Sprachgebundenheit
"Der Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer betont wie viele andere die Weichenstellung, die der Kratylos als „Grundschrift des griechischen Denkens über Sprache“ für die europäische Sprachphilosophie bedeutet. Für ihn stellt das Werk „bereits den ersten Schritt in eine Richtung dar, an deren Ende die neuzeitliche Instrumentaltheorie der Sprache und das Ideal eines Zeichensystems der Vernunft liegt“.[1] Allerdings beurteilt Gadamer diese Entwicklung kritisch. Platon habe das Denken so auf sich selbst stellen wollen, dass damit die „Macht der Worte“ und ihre „dämonische Technisierung in der sophistischen Argumentierkunst“ überwunden werde. Dabei sei er aber vor dem wirklichen Verhältnis von Wort und Sache zurückgewichen. Das „eigene Wesen der Sprache“ habe er gründlich verdeckt, das Wort werde auf seine Funktion als Zeichen und den ihm zugewiesenen Werkzeugcharakter reduziert. Die „Sprachgebundenheit des Denkvollzugs“ werde nicht angemessen berücksichtigt. Die Folge dieser Sichtweise sei die „Sprachvergessenheit des abendländischen Denkens“.[2] (Q.: Kratylos Moderne)
- ↑ Hans-Georg Gadamer: Hermeneutik I. Wahrheit und Methode (= Gesammelte Werke, Band 1), 6., durchgesehene Auflage, Tübingen 1990, S. 409, 422.
- ↑ Hans-Georg Gadamer: Hermeneutik I. Wahrheit und Methode (= Gesammelte Werke, Band 1), 6., durchgesehene Auflage, Tübingen 1990, S. 411–422. Vgl. Damir Barbarić: Spiel der Sprache. Zu Platons Dialog Kratylos. In: Internationales Jahrbuch für Hermeneutik 1, 2002, S. 39–63, hier: 48 f.