Vernunft und Glaube bei Nikolaus von Kues
Beitrag von S. Dangelmayr, Vernunft und Glaube bei Nikolaus von Kues, in: ThQ 148 (1968)
Die Abhandlung "Vernunft und Glaube bei Nikolaus von Kues" von Siegfried Dangelmayr ist ein bedeutender Aufsatz aus dem Jahr 1968, der in der Theologischen Quartalsschrift (Band 148) erschienen ist. Sie behandelt das grundlegende erkenntnistheoretische Spannungsfeld zwischen rationalem Denken und theologischem Glauben im Werk des berühmten Philosophen. [1, 2]
Dangelmayr arbeitet darin die wesentlichen Säulen des cusanischen Denkens heraus:
- Die Einheit von Vernunft (intellectus) und Glaube (fides): Im Gegensatz zu einer strikten Trennung ist Vernunft für Cusanus kein Gegensatz zum Glauben. Wahre Vernunft entspringt vielmehr dem Glauben, der den Ausgangspunkt bildet, und strebt nach der Vertiefung und dem Verständnis der Glaubenswahrheiten (fides quaerens intellectum).
- Die Grenzen der menschlichen Erkenntnis: Dangelmayr beleuchtet, wie Cusanus die Endlichkeit und Schwäche der menschlichen Ratio beschreibt. Mit den Mitteln der reinen Logik und des Verstandes (ratio) kann Gott, als das Unendliche, nicht umfassend begriffen werden.
- Das Konzept der "Gelehrten Unwissenheit" (Docta Ignorantia): Der Höhepunkt der Vernunft besteht für Cusanus in der Einsicht in die eigene Begrenztheit. Das bewusste Erkennen und Eingestehen des eigenen Nichtwissens führt zur Schau Gottes, die jenseits des rein diskursiven, logischen Denkens liegt.
Der Aufsatz gilt als grundlegende Studie für das Verständnis, wie Cusanus die mittelalterliche Tradition der Glaubenswissenschaft mit einem neuen, dynamischen Vernunftbegriff verbindet. Dangelmayr hat diese Thematik ein Jahr später (1969) auch in seiner Dissertation Gotteserkenntnis und Gottesbegriff in den philosophischen Schriften des Nikolaus von Kues weiter vertieft. [1, 2]
Weitere Informationen zu dieser und weiteren Publikationen zur Philosophie des Cusanus finden Sie beispielsweise im Verzeichnis der Cusanus-Forschung.