (diachron) oder im Zustand zu einem bestimmten Zeitpunkt (synchron) beschrieben wird, wobei dieser Zeitpunkt keinesfalls nur der gerade augenblickliche sein muss. Obwohl sehr viele sprachliche Phänomene auch in einer historischen Dimension wahrgenommen werden können, haben sich in der akademischen Linguistik (zumindest bislang) nur bestimmte Sachbereiche als Gegenstand diachroner Untersuchung etabliert. So werden beispielsweise soziolinguistische Themen oder syntaktische Phänomene nur wenig aus historischer Sicht behandelt, während Laut- und Bedeutungsveränderungen von Wörtern oder Veränderungen im Wortschatz einer Sprache schon seit sehr langem ein zentrales Gebiet historischer Untersuchungen darstellen. Der Umfang und die Auswahl diachron ausgerichteter Forschungsfragen hängt aber erklärlicherweise sehr von der Existenz der vorhandenen Quellen ab.
Beispiele einer Gegenüberstellung von diachronen und synchronen Arbeiten aus denselben Bereichen sind etwa folgende:
diachron synchron
Dialektologie:
Verschiebung deutscher Dialektgrenzen vom 16. bis zum 20. Jh.

Grenzen der deutschen Dialekte im 18. Jh.
Soziolinguistik:
Sprache verschiedener sozialer Unterschichten im zeitlichen Vergleich

Sprache der Arbeiterschaft um 1900
Semantik:
Bedeutungsentwicklung des Wortes Kunst in der Neuzeit

derzeitiges Bedeutungsspektrum des Wortes Kunst


Ansätze

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  • Humanistische

Das Grundprinzip der humanistischen Linguistik ist, dass Sprache eine von Menschen geschaffene Erfindung ist. Eine semiotische Tradition der Sprachforschung betrachtet Sprache als Zeichensystem, das aus dem Zusammenspiel von Bedeutung und Form entsteht.[2] Die Organisation sprachlicher Ebenen gilt als rechnerisch.[3] Die Linguistik wird im Wesentlichen als sozial- und kulturwissenschaftlich orientiert gesehen, weil unterschiedliche Sprachen in der sozialen Interaktion durch die Sprachgemeinschaft geprägt werden.[4] Frameworks, die die humanistische Sicht der Sprache repräsentieren, umfassen unter anderem die Strukturlinguistik.[5]

Strukturanalyse bedeutet, jede sprachliche Ebene zu zerlegen: phonetisch, morphologisch, syntaktisch und diskursiv bis in die kleinsten Einheiten. Diese werden in Inventaren (z. B. Phonem, Morphem, lexikalische Klassen, Phrasentypen) gesammelt, um ihre Vernetzung innerhalb einer Hierarchie von Strukturen und Schichten zu untersuchen.[6] Die Funktionsanalyse fügt der Strukturanalyse die Zuweisung semantischer und anderer funktionaler Rollen hinzu, die jede Einheit haben kann. Zum Beispiel kann eine Nominalphrase als Subjekt oder Objekt des Satzes fungieren; oder der Agent oder Patient.[7]

Funktionale Linguistik oder funktionale Grammatik ist ein Zweig der strukturelle Linguistik. In der humanistischen Referenz beziehen sich die Begriffe Strukturalismus und Funktionalismus auf ihre Bedeutung in anderen Humanwissenschaften. Der Unterschied zwischen formalem und funktionalem Strukturalismus liegt in der Beantwortung der Frage, warum Sprachen die Eigenschaften haben, die sie haben. Funktionale Erklärung beinhaltet die Idee, dass Sprache ein Werkzeug für Kommunikation ist, oder dass Kommunikation die primäre Funktion von Sprache ist. Sprachliche Formen werden folglich durch einen Appell an ihren funktionalen Wert oder ihre Nützlichkeit erklärt. Andere strukturalistische Ansätze nehmen die Perspektive ein, die sich aus den inneren Mechanismen des bilateralen und vielschichtigen Sprachsystems ergibt.[8]

  • Biologische

Ansätze wie die kognitive Linguistik und die generative Grammatik untersuchen die sprachliche Kognition mit dem Ziel, die biologischen Grundlagen der Sprache aufzudecken. In der Generativen Grammatik werden diese Grundlagen so verstanden, dass sie angeborenes domänenspezifisches grammatikalisches Wissen beinhalten. Daher ist eines der zentralen Anliegen des Ansatzes herauszufinden, welche Aspekte des sprachlichen Wissens angeboren sind und welche nicht.[9][10]

Im Gegensatz dazu lehnt die kognitive Linguistik den Begriff der angeborenen Grammatik ab und untersucht, wie der menschliche Geist aus Ereignisschemata sprachliche Konstruktionen schafft.[11] und die Auswirkungen kognitiver Einschränkungen und Verzerrungen auf die menschliche Sprache.[12] Ähnlich wie beim neurolinguistischen Programmieren wird Sprache über die Sinne angegangen.[13][14][15] Kognitive Linguisten untersuchen die Verkörperung von Wissen, indem sie nach Ausdrücken suchen, die sich auf modale Schemata beziehen.[16]

Ein eng verwandter Ansatz ist die evolutionäre Linguistik[17] die das Studium sprachlicher Einheiten als kulturelle Replikatoren umfasst.[18][19] Es ist möglich zu untersuchen, wie sich Sprache repliziert und sich an den Verstand des Einzelnen oder der Sprachgemeinschaft anpasst.[20][21] Konstruktionsgrammatik ist ein Framework, das das Meme-Konzept auf das Studium der Syntax anwendet.[22][23][24][25]

Der generative Ansatz und der evolutionäre Ansatz werden manchmal als Formalismus versus Funktionalismus bezeichnet.[26] Diese Bezugnahme unterscheidet sich jedoch von der Verwendung der Begriffe in den Humanwissenschaften.[27]

Bedeutende Sprachwissenschaftler (Auswahl)

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  • Wilhelm von Humboldt
    Wilhelm von Humboldt
  • Roman Jakobson
    Roman Jakobson
  • George Lakoff
    George Lakoff
  • N. S. Trubetzkoy
    N. S. Trubetzkoy

Einzelnachweise

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  1. Linguistische Fachbegriffe und Wörterbücher. Online
  2. Winfried Nöth: Handbook of Semiotics. Indiana University Press, 1990, ISBN 978-0-253-20959-7 (salahlibrary.files.wordpress.com (Memento des Originals vom 8. März 2021 im Internet Archive) [abgerufen am 3. August 2021]).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Louis Hjelmslev: Prolegomena to a Theory of Language. University of Wisconsin Press, 1969, ISBN 0-299-02470-9 (Originalausgabe 1943).
  4. Ferdinand de Saussure: Course in general linguistics. Philosophy Library, New York 1959, ISBN 978-0-231-15727-8 (Online (Memento vom 8. August 2019 im Internet Archive) [PDF] Originalausgabe 1916).
  5. Patrik Austin: Theory of language: a taxonomy. In: SN Social Sciences. 1. Jahrgang, Nr. 3, 2021, doi:10.1007/s43545-021-00085-x (springer.com).
  6. Roland Schäfer: Einführung in die grammatische Beschreibung des Deutschen. 2. Auflage. Language Science Press, Berlin 2016, ISBN 978-1-5375-0495-7, doi:10.17169/langsci.b101.186 (Online).
  7. M. A. K. Halliday, Christian M. I. M. Matthiessen: An Introduction to Functional Grammar. 3. Auflage. Hodder, London 2004, ISBN 0-340-76167-9 (uel.br [PDF]).
  8. František Daneš: Functionalism in Linguistics. Hrsg.: Dirven & Fried. John Benjamins, 1987, ISBN 978-90-272-1524-6, On Prague school functionalism in linguistics, S. 3–38.
  9. Martin Everaert, Marinus A. C. Huybregts, Noam Chomsky, Robert C. Berwick, Johan J. Bolhuis: Structures, not strings: linguistics as part of the cognitive sciences. In: Trends in Cognitive Sciences. 19. Jahrgang, Nr. 12, 2015, S. 729–743, doi:10.1016/j.tics.2015.09.008, PMID 26564247 (researchgate.net).
  10. Noam Chomsky: The Minimalist Program. 2. Auflage. MIT Press, 2015, ISBN 978-0-262-52734-7.
  11. Michael A. Arbib: Handbook of Language Emergence. Hrsg.: MacWhinney & O’Grady. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-34613-6, Language evolution – an emergentist perspective, S. 81–109.
  12. Vera Tobin: Language and the Creative Mind. Hrsg.: Borkent. Chicago University Press, 2014, ISBN 978-90-272-8643-7, Where do cognitive biases fit into cognitive linguistics?, S. 347–363 (Kapitelvolltext [PDF]).
  13. María del Carmen Guarddon Anelo: Metaphors and neuro-linguistic programming. In: The International Journal of Interdisciplinary Social Sciences. 5. Jahrgang, Nr. 7, 2010, S. 151–162, doi:10.18848/1833-1882/CGP/v05i07/51812.
  14. Iraide Ibarretxe-Antuñano: MIND-AS-BODY as a Cross-linguistic Conceptual Metaphor. In: Miscelánea. 25. Jahrgang, Nr. 1, 2002, S. 93–119 (researchgate.net).
  15. R. W. Gibbs, H. Colston: The cognitive psychological reality of image schemas and their transformations. In: Cognitive Linguistics. 6. Jahrgang, Nr. 4, 1995, S. 347–378, doi:10.1515/cogl.1995.6.4.347.
  16. Milla Luodonpää-Manni, Esa Penttilä, Johanna Viimaranta: Empirical Approaches to Cognitive Linguistics: Analyzing Real-Life Data. Hrsg.: Luodonpää-Manni & Viimaranta. Cambridge University Press, 2017, ISBN 978-1-4438-7325-3, Introduction (cambridgescholars.com).
  17. Michael Pleyer, James Winters: Integrating cognitive linguistics and language evolution research. In: Theoria et Historia Scientiarum. 11. Jahrgang, 2014, S. 19–44, doi:10.12775/ths-2014-002 (umk.pl).
  18. Vyvyan Evans, Melanie Green: Cognitive Linguistics. An Introduction. Routledge, 2006, ISBN 0-7486-1831-7.
  19. William Croft: Evolutionary linguistics. In: Annual Review of Anthropology. 37. Jahrgang, 2008, S. 219–234, doi:10.1146/annurev.anthro.37.081407.085156 (afhalifax.ca [PDF]).
  20. Hanna Cornish, Monica Tamariz, Simon Kirby: Complex adaptive systems and the origins of adaptive structure: what experiments can tell us. In: Language Learning. 59. Jahrgang, 2009, S. 187–205, doi:10.1111/j.1467-9922.2009.00540.x (ed.ac.uk [PDF]).
  21. Kaius Sinnemäki, Francesca Di Garbo: Language Structures May Adapt to the Sociolinguistic Environment, but It Matters What and How You Count: A Typological Study of Verbal and Nominal Complexity. In: Frontiers in Psychology. 9. Jahrgang, 2018, S. 187–205, doi:10.3389/fpsyg.2018.01141, PMID 30154738, PMC 6102949 (freier Volltext).
  22. Östen Dahl: Grammaticalization and the life cycles of constructions. In: RASK – Internationalt Tidsskrift for Sprog og Kommunikation. 14. Jahrgang, 2001, S. 91–134.
  23. Simon Kirby: The Language Phenomenon. Hrsg.: Smith (= The Frontiers Collection). Springer, 2013, ISBN 978-3-642-36085-5, Transitions: the evolution of linguistic replicators, S. 121–138, doi:10.1007/978-3-642-36086-2_6 (labex-whoami.fr [PDF]).
  24. Eva Zehentner: Competition in Language Change: the Rise of the English Dative Alternation. De Gruyter Mouton, 2019, ISBN 978-3-11-063385-6.
  25. Brian MacWhinney: Handbook of Language Emergence. Hrsg.: O’Grady. Wiley, 2015, ISBN 978-1-118-34613-6, Introduction – language emergence, S. 1–31.
  26. Daniel Nettle: Functionalism and Formalism in linguistics, 1. Hrsg.: Darnell (= Studies in Language Companion Series. Nr. 41). John Benjamins, 1999, ISBN 978-1-55619-927-1, Functionalism and its difficulties in biology and linguistics, S. 445–468, doi:10.1075/slcs.41.21net.
  27. William Croft: International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences. Hrsg.: Wright. 2nd Auflage. Band 9. Elsevier, 2015, ISBN 978-0-08-097087-5, Functional Approaches to Grammar, S. 6323–6330, doi:10.1016/B978-0-08-097086-8.53009-8.