Starker Realismus
In der Frühscholastik findet sich zunächst die Position des Universalienrealismus, da der Neuplatonismus der Spätantike (5. Jahrhundert) die vorherrschende philosophische Grundlage war. Dieser Weg führte über Boethius und vor allem über Augustinus, der die Ideen als Gedanken Gottes vor der Schöpfung ansah.
Erster prominenter Vertreter eines radikalen Realismus war im 9. Jahrhundert Eriugena, für den die Universalien geistige Wesenheiten waren, die den Einzeldingen in der Entstehung vorausgingen. Aufgrund der hierarchischen Gliederung von den Einzeldingen über die Art (species) bis zur Gattung (genus), der die Art inhärent sei, nahm Eriugena an, dass es am Ende nur eine Substanz in der Welt gebe – eine pantheistische Weltsicht.
Einen ähnlich konsequenten Realismus vertraten im 11. Jahrhundert auch Anselm von Canterbury und Wilhelm von Champeaux. Da jeder Substanz Akzidenzien zugeordnet wurden, musste Individualität aus den verschiedenen Akzidenzien hervorgehen. Das Universale wurde auf eine einzige identische Substanz zurückgeführt. Daraus wiederum ergab sich logisch die Indifferenz des Universalen. Diese „Indifferenztheorie“ Wilhelms wirkte noch Generationen später nach.