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Trichotomie (christliche Anthropologie)

aus AufEinWort, der freien Forschung

vgl. Cusanus quattuor unitates

In der christlichen Anthropologie bezeichnet Trichotomie eine Auffassung, wonach der Mensch durch drei Glieder konstituiert ist, die meist als Geist, Seele und Leib bezeichnet werden. In der römisch-katholischen Kirche gilt die Lehre von der Trichotomie seit dem Vierten Konzil von Konstantinopel als Häresie, insoweit sie den Geist zu einer selbständigen Substanz neben der Seele macht. Nicht alle Theologen, die von Geist, Seele und Leib reden, verstehen unter „Geist“ und „Seele“ separate Substanzen im Menschen oder meinen mit „Geist“ einen eigenständigen Seelenteil.

Die christliche Trichotomie des Menschen (Geist, Seele, Leib) ist nicht zu verwechseln mit Platons Trichotomie der Seele. Platon nahm drei Seelenteile an. Er teilte die Seele in einen vernünftigen und einen vernunftlosen Teil, wobei der letztere wieder unterteilt ist in einen „begehrenden“ und einen „mutartigen“.


Die Dreiteilung des Menschen in Körper, Seele und Geist (Trichotomie) galt ab dem Frühmittelalter in der westlichen Kirche als hochgradig verdächtig. Endgültig als Häresie verurteilt wurde sie auf dem Vierten Konzil von Konstantinopel (869/870). Die Kirche legte fest, dass der Mensch nur aus zwei Teilen (Körper und einer einzigen, geistigen Seele) besteht. Wer eine separate biologische Seele und einen davon getrennten Geist annahm, geriet in den Verdacht, die moralische Verantwortung des Menschen aufzuteilen (nach dem Motto: „Mein Geist will das Gute, aber meine biologische Seele zwingt mich zur Sünde“).

Drei bedeutende Gelehrte, die diese trichotomische Denkweise (Körper, Seele, Geist) prominent vertreten oder geprägt haben, sind:

1. Apollinaris von Laodicea (ca. 310–390)

  • Die Position: Er ist der historisch prägnanteste Fall, bei dem die Trichotomie direkt zur Häresie führte. Er übertrug das dreiteilige Menschenbild auf Christus und behauptete, Jesus habe zwar einen menschlichen Körper und eine menschliche biologische Seele gehabt, der menschliche Geist (Nous) sei bei ihm jedoch komplett durch den göttlichen Logos ersetzt worden.
  • Die Folge: Seine Lehre (der Apollinarismus) wurde auf dem Ersten Konzil von Konstantinopel (381) verurteilt, weil ein Christus ohne menschlichen Geist nach kirchlicher Auffassung kein echter Mensch mehr gewesen wäre. [1, 2]

2. Origines (ca. 185–254)

  • Die Position: Der große alexandrinische Theologe war einer der einflussreichsten Denker der frühen Kirche und dachte strikt trichotomisch (Leib, Seele, Geist). Für ihn war die biologische Seele (Psyche) der Sitz der Emotionen und des Egos, während der Geist (Pneuma) der rein göttliche Funke im Menschen war, der direkt mit Gott kommunizieren kann.
  • Die Folge: Origines wurde Jahrhunderte nach seinem Tod (auf dem Konzil von Konstantinopel 553) unter anderem wegen seiner spekulativen Anthropologie und der Lehre von der Präexistenz der Seelen verurteilt.

3. Gnostiker wie Valentin (ca. 100–160) [1]

  • Die Position: In der christlichen Gnosis (die von der Großkirche als fundamentale Häresie bekämpft wurde) war die Trichotomie das absolute Kernstück. Valentin teilte die Menschheit sogar anhand dieser drei Teile in drei ungleiche Klassen ein: die Hyliker (rein materiell-körperliche Menschen ohne Heilserwartung), die Psychiker (seelische Menschen mit freiem Willen) und die Pneumatiker (geistige Menschen, die den göttlichen Funken in sich tragen und automatisch erlöst werden