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WTH/Die ideale Sprechsituation/3

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶ln analoger Weise muß auch die Form des praktischen Diskurses eine schrittweise Radikalisierung, d. h. Selbstreflexion des handelnden Subjekts, ermöglichen. Der erste Schritt ist der Übergang von problematisierten Geboten/Verboten, die selber Handlungen darstellen, zu Empfehlungen oder \Warnungen, deren kontroverser Geltungsanspruch zum Gegenstand eines Diskurses gemacht wird (Eintritt in den Diskurs). Der zweite Schritt besteht in der theoretischen Rechtfertigung der problematisierten Gebote/Verbote, also in der Angabe mindestens eines Arguments innerhalb eines gewählten Sprachsystems (praktischer Diskurs). Der dritte Schritt ist der Übergang zu einer Modifikation des zunächst gewählten Sprachsystems oder zu einer Abwägung der Angemessenheit alternativer Sprachsysteme (metaethischer oder metapolitischer Diskurs).[1] Der letzte Schritt und eine weitere Radikalisierung besteht irn Übergang zu einer Reflexion auf die Abhängigkeit unserer Bedürfnisstrukturen vom Stand unseres Wissens und Könnens. Wir einigen uns auf die Interpretationen unserer Bedürfnisse im Lichte der vorhandenen Informationen über Spielräume des Machbaren und des Erreichbaren. Weche Klassen von Informationen wir uns in Zukunft mit Vorrang beschaffen wollen, ist dann wiederum eine praktische Frage, die beispielsweise die Prioritäten der Wissenschaftsförderung betrifft (erkenntnispolitische Willensbildung). Auf dieser Ebene des Diskurses stellt sich die Frage: Was sollen wir erkennen wollen?

  1. ↑ Vgl. O. Schwemmer, Philosophie der Praxis, Frankfurt a.M. 1971.