Studierzimmer. (2) Beschreibung
Inhalt
- Introduktion
- Der erste Teil
- Auftritt des Mephistopheles
- Der Fluch-Monolog
- Der Geisterchor
- Das Bündnis
- Fausts Zweifel
- Vom Bündnis zur Wette
- Fausts Bereitschaft
- Die mehrseitige und unerreichbare Sinnlichkeit
- Der zweite Teil
- Der Gelehrte, der Schüler und der Anfänger
- Die Universitätssatire
- Sprachstil und Argumentation
- Zusammenfassung - Haupthandlung und Hauptgedanken der Szene
- Stilmittel
Introduktion
Der Szene „Studierzimmer II“ kommt eine zentrale Bedeutung in dem Drama zu, da hier die Wette zwischen Mephistopheles und Faust geschlossen wird. Sie ist ein Teil der Gelehrtentragödie (siehe dazu Interpretation „Die Gelehrtentragödie“).
Die vorangegangene Szene – „Studierzimmer I“ – weist mit der ersten Begegnung zwischen Faust und Mephistopheles bereits auf die Wette voraus. Die Geister singen Faust in den Schlaf, sodass dieser beim Erwachen glaubt, er habe im Traum den Teufel gesehen.
Nach dem trickreichen Verschwinden Mephistos ist Faust verwirrt. Sein Drang nach Höherem scheint besänftigt, das Befinden stabil, die Begründung dafür erschließt sich ihm jedoch nicht. Er fragt sich, ob es etwas mit dem Verschwinden des Pudels und dem Traum vom Teufel zu tun haben könnte. Diese Frage leitet die Wende ein– mit Mephisto verändert sich Fausts Leben vollständig.
Der erste Teil
Auftritt des Mephistopheles
Die Szene eröffnet der Auftritt des Mephistopheles. Der Teufel kehrt zurück in Fausts Studierzimmer als „edler Junker“ (V. 1535) und trägt ein „goldverbrämte[s] Kleid[...]“ (V. 1536) aus „starrer Seide“ (V. 1537). Er kommt direkt auf den von Faust in der vorangegangenen Szene vorgeschlagenen Pakt zu sprechen und verspricht dem Gelehrten, ihm zu zeigen, was „das Leben sei“ (V. 1543). Was Mephisto mit Faust vorhat, deutet bereits sein Degen an: „Mit einem langen, spitzen Degen,/ Und rate nun dir, kurz und gut,/ Dergleichen gleichfalls anzulegen“. Denn Mephisto darf als adliger Junker einen Degen tragen, was einfachen Bürgern untersagt war. Er rät Faust, es ihm nachzumachen und folglich die Standesgrenzen zu überschreiten, damit er das Leben frei von Begrenzungen erfahren kann.
Doch Faust bezweifelt, dass ein Pakt mit Mephisto ihn aus seiner Not retten kann, und drückt sein Dilemma zunächst mit einer Antithese und einer rhetorischen Frage aus: „In jedem Kleide werd ich wohl die Pein/ Des engen Erdelebens fühlen./ Ich bin zu alt, um nur zu spielen,/ Zu jung, um ohne Wunsch zu sein./ W''as kann die ''W''elt mir ''w''ohl gewähren? Entbehren sollst du! Sollst entbehren!“ (V. 1544-1548). Die nachfolgenden Alliteration und Kyklos unterstreichen seinen Zweifel daran, dass die Welt ihm noch schöne Erlebnisse zu bieten hat. Denn das ist das, was Faust kennt: Für seine Gelehrsamkeit musste er die Freuden des einfachen Daseins opfern und doch hat er kein Glück erlangen können.
Der Gelehrte klagt sein Leid. Er ist rastlos geplagt: „Nur mit Entsetzen wach ich morgens auf,/ Ich möchte bittre Tränen weinen,/ Den Tag zu sehn, der mir in seinem Lauf/ Nicht Einen Wunsch erfüllen wird, nicht Einen,/[...]“ (V. 1554-1557). Die Repetitio unterstreicht seine Unmut, die Verzweiflung über die rastlos dahinlaufenden Tage, die ihm keine Sekunde Glück gewähren.
Die alltäglichen Beschwerlichkeiten beschreibt Faust mit einem einprägsamen Parallelismus: „Der selbst die Ahnung jeder Lust/ Mit eigensinnigem Krittel mindert,/ Die Schöpfung meiner regen Brust/ Mit tausend Lebensfratzen hindert“ (V. 1558-1561). Die parallel aufgebauten Satzglieder sind durch Enjambements miteinander verbunden. Faust sagt damit aus, dass seine Tage voll mit kleinen Mäkeln („Krittel“) sind und sich überwiegend um alltägliche Banalitäten („Lebensfratzen“) drehen.
Selbst in der Nacht kommt Faust im Schlaf nicht zur Ruhe, da ihn „wilde Träume schrecken“ (V. 1565). Diese nächtliche Unruhe wird durch die doppelte Anapher „Auch-Mich-Auch-Mich“ betont (V. 1562-1565). Am Ende seines klagenden Monologs spricht Faust anhand einer Antonymie seine immer noch vorhandene Todessehnsucht direkt aus: „Und so ist mir das Dasein eine Last,/ Der Tod erwünscht, das Leben mir verhasst“ (V. 1570-1571).
Mit kurzen ironischen Spötteleien macht sich Mephistopheles über die Verzweiflung des Doktors lustig. Er will damit verdeutlichen, dass der Tod nicht Fausts Wunsch ist. Auf diese Weise stilisiert er sich selbst als die bessere Alternative zum Tod, als Lösung des Problems, um den Gelehrten für sich zu gewinnen. Zunächst kommt Mephisto auf Fausts nicht erfolgten Freitod zu sprechen: „Und doch ist nie der Tod ein ganz willkommner Gast“ (V. 1572). Der Teufel scheint dem Gelehrten in seinem Wissen immer einen Schritt voraus zu sein, wie er selbst anhand einer Correctio bestätigt: „Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst“ (V. 1582).
Für die Einflussnahme des Mephistopheles auf Faust ist das von entscheidender Bedeutung, da er auf diese Weise trickreich agieren und zu seinen Zielen gelangen kann, zum Beispiel in der Verkupplungsintrige um Margarete. Das Geschick des Mephistopheles äußert sich zudem in seiner Sprachgewandtheit und Rhetorik. Er ergänzt Fausts Gedanken und kommentiert sie manipulativ. Dafür verwendet er den Madrigalvers, der durch sein freies Metrum sprachliche Raffinessen erlaubt. Faust spricht dagegen im vierhebigen Knittelvers, der das Pathos seiner Aussage dann unterstützt, wenn er an die Trost spendende Musik des Osterchores zurückdenkt.
Der Fluch-Monolog
Doch selbst der Gedanke an die tröstenden Kindheitserinnerungen des Ostertages hält Faust nicht davon ab, in einem weitreichenden Monolog zahlreiche Facetten des irdischen Daseins zu verdammen. Der verzweifelte Gelehrte verflucht alle materiellen und ideellen Werte, die das menschliche Leben ausmachen: „So fluch ich allem was die Seele/ Mit Lock- und Gaukelwerk umspannt,/ Und sie in diese Trauerhöhle/ Mit Blend- und Schmeichelkräften bannt!/ Verflucht voraus die hohe Meinung,/ Womit der Geist sich selbst umfängt!/ Verflucht das Blenden der Erscheinung,/ Die sich an unsre Sinne drängt!“ (V. 1587-1594). Zunächst auf materielle Werte ausgerichtet, bezieht er sich auf die Eitelkeit des Menschen, das Streben nach Macht, Reichtum, Ansehen. Damit verflucht er ebenso die Gesellschaft, die dieses Bestreben erst überhaupt sinnvoll erscheinen lässt.
Faust sagt sich mit diesem Fluch jedoch nicht nur von „Besitz, [...] Weib und Kind“ (V. 1597-1598) sowie von Ansehen und Macht los, sondern anschließend auch von Geduld, Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese sind die Tugenden eines Christen, wie sie in Korinther 13.13 in der Bibel vermittelt werden. Faust verweigert sich folglich den ideellen christlichen Werten und sagt sich von dem Gottesglauben los. Auf diese Weise ist er bereit für ein Bündnis mit dem Teufel.
Fausts Klagerede ist rhetorisch kunstvoll gestaltet. Das Wort „Verflucht“ oder „Fluch“ taucht elf Mal auf, was die Bedeutung der Verwünschung in starkem Maße hervorhebt. Die Schmährede des Gelehrten wird zum Ende immer dichter angeordnet, sodass der Monolog Spannung aufbaut und sich bis zu dem höchsten immateriell-geistigen Gut des Menschen in einer Emphase steigert.
Dabei umfasst jede Verfluchung zunächst zwei Verse, die mit der Anapher „Verflucht“ beginnen und einer Beschreibung des Fluches ausklingen. Die Verdichtung am Ende des Monologs wird dadurch geschaffen, dass fünf Flüche mit drei Anaphern und zwei Epanalepsen in nur vier Versen vereint werden. Darüber hinaus wird der Ausspruch „Verflucht“ zu „Fluch“ verkürzt.
Der Geisterchor
Auch der auf Fausts Monolog folgende Geisterchor besingt die Tragweite des ausgesprochenen Fluchs: „Weh! Weh!/ Du hast sie zerstört,/ Die schöne Welt,/ Mit mächtiger Faust;/ Sie stürzt, sie zerfällt!/ Ein Halbgott hat sie zerschlagen!/ Wir tragen/ Die Trümmern ins Nichts hinüber,/ Und klagen/ Über die verlorne Schöne/[...]“ (V. 1607-1616). Der Gesang drückt aus, dass Faust mit der bestehenden Welt abgeschlossen hat. Er zerstört die Welt nicht wirklich, jedoch zerstört er sie für sich selbst, indem er den Maßstäben und Werten der dominierenden Gesellschaft nicht mehr Folge leisten will, weil er ihren Unsinn durchschaut. Der Geisterchor bricht mit dem regelmäßigen jambischen Versmaß und bildet durch die bruchstückhaften ein- bis vierhebigen Verse auch sprachlich den Moment der Zerstörung, die Trümmer, nach.
Die Geister versuchen, dem Gelehrten neuen Lebensmut zu verleihen. Sie erkennen Fausts Lebenswillen, heben Faust in den Stand eines Halbgottes, der über die Macht verfügt, eine Welt zu zerstören, aber auch eine neue wieder aufzubauen: „Mächtiger/ Der Erdensöhne,/ Prächtiger/ Baue sie wieder auf!/ In deinem Busen baue sie auf! Neuen Lebenslauf/ Beginne,/ Mit hellem Sinne,/ Und neue Lieder/ Tönen darauf!“ (V. 1618-1626). Die Repetitio betont den Aufbruch zu etwas Neuem.
Der Geisterchor umschmeichelt Faust mit lobenden Worten. Wollte ihn der Erdgeist nicht anerkennen, so wird seine Macht hier betont und seine Herrlichkeit gelobt. Die Geister unterstützen damit die Position Mephistos. Die Geister machen Faust gefügig, raten ihm zu „Lust und Taten“ (V. 1629) So soll der Gelehrte seine alte Welt des Verstandes und der Wissenschaft verlassen, „wo Sinnen und Säfte stocken“ (V. 1633). Die Medizin der Goethezeit behauptete, dass die Krankheiten der Gelehrten durch die Anstrengung des Geistes und das viele Sitzen verursacht wurden, da dies zu einer Einengung des Blutkreislaufs führte und damit zu einem Stocken der Körperflüssigkeiten. Statt dieser soll Faust in die „Welt weit“ (V. 1631) hineintreten, wie die neue Alliteration es so schön betont.
Das Bündnis
Der Teufel bezieht Fausts Leid, mit dem er seiner gegenwärtigen Situation entgegenblickt und nutzt seine Gelegenheit, Faust einen Pakt vorzuschlagen: „Hör auf mit deinem Gram zu spielen,/ Der, wie ein Geier, dir am Leben frisst;/ Die schlechteste Gesellschaft lässt dich fühlen,/ Dass du ein Mensch mit Menschen bist./ Doch so ist’s nicht gemeint/ Dich unter das Pack zu stoßen.“ (V. 1635-1640). Diese durch eine Alliteration vereinten Verse lassen Mephistopheles verständnisvoll erscheinen.
Der Teufel vergleicht Fausts Qual an dieser Stelle mit dem griechischen Mythos des Prometheus, welchen Zeus deshalb bestrafte, weil dieser den Menschen das Feuer brachte, indem er ihn an einen Felsen band und von einem Geier täglich seine Leber fressen ließ, die jedoch ebenso täglich nachwuchs. Die Leber galt damals als der Sitz des Lebens. Mephisto möchte das Elend des Gelehrten beenden und schlägt als Lösung eine niedrigere Gesellschaft vor, damit Faust sich wie ein Mensch fühlt und nicht mehr nach dem Göttlichen strebt. Die Alliteration betont das Mensch-Sein, was eben auch bedeutet, nicht alles zu wissen und Fehler zu haben.
Mephistopheles versucht, Faust von einem Bündnis mit ihm zu überzeugen, damit dieser seinen lebensfeindlichen Gram hinter sich lässt: „So will ich mich gern bequemen,/ Dein zu sein, auf der Stelle./ Ich bin dein Geselle/ Und, mach ich dir's recht,/ Bin ich dein Diener, bin ich dein Knecht!“ (V. 1644-1648). Mephistopheles geht rhetorisch geschickt vor, indem er sich Faust in Form einer Klimax zunächst als Geselle, dann als Diener und schließlich als Knecht anbietet und ihm damit sämtliche Dienste verspricht, die in seiner Macht stehen.
Mit seinem Fluch hat sich Faust von jeglichem Glauben an die menschlichen Werte verabschiedet und scheint dazu bereit, mit dem Teufel ein Bündnis zu schließen. Zunächst ist Faust jedoch zurückhaltend und vorsichtig: „Und was soll ich dagegen dir erfüllen?“ (V. 1649); „Nein nein! der Teufel ist ein Egoist/ […]/ Sprich die Bedingung deutlich aus;/ Ein solcher Diener bringt Gefahr ins Haus“ (V. 1651/ 1654-1655).
Das von Mephistopheles vorgeschlagene Bündnis steht ganz in der Tradition des mittelalterlichen Teufelspakts, nach dem der Mensch nach seinem Ableben seine Seele an den Teufel dann abtritt, wenn dieser ihm im Gegenzug auf Erden materielle und sinnliche Freuden verschafft. Der Mensch ist bei diesem Pakt unwiderruflich an das Böse gebunden, wie Mephistopheles klarstellt: „Ich will mich hier zu deinem Dienst verbinden;/ Auf deinen Wink nicht rasten und nicht ruhn;/ Wenn wir uns drüben wiederfinden,/ So sollst du mir das gleiche tun“ (V. 1656-1659). Durch die Antithese, die Repetitio und die Alliteration geht dieser Satz sofort ins Ohr und überzeugt mit seiner Eindringlichkeit.
Fausts Zweifel
Faust schreckt die Vorstellung des Jenseits deshalb nicht ab, da ihn einzig das Diesseits interessiert: „Das Drüben kann mich wenig kümmern,/ Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,/ Die andre mag darnach entstehn./ Aus dieser Erde quillen meine Freuden,/ Und diese Sonne scheinet meinen Leiden;/ Kann ich mich erst von ihnen scheiden,/ Dann mag was will und kann geschehn“ (V. 1660-1666). Der Gelehrte konzentriert sich auf seine Gegenwart. Anhand von Gegensätzen drückt er deutlich aus, dass sein Leben auf der Erde stattfindet, hier empfindet er Freude und Leid, was nach seinem Ableben passiert, ist für ihn in dem Moment uninteressant.
Allein sein Zweifel an den Fähigkeiten des Mephistopheles hält Faust zunächst noch davon ab, den Pakt einzugehen. Er benennt das, was er auf der Erde sucht und was Mephistopheles ihm seiner Meinung nach nicht geben kann: „Was willst du armer Teufel geben?/ Ward eines Menschen Geist, in seinem hohen Streben,/ Von deinesgleichen je gefasst?/ [...]/ Zeig mir die Frucht die fault, eh man sie bricht,/ Und Bäume, die sich täglich neu begrünen!“ (V. 1675-1687). In der Lehre von den schwarzen Mächten wird erklärt, dass Dämonen den menschlichen Geist nie vollständig begreifen können – darauf will Faust mit seiner Aussage hinaus.
Der Gelehrte traut Mephisto nicht zu, seine Wünsche zu verstehen. Er vertraut ihm aber auch nicht und erwartet eine List des Teufels dahin gehend, das Versprochene nur oberflächlich zu leisten: Das geliebte Mädchen neigt sich schnell dem Nachbarn zu, die Speise sättigt nicht, das Geld verschwindet, ohne das Gefühl des Glücks zu hinterlassen. Das, was man vom Teufel bekommt, ist eine Frucht, die bereits verfault ist, bevor man sie hat. Das bezeichnet eben die Alliteration „die Frucht die fault“ (V. 1686). Es sei schließlich „Ein Spiel, bei dem man nie gewinnt“ (V. 1681).
Dieses Misstrauen veranlasst Faust dazu, neue Bedingungen für den vorgeschlagenen Pakt zu stellen: „Werd ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen;/ So sei es gleich um mich getan!/ [...] / Werd ich zum Augenblicke sagen:/ Verweile doch! du bist so schön!/ Dann magst du mich in Fesseln schlagen,/ Dann will ich gern zugrunde gehen!/ Dann mag die Totenglocke schallen,/ Dann bist du deines Dienstes frei,/ Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,/ Es sei die Zeit für mich vorbei!“ (V. 1692-1693/ 1699- 1706).
Faust formuliert auf diese Weise ein Wenn-Dann-Verhältnis, welches durch eine Anapher besonders hervorgehoben wird. Mit seinen Bedingungen möchte er sichergehen, dass Mephisto ihm wirklich Glück verschafft und ihn nicht austrickst. Der Gelehrte ist sich der Tücke des Teufels wohl bewusst und kennt ebenso seine Fähigkeiten. Deswegen entscheidet sich Faust ganz realistisch dafür, sich vom hohen Streben loszusagen und sich ganz dem irdischen Genuss hinzugeben. Damit dieser Genuss jedoch keine „faule Frucht“ ist, formuliert er seine Bedingung.
Vom Bündnis zur Wette
Die Wette wird geschlossen: „Die Wette biet ich! / Topp!“ (V. 1698). Der Teufel warnt ihn kurze Zeit später: „Bedenk es wohl, wir werden's nicht vergessen.“ (V. 1707). Faust willigt ein, verwandelt den ursprünglichen Pakt jedoch in eine Wette, die mit seinem Blut besiegelt wird. Die Wette, die Faust anbietet, weicht vom traditionellen Teufelspakt dahin gehend ab, dass der Ausgang der Wette offen bleibt.
Mephistopheles formuliert mit seiner Aussage: „wenn wir uns drüben wiederfinden“ (V. 1658) eine temporale Bedingung, die beinhaltet, dass das Treffen nur eine Frage der Zeit ist. Faust verschiebt mit der Wette diese Intention hin zu einer konditionalen Bedeutung, also im Sinne einer Wenn-Dann-Beziehung. Die Formulierung der Wette erhält auf diese Weise einen beinahe juristischen Klang: Wenn eine Bedingung nicht erfüllt wird, kann die Entlohnung nicht gefordert werden.
Nur dann, wenn es Mephistopheles gelingt, Faust einen Augenblick des vollkommenen Glücks zu verschaffen, ist dieser ebenso dazu verpflichtet, Mephistopheles ewig zu dienen: „Kannst du mich schmeichelnd je belügen,/ Dass ich mir selbst gefallen mag,/ Kannst du mich mit Genuss betriegen;/ Das sei für mich der letzte Tag!“ (V.1694-1697). Durch diese als Parallelismus formulierte Bedingung will Faust Mephisto nicht herausfordern, vielmehr zeigt er ihm, dass es ihm durchaus bewusst ist, dass der Teufel ihm keine wahre Freude bieten kann. Es kann sich also ausschließlich um einen Betrug handeln, nur muss der Gelehrte diesen auch als wahr empfinden und daran glauben.
Mephisto soll ihn „belügen“ (V. 1694) und ihn „im Genuss betriegen“ (V. 1696), sodass er auch nur zu einem Augenblick sagen kann: „Verweile doch! du bist so schön!“ (V. 1700). Erst dann wäre Mephisto seines „Dienstes frei“ (V. 1704) und Faust müsste wiederrum den seinigen im Jenseits antreten. Fausts möchte nur einen Augenblick erleben, der ihn so glücklich macht, dass er sich wünscht, dieser würde länger andauern als nur einen flüchtigen Moment. Ob dieses ersehnte Glücksgefühl auf Betrug basiert, spielt für ihn keine Rolle.
Fausts Bereitschaft
Mephisto ist mit den Bedingungen einverstanden. Allein den „Schlag“ (V. 1698) lehnt er ab. Er möchte die Wette auf die traditionelle Weise besiegelt wissen: „Bitt ich mir ein paar Zeilen aus“ (V. 1714). Die Wette soll mit Blut besiegelt werden, womit sie eine Symbiose zwischen Wette und Pakt bildet.
Die Sorge des Mephistopheles, Faust könne die Wette brechen, nimmt Faust ihm durch Gegenargumentation. Er ist „vom Wissensdrang geheilt“ (V. 1768) und nun dazu bereit, sich in die Welt der sinnlichen Genüsse und des Rausches hineinführen zu lassen: „Des Denkens Faden ist zerrissen,/ Mir ekelt lange vor allem Wissen./ Lass in den Tiefen der Sinnlichkeit/ Uns glühende Leidenschaften stillen!/[...] Stürzen wir uns in das Rauschen der Zeit,/ Ins Rollen der Begebenheit!“ (V. 1748-1755).
Der Gelehrte möchte der Wissenschaft den Rücken zukehren. Antithetisch stehen sich in seiner Aussage Wissen und Sinnlichkeit gegenüber. Lange musste Faust die den Menschen innewohnende Leidenschaften in seinem Leben als Gelehrter unterdrücken, nun will er leben, frei sein, spontan sein und die Genüsse des Irdischen kennenlernen und genießen. Dies betont insbesondere die parallele Konstruktion in den Versen 1754 und 1755.
Faust weiß, dass Mephistopheles Versprechen nur auf ein irdisches sinnliches Glück reduziert ist. Dieser verspricht dem Gelehrten: „Euch ist kein Maß und Ziel gesetzt./ Beliebt's Euch überall zu naschen,/ [...]“ (V.1760-1761). Es geht folglich nur darum, die „Sinnlichkeit“ (V. 1750) zu befriedigen und „glühende Leidenschaften“ (V. 1751) zu stillen, wenn dies auch nur durch einen Betrug geschehen kann.
Die mehrseitige und unerreichbare Sinnlichkeit
Faust will und ist ebenso dazu bereit, die Leidenschaft in allen ihren Facetten kennenzulernen: „Du hörest ja, von Freud' ist nicht die Rede./ Dem Taumel weih' ich mich, dem schmerzlichsten Genuss/ […]“ (V. 1766). Diese ganzheitliche Erfahrung, die Faust sich wünscht, bedeutet für ihn eben auch, emotionales Leiden in Kauf zu nehmen: „Und was der ganzen Menschheit zugeteilt ist,/ Will ich in meinem innern Selbst genießen,/ Mit meinem Geist das Höchst' und Tiefste greifen,/[...]“ (V. 1765-1766/1770-1772).
Trotz seiner geringen Erfahrung ist Faust sich folglich bewusst, dass die Sinnlichkeit nicht nur Freude bietet. Dennoch möchte er alles kennenlernen: Die Liebe, die Sehnsucht, die Trauer, den Herzschmerz. Dem gegenüber ist er offen, denn diese Gefühle sind nie nur schlecht, sie bergen beides in sich, wie es die antithetischen Äußerungen versinnbildlichen: „schmerzlichsten Genuss,/ Verliebtem Hass, erquickendem Verdruss“ (V. 1766-1767).
Allein zurückgelassen, bringt Mephisto seine Gedanken zu Fausts Situation auf den Punkt. Er sagt aus, dass „Vernunft und Wissenschaft“ (V. 1851) des Menschen „allerhöchste Kraft“ (V. 1852) sind. Dieser setzt er antithetisch „Blend- und Zauberwerke[…]“ (V. 1853) entgegen.
Der Teufel fühlt sich als Gewinner und belustigt sich folglich daran, dass ein Mensch, der über diese Weisheit verfügt, sich einer Lüge hingeben möchte. Er bringt Fausts Problematik auf den Punkt: Sein „übereiltes Streben [überspringt]/ Der Erde Freuden“ (V. 1858f.). Diese möchte Faust nun nachholen und Mephisto will ihn durch das „wilde Leben“ (V. 1860) schleppen. Doch nicht mit dem Ziel der Befriedigung, denn „Speis und Trank [sollen Faust] vor gier‘gen Lippen schweben“ (V. 1864).
Erneut deutet Mephisto auf die griechische Mythologie hin, auf den Mythos des Tantalus, der ewig hungern und dursten muss, da Speisen und Getränke vor ihm zurückweichen. Ähnlich soll es Faust mit seinem Drang nach Sinnlichkeit ergehen, „Erquickung“ (V. 1865) wird er vom Teufel nicht erhalten. Doch ist Mephisto davon überzeugt, dass Fausts strebender und sehnender Geist auch ohne den Teufel zugrunde gegangen wäre, befand sich dieser doch rastlos auf der Suche und war doch ohne Hoffnung, das Gesuchte zu finden: „Und hätte er sich nicht dem Teufel übergeben, / Er müsste doch zugrunde gehen!“ (V. 1866-1867).
Der zweite Teil
Der Gelehrte, der Schüler und der Anfänger
Nach dem Abschluss der Wette beginnt der zweite Teil der Szene. Im Gegensatz zu dem ersten Absatz, der mit der Wette als Knotenpunkt des Dramas bezeichnet werden kann, hat der zweite Teil eher den Charakter eines komischen Intermezzos. Als sich vor der Tür des Studierzimmers ein Schüler bemerkbar macht, verkleidet sich Mephistopheles als Faust um und begrüßt daraufhin den Schüler. Der Teufel übernimmt die Rolle Fausts und unterweist den Schüler voller Ironie und Satire in den vier Wissenschaften, um schließlich die Medizin als die dienlichste für die Verführung der „Weiber“ (V. 2023) zu empfehlen.
Faust, Wagner und der Schüler verkörpern drei Wissenschaftlertypen, die an verschiedenen Stadien ihres Studiums angelangt sind. Der Gelehrte Faust verkörpert den leidenschaftlich Suchenden. Er hat doch seinen Glauben an die Wissenschaft verloren. Seine zahlreichen Studien haben ihm nicht das gewünschte Resultat gebracht. Er ist enttäuscht und ernüchtert. Sein Schüler Wagner glaubt noch voll an die Wissenschaft und studiert strebsam die Bücher, wie es Faust einst getan hat. Er repräsentiert den kalten rational denkenden Buchgelehrten.
Der in den Raum eingetretene Schüler möchte Wissenschaftler werden und stellt typologisch der Anfänger dar. Er verkörpert den naiven, dümmlichen und faulen Studenten. Unsicher, wohin es ihn verschlagen soll, sucht er sich Rat. Auch fühlen sich für ihn die Wände der Universität beengend an, schließlich ist die Kindheit, in der er draußen auf der Wiese spielen durfte, zeitlich noch nicht weit weg. Er fühlt sich nicht wohl, überfordert, verloren und steht damit für die These: Aller Anfang ist schwer.
Die Universitätssatire
Der Schüler sucht Rat, da er nicht weiß, für welche wissenschaftliche Ausrichtung er sich entscheiden soll. Das Schülergespräch ist Teil der Wissenschaftskritik im Faust-Drama und wird hier als sogenannte Universitätssatire präsentiert. Sie schließt damit an die Erkenntniskrise Fausts und seine Kritik an der Wissenschaft an, wird jedoch durch die Figur des Mephistopheles objektiviert.
In dem folgenden ‚Beratungsgespräch‘ zwischen Mephistopheles in der Rolle des Fausts und dem Schüler wird das gesamte universitäre System von Mephistopheles auf die Schippe genommen. Sowohl die gelehrten akademischen Inhalte als auch deren Vermittlung werden dabei kritisch verlacht. Die leblose Theorie sei nur ein starres Gerüst von leeren Begrifflichkeiten sowie veralteten Methoden und die Lehrenden seien nur Wiederkäuer des bereits vorhandenen Wissens, so Mephisto.
Vor diesem Hintergrund erläutert der Teufel dem Schüler nur scheinbar die Vor- und Nachteile der vier Hauptfakultäten, in Wirklichkeit rechnet er konsequent mit Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaft und Medizin ab. Die Logik als ein Vorstudium sei eine Dressur des Geistes, die nicht zur Klärung von wichtigen Fragen führe: „In spanische Stiefel eingeschnürt“ (V. 1913). Die aus Grammatik, Rhetorik und Dialektik bestehende Teildisziplin erscheint damit als ein Instrument zur Erziehung und Disziplinierung der Studenten. Auch die Metaphysik diene nur dem Zweck, zu sehen, „was in des Menschen Hirn nicht passt“ (V. 1951). Der Professor reproduziere dabei allein das Wissen, „was im Buche steht“ (V. 1961). Die Rechtswissenschaft sei des Weiteren eine Art Erbkrankheit, welche die Gesetze trotz gesellschaftlicher Veränderungen in die nächste Generation schleppe. Auch in der Theologie liege „so viel verborgenes Gift“ verborgen (V. 1986), da ihr Perspektivismus nur zur Unsicherheit führe und man besser nur einer Theorie Glauben schenken solle.
Der Schüler kann den Ausführungen des Mephistopheles nicht folgen. Mit nur kurzen Einwänden bringt er seine Verwirrung zum Ausdruck. Dennoch ist er dankbar für jede Erklärung und blickt ehrfurchtsvoll zu seinem ‚Lehrer‘ auf. Mephistopheles zeigt sich hier dagegen in seiner Paraderolle als eloquenter Redner, der das Gespräch lenkt, ironisch kommentiert und damit seinen Gesprächspartner zum Narren hält.
Sprachstil und Argumentation
Mephistopheles spricht dabei zunächst im strengen Knittelvers, wechselt dann in den frei zu gestaltenden Madrigalvers, wobei verschiedene Reimformen ihre Verwendung finden. Er passt seinen Sprachduktus dabei geschickt dem des Schülers an. Nach der Verwendung des „trocknen Tons“ (V. 2009) zu Beginn des Gespräches flüstert er unhörbar für den Schüler, er wolle nun „recht den Teufel spielen“ (V. 2010). Sprachlich und argumentativ orientiert er sich nun an dem Niveau des Schülers, wenn er ihm die letzte Disziplin, die Medizin, erläutert. Diese habe keinen Nutzen, da Gott allein bestimme, wann es einen Menschen trifft. Allein die Möglichkeit, den Frauen näherzukommen, mache die Medizin interessant.
Manipulativ plaudert Mephistopheles jetzt mit einer umgangssprachlichen Wortwahl darüber, wie „die Weiber [zu] führen“ (V. 2023) sind. Seine Sprache ist in ihrer Konstruktion wesentlich einfacher, sodass der Schüler ihn nun versteht. Der Tonfall des Mephistopheles wirkt vertrauter, indem er dem Schüler schmeichelt: „An Kühnheit wird’s Euch auch nicht fehlen,/ Und wenn ihr Euch nur selbst vertraut,/ Vertrauen Euch die andern Seelen.“ (V. 2020-2022). Mit Euphemismen macht Mephistopheles viele obszöne Anspielungen, die das Interesse des Schülers wecken. Wie hier beispielsweise: „Versteht das Pülslein wohl zu drücken, […]“ (V. 2032).
Der sinnliche Bezug zum Leben steht für Mephistopheles auch hier im Mittelpunkt seines Denkens und in einem deutlichen Gegensatz zur Wissenschaft, wie er in der Metapher des ‚Lebens- Baumes‘ verdeutlicht: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,/ Und grün des Lebens, goldner Baum“ (V. 2038-2039). Die Farbe Grau symbolisiert Weisheit, Alter und zugleich Langeweile und Trostlosigkeit. Sie steht auch für Nebel und Unklarheit. Die Farbe Grün ist im Gegensatz dazu die Farbe der Natur, der Harmonie, der Hoffnung, des neuen Lebens und des Neubeginns.
Mit einer lateinischen Widmung in Stammbuch des Schülers, die dieser ohnehin nicht verstehen kann, findet das Gespräch seinen zynischen Höhepunkt: „Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum“ (V. 2048). Mephistopheles verabschiedet den Schüler und prophezeit ihm ihn gleichzeitig verspottend: „Folg nur dem alten Spruch und meiner Muhme der Schlange,/Dir wird gewiß einmal bei deiner Gottähnlichkeit bange!“ (V. 2049-2050). Der Schüler erscheint auch hier als eine Vorstufe zu Fausts Schicksal, denn dieser strebte ebenso nach dem höchsten Wissen und scheiterte schließlich, weil die geglaubte Gottähnlichkeit von dem Erdgeist gnadenlos abgelehnt wurde. Mephisto prophezeit dem Schüler denselben Werdegang.
Als Faust das Studierzimmer wieder betritt, bietet Mephisto ihm einen fliegenden Mantel an, wie ihn sich der Gelehrte wünschte: „Ja, wäre nur ein Zaubermantel mein!/ Und trüg' er mich in fremde Länder, (…)“ (V. 1122-1223). Das bekannte Fortbewegungsmittel des Teufels – der Mantel – wird hier jedoch in Anlehnung an die jüngsten Ereignisse modernisiert. Mephisto und Faust machen sich mit „ein wenig Feuerluft“ (V. 2069), eine Metapher für einen modernen Heißluftballon, auf die Reise in die „kleine, dann die große Welt“ (V. 2052). Mephisto gratuliert schließlich Faust „zum neuen Lebenslauf“ (V. 2072).
Zusammenfassung - Haupthandlung und Hauptgedanken der Szene
Im ersten Teil der Szene beschließen Faust und Mephistopheles endgültig ihre Wette.
Ganz in der Tradition des klassischen Teufelsbündnisses bietet Mephistopheles Faust zunächst mit dem Bündnis seine Dienste auf Erden an. Er verspricht, ihm sämtliche Genüsse zu verschaffen und ihn damit zufriedenstellen zu können. Im Gegenzug muss Faust nach seinem Tod seine Seele unwiderruflich an den Teufel übergeben.
Faust vertraut dem Teufel jedoch nicht und sieht in dem Bündnis eine tückische List. Darum verwandelt er das von Mephistopheles vorgeschlagene Bündnis in eine Wette. Nur dann, wenn es Mephistopheles schafft, ihm auch nur einen Augenblick des Glücks zu ermöglichen, hat Faust die Wette verloren.
Als die Wette besiegelt ist, beginnt mit dem zweiten Teil der Szene die sogenannte Universitätssatire. Mephistopheles schlüpft in die Rolle des Lehrers Faust und klärt einen nach Rat suchenden Schüler über die vier Hauptdisziplinen der Wissenschaft auf. Die „Beratung“ ist jedoch in Wirklichkeit eine Satire auf das gesamte universitäre System. Die Wissenschaft wird von Mephistopheles als ein starres, lebloses Konstrukt dargestellt, das zu keiner wirklichen Erkenntnis führt.
Die gesamte Szene ist in auffälliger Weise von Antithesen und Antonymien geprägt. Häufig stehen sich Gegensätze in den Versen gegenüber: Altes und neues Leben, Wissenschaft und Sinnlichkeit, Gram und Freude, Oben und Unten, diese und andere Welt, zerstören und aufbauen usw. Diese sprachlichen Stilmittel unterstreichen im besonderen Maße den Zwiespalt, in dem sich Faust befindet, während er über einen Pakt nachdenkt, der sein Leben im Diesseits und Jenseits beeinflussen wird und der sowohl mit Hoffnung als auch mit Misstrauen verbunden ist. Er entscheidet sich nun zwischen Wissenschaft und Sinnlichkeit, lässt sein altes Leben hinter sich und beginnt ein neues. Das Hin und Her findet in der Sprache seinen Ausdruck und wird so in den Vordergrund gerückt: Eine kunstvolle Meisterleistung des Dichters!
Stilmittel
In dieser Szene hat Goethe geschickt sehr viele Sprach- und Stilmittel eingesetzt. Mehrere davon werden hier aufgelistet:
Akkumulation (Anhäufung mehrerer Unterbegriffe mit einem gemeinsamen Oberbegriff)
„Wie kommen wir denn aus dem Haus?/ Wo hast du Pferde, Knecht und Wagen?“ (Oberbegriff: Kutsche) (V. 2063-2064)
Anapher (Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe an Satz- oder Versanfängen)
„Dann magst du mich in Fesseln schlagen,/ Dann will ich gern zu Grunde gehn!/ Dann mag die Todtenglocke schallen,/ Dann bist du deines Dienstes frey“ (V. 1701-1704)
Antonymie (Gegenwort, Gegensatzpaar)
“Und so ist mir das Dasein eine Last/ Der Tod erwünscht, das Leben mir verhaßt“ (V. 1570-1571)
Der Geist der Medicin ist leicht zu fassen;/ Ihr durchstudirt die groß und kleine Welt“ (V. 2011.2012)
Alliteration (Gleicher Anlaut der betonten Silben mehrerer Wörter eines Satzes)
„wo Sinnen und Säfte locken“ (V. 1633)
„Glaub unsereinem, dieses Ganze/ Ist nur für einen Gott gemacht!“ (V. 1797-1798)
Antithese (Zusammenführung entgegengesetzter Begriffe oder Sachverhalte)
„Ich bin zu alt, um nur zu spielen,/ Zu jung, um ohne Wunsch zu sein./ Was kann die Welt mir wohl gewähren?“ (V. 1543-1547)
„Aus dieser Erde quillen meine Freuden,/ Und diese Sonne scheinet meinen Leiden“ (V. 1678-1679)
Asyndeton (Aufzählung von mindestens drei Wörtern oder Satzgliedern, die ohne ein Bindewort miteinander verbunden sind)
„Erz, Marmor, Pergament, Papier?/ Soll ich mit Griffel, Meißel, Feder schreiben? (V. 1731-1732)
Chiasmus (Überkreuzstellung von Worten bzw. Satzgliedern)
„Entbehren sollst du! sollst entbehren!“ (V. 1548)
Correctio (Korrektur oder Verbesserung einer Aussage)
„Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewußt.“ (V. 1582)
Euphemismus (Verhüllende Umschreibung für ein unangenehmes Wort)
„braunen Saft“ für Todestrank“ (V. 1579)
Inversion (Anastrophe/ Umstellung von Satzgliedern, um ein wichtiges Wort hervorzuheben)
Hyperbel (Starke Übertreibung)
„Setz dir Perücken auf von Millionen Locken“ (V. 1825)
Inversion (Anastrophe/ Umstellung von Satzgliedern, um ein wichtiges Wort hervorzuheben)
„In jedem Kleide werd ich wohl die Pein/ Des engen Erdelebens fühlen“ (V.1544-1545)
„Allwissend bin ich nicht“ (V. 1582)
Klischee (Abklatsch)
„Des Italieners feurig Blut,/ Des Nordens Dau'rbarkeit“ (V. 1823-1814)
Kyklos (Wiederholung des Anfangswortes oder der ersten Wörter eines Verses/ eines Satzes an dessen Ende)
„Entbehren sollst du! Sollst entbehren!“ (V. 1548)
Metapher (Bildlicher Vergleich ohne Vergleichspartikel)
„Möchte selbst solch einen Herren kennen,/ Würd ihn Herrn Mikrokosmus nennen.“ (V. 1819-1820)
Metonymie (Umbenennung: Das Ersetzen des eigentlich gemeinten Ausdrucks durch einen anderen, der zu ihm in realer, zeitlicher, räumlicher oder ursächlicher Beziehung steht)
„Der arme Knabe“ für den Student (V. 1862)
Parallelismus (Gleicher Satzbau bei aufeinander folgenden Satzteilen, Sätzen oder Versen)
„Der selbst die Ahnung jeder Lust/ Mit eigensinnigem Krittel mindert,/ Die Schöpfung meiner regen Brust/ Mit tausend Lebensfratzen hindert“ (V. 1558-1561)
Personifikation (Übertragung menschlicher Eigenschaften und Handlungen auf abstrakte Begriffe, Tiere oder unbelebte Objekte)
„Der Gott, der mir im Busen wohnt,/ Kann tief mein Innerstes erregen;“ (V. 1581-1582)
Repetitio (Wortwiederholung)
„Weh! Weh!“ (V. 1607)
„Nein nein! der Teufel ist ein Egoist“ (V. 1651)
Rhetorische Frage (Scheinfrage):
„Was willst du armer Teufel geben?/ Ward eines Menschen Geist, in seinem hohen Streben,/ Von deinesgleichen je gefaßt?“ (V. 1690-1692)
Stichomythie (Zeilenrede/Schnelle Wechselrede, Vers für Vers, zwischen mehreren Figuren)
„FAUST
Es klopft? Herein! Wer will mich wieder plagen?
MEPHISTOPHELES
Ich bin's.
FAUST
Herein!
MEPHISTOPHELES
Du mußt es dreimal sagen.
FAUST
Herein denn!“ (V. 1530-1532)
Symbol (Bildhaftes Zeichen mit allgemeingültiger Aussagekraft)
„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,/ Und grün des Lebens, goldner Baum“ (V. 2038-2039). Die Farbe Grau symbolisiert Weisheit, Alter und zugleich Langeweile und Trostlosigkeit. Sie steht auch für Nebel und Unklarheit. Die Farbe Grün ist im Gegensatz dazu die Farbe der Natur, der Harmonie, der Hoffnung, des neuen Lebens und des Neubeginns.
Vergleich (Verknüpfung von zwei Wörtern oder Wortgruppen, zwischen denen eine irreale Gemeinsamkeit besteht / Die Stilfigur ist durch die Vergleichsworte „wie“, „als“ oder „gleich“ leicht erkennbar)
„Der Ehre schöne Götterlust,/ Die, wie ein Meteor, verschwindet?“ (V. 1699 -1700)
„Ich sag es dir: ein Kerl, der spekuliert,/ Ist wie ein Tier, auf dürrer Heide“ (V. 1830-1831)