aus AufEinWort, der freien Forschung
„Das Gute ist zu tun und zu verfolgen, und das Böse ist zu meiden“ das sogenannte synderesis-Prinzip
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Weiterhin finden sich naturrechtliche Begründungen des Gesetzlichkeitsprinzips in der Scholastik und Spanischen Spätscholastik in der Auseinandersetzung über die Voraussetzungen eines strafenden Gewissens. Auf dem Ezechiel-Kommentar Sophronius Eusebius Hieronymus aufbauend,[1] untersuchten z. B. Thomas von Aquin und Francisco Suárez die formalen Bedingungen der Gewissensstrafe. Thomas verortete die Bedingungen in der Synderesis, einem formalen tätigen Bestandteil der menschlichen Seele.[2] Durch ihn ist die Erkenntnis im Verstand formal möglich, wie man der menschlichen Natur gemäß handelt. Die Synderesis beinhaltet daher schon bei patristischen Autoren ein Gesetz, was gebietet, wie man als Mensch handeln muss.[3] Im Einzelfall ist dieses Gesetz inhaltlich bestimmt und zeigt sich für die Scholastiker in einer Tätigkeit des Verstandes, die seit Thomas conscientia genannt wird.[4] Möglicher Inhalt der conscientia ist das Strafen entsprechend dem Inhalt der Synderesis, wenn man nicht der menschlichen Natur entsprechend gehandelt hat. Eine solche Strafe ist z. B. der Wahnsinn, der seit der Antike als Gewissensstrafe angesehen wird. Wie es beispielsweise in der Orestie beschrieben ist. Nach Suárez besteht die Strafe letztlich in der Erkenntnis einer Verpflichtung naturgemäß zu handeln, um ein vergangenes Vergehen ungeschehen zu machen.[5] Weil das Vergehen aber vergangen ist und somit unabänderlich ist, ist man zu Unmöglichen verpflichtet. Die conscientia verpflichtet somit auf der Grundlage der Synderesis – die zur Natur des Menschen gehört – zu einem bestimmten Verhalten;[6] nämlich Unmögliches zu tun. Gewissenhafte Menschen schränkt sie somit derart ein, dass sie ihren eigenen Willen nur noch eingeschränkt bestimmen können.[7] Denn sie können an nichts anderes mehr denken, als der Verpflichtung nachzukommen. Weil somit durch die conscientia eine Einschränkung des Verstandes vorliegt, spricht man von einem Übel,[8] einem malum metaphysicum. Die Einschränkung bezieht sich nämlich auf eine metaphysische Eigenschaft eines Menschen. Das Gesetz nach dem das malum metaphysicum zugefügt wird, ist durch die menschliche Natur selbst gegeben. Daher erfolgt nach scholastischer Sichtweise die Gewissensstrafe aufgrund der Verletzung des Naturrechts.[9]
- ↑ Sophronius Eusebius Hieronymus: Patrologiae cursus completus – sive bibliotheca universalis, integra, uniformis, commoda, oeconomica, omnium ss. patrum, doctorum scriptorum que ecclesiasticorum qui ab aevo apostolico ad usque Innocentii III tempora floruerunt (…) Series Latina, accurante J.-P. Migne, Patrologiae Tomus XXV. S. Eusebius Hieronymus. (…) Excudebat Migne (…). PL 25, 1884, S. col. 22.
- ↑ Thomas von Aquin: Summa Theologiae. Ia. q. LXXIX art. XII. resp.
- ↑ Johannes von Damaskus: Patrologiae cursus completus | sive bibliotheca universalis, integra, uniformis, commoda, oeconomica, omnium ss. patrum, doctorum scriptorum que ecclesiasticorum qui ab aevo apostolico ad tempora concilii tridentini pro latinis et cconcilii florentini pro graecis floruerunt (…) Series Graeca Prior, accurante J.-P. Migne, Patrologiae Graecae Tomus XCIV. S. Joannes Damascenus (…) Excudebat Migne. 1864, S. col. 1199.
- ↑ Thomas von Aquin: Summa Theologiae Ia. q.LXXIX a.XIII. resp.
- ↑ Francisco Suárez: Suárez, Opera Omnia. Editio nova, A D. M. André, Canonico Repullensi, (…) Thomus Quartus. Parisiis: Ludovicum Vivès, Tractatus Tertius. De bonitate et malitia humanorum actuum. Disputatio XII. Sectio II. 1865, S. n.1, 439.
- ↑ Francisco Suárez: De bonitate et malitia humanorum actuum. Disputatio XII. sectio IV. S. n.729–35, 445.
- ↑ Thomas von Aquin: Summa Theologiae Ia. q. XLVIII. Art. V. resp.
- ↑ Thomas von Aquin: Summa Theologiae Ia. q. XLVIII. Art. V. resp.
- ↑ Sebastian Simmert: Nulla poena sine lege. Etiam sine lege poena est conscientia. In: Rechtsphilosophie – Zeitschrift für Grundlagen des Rechts. Band 3/2016. C.H. Beck, München, S. 283–304.