TDPC/Efg/n. 42
▷n. 42 Der Kardinal gibt nun ein Beispiel für ein solches conceptibile, an das unser concipere nicht heranreicht. √2 st ein datum, mit dem mathematisch operiert wird, ohne daß wir es doch bei aller Annäherung in einer präzisen Zahl auszudrücken vermöchten. Dies erhellt genau das Verhältnis von menschlichem Begreifen zu Gottes Begrei- fen, wobei die Doppelsinnigkeit darin besteht, daß Gottes Begreifen (gen. subiectivus) die Genauigkeit hat und ist und daß wir uns zu Gott als dem conceptus omnis conceptibilis verhalten in der Weise wie die ratio sich zu der genannten proportio verhält. Das »ideo deficimus« (11) nimmt das »ex defectu evenire« von n. 41,13f. auf. Das Nichterreichen der praecisio eines Existenten macht unseren defectus, unsere parvitas aus. N. 41,18–20 heißt also: Will ich Gott begreifen, so muß ich das Begreifen begreifen, welches die praecisio aller Dinge erreicht und in sich selbst alles begreifend, d. h. das Begreifen ganz ist, so daß es kein höheres posse mehr zu begreifen gibt. Unser Begreifen jedoch ist jeweils bestimmt durch ein doppeltes posse, das über es hinaus liegt. Es gibt zu unserem Erkennen sowohl ein höheres, genaueres Erkennen als auch zu unserem Erkannten ein höheres, umfassenderes Erkanntes.