Zum Inhalt springen

TDPC/Efg/n. 54–56

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷n. 54-56 Daß Cusanus sich von der erreichten Grundlegung her wieder den Phänomenen zuwendet, ist der sach- liche Hintergrund für den kompositorischen Griff, nicht nur die Anwendungen auf possest und motus (also bereits Verhandeltes) den Mitunterrednern zu überlassen, sondern auch die nun folgenden hochspekulativen Ausführungen über das IN Johannes in den Mund zu legen. – In n. 54 wird zunächst das Wortbild IN betrachtet, sodann (n. 55) aufge- zeigt, wie das IN sich in allem bewegt. Das reine IN entfaltet sich in die ganze Sprache (diese Durchdringung der Sprache mit dem »in« ist eine großartige Beobachtung und in der Übersetzung gar nicht nachzuahmen!) – in der Sprache selbst ist es jedoch begrenzt. Es erfüllt alles positiv und ist zugleich die negatio, nämlich die bestimmte Negation, die die Grenze eines Bejahten ist. Wer das IN als aenigma sieht (n. 56,10f.), kommt immer schon von »oben« her, vom urteilenden Geist, der vor aller Erkenntnis von unten liegt, und dieser Geist verbindet sich nun mit dem Unterschiedenen, geht in es ein: dum enim intueor in substantiam, video ipsum IN substantiatum (n. 55,4f.). Indem ich sehe, wie das IN in alles eingeht, vollziehe ich die Schöpfung Gottes nach. Das intueri sieht das IN in etwas hinein, es sieht auf der anderen Seite das IN in die ineffabilitas gehen. Das videre ist nicht wie die anderen Erkenntnisvermögen auf Unterscheiden aus, sondern es ist Vollzug (vgl. noch einmal Hegel: Das Bewußtsein sieht dem zu, was geschieht). Das Sehen sieht dem IN zu und ist selbst, als intueri, in diesem Geschehen drin. Im Transzendieren des intellectus kehrt Cusanus so zu einer Speku- lation des (sinnlichen) Sehens zurück! Das videre weiß von der Unangemessenheit des Begriffs, aber es sieht, weil das IN sich zur Darstellung bringt (vgl. n. 56,1 speculum relu- centiae; 6 elocutio omnium dicibilium). Tritt man dagegen in den Bereich der notio und des intellectus ein (13), bleibt nichts als die totale Unterschiedenheit von lumen illuminans und menschlichem Begriff.