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Wahrheit Christliche Theologie

aus AufEinWort, der freien Forschung

Q: Wahrheit Christliche Theologie


Allgemein
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In der Geschichte der christlichen Theologie stand die Wahrheit des christlichen Glaubens immer wieder im Zentrum heftiger Kontroversen. Schon im Mittelalter wurde versucht, den Streit so zu schlichten, dass man eine Theorie der „doppelten Wahrheit“ entwarf, nach der im subjektiven religiösen Glauben oder auch in der wissenschaftlichen Theologie durchaus wahr sein kann, was in der Philosophie falsch ist. Diese Auffassung wurde zwar auf dem 5. Laterankonzil 1513 als Irrlehre verurteilt. In der Zeit der Scholastik wurde durch Philosophen wie Thomas von Aquin für die Vernünftigkeit des Christentums bzw. die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft argumentiert; siehe auch Apologetik. Die Frage nach der Einheit und Allgemeingültigkeit der religiösen Wahrheit wurde in der Reformation und Aufklärung wieder aufgenommen. Die konfessionelle Glaubensspaltung, die Emanzipation der Einzelwissenschaften von der traditionell beanspruchten sachlichen Priorität der Theologie, die neuzeitliche Religionskritik und die Konfrontation mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen sind die wichtigsten Faktoren, die in der Neuzeit zur Entstehung und Erhaltung dieser Krise beigetragen haben.

In der modernen Religionsphilosophie wurde der Wahrheitsbegriff christlicher Theologien in unterschiedlichster Weise angegriffen, darunter:

  • Werden in der christlichen Glaubensrede überhaupt Aussagen mit einem genuinen Wahrheitsanspruch formuliert? Oder handelt es sich hier nicht vielmehr um sprachliche Äußerungen, die nicht beanspruchen können, etwas auszusagen, was der Fall ist, sondern die Gefühle, Einstellungen und Handlungsmaximen des Sprechers wiedergeben? (sog. Antirealismus, Nonkognitivismus, Emotivismus, Fiktionalismus oder Pragmatismus)
  • Falls religiöse Aussagen einen genuinen Wahrheitsanspruch erheben, können sie dann in irgendeiner Form als wahr erkannt bzw. als wahr erwiesen werden (Verifikationsproblem)?

Letzterer Einwand setzt einen Verifikationismus voraus, wie er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilweise populär war, inzwischen aber von vielen Wissenschaftstheoretikern abgelehnt wird. Beide Einwände setzen voraus, dass religiöse Wahrheit nach dem Modell von Aussagenwahrheit verstehbar sei. Diese Voraussetzung wurde in der Theologie des 20. Jahrhunderts vielfach kritisiert. Unter Rückgriff auf die alttestamentliche Bedeutung von „Wahrheit“ (אמת, emet) wurde religiöse Wahrheit stattdessen beispielsweise als personale Begegnung interpretiert oder (meist von Seiten lutherisch oder dialektisch geprägter Theologie) als Ereignis verstanden, das geschieht, wenn das Wort Gottesden Menschen im Glauben wahr macht. In der neueren Religionsphilosophie wird die metaphilosophische Debatte über realistische Interpretationen religiöser Überzeugungen und Aussagen intensiv und kontrovers geführt (sog. Theologischer Realismus oder Kritischer Realismus in der Religionsphilosophie).

Römisch-Katholische Kirche
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Visualisierung der Wahrheitszuordnung nach Lumen Gentium[1]

Die römisch-katholische Kirche erhob lange Zeit einen Absolutheitsanspruch für die eigene religiöse Wahrheit und Heilsvermittlung. Diese Position hat v. a. in der fundamentaltheologischen Diskussion der 2. Hälfte des 20. Jh. unterschiedliche Präzisierungen und Modifikationen erfahren. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird von offizieller Seite ein moderater Inklusivismus vertreten. Besonders in Nostra Aetate, der Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, wird erklärt, dass die Menschen einzig in Christus, „der Weg, Wahrheit und Leben“ (Joh 14,6 EU) ist, die Fülle des religiösen Lebens finden. Doch auch andere Religionen haben Anteil am durch Christus unüberbietbar vermittelten Heil, denn ihre Handlungs- und Lebensweisen können „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet“.[2] Die Kirche sieht die Menschen auf verschiedene Weise der Wahrheit hin zugehörend und zugeordnet: Zuerst „die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind.“[1]

Einen wesentlichen Beitrag zur Klärung des Verhältnisses von Glaube und Wahrheit lieferte auch die Enzyklika Fides et ratio (Glaube und Vernunft).

Papst Franziskus[3] und sein Vorgänger, Papst Benedikt XVI.[4], beschrieben Wahrheit als Beziehung der Menschen zu Gott, über die jedoch niemand absolut verfügt, sondern die im Rahmen eines Weges immer neu erschlossen werden muss.

  1. ↑ a b Dogmatische Konstitution Lumen Gentium. Römisch-katholische Kirche, 21. November 1964, abgerufen am 8. Januar 2014 (Nr. 13 und Nr. 16): „Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes, die den allumfassenden Frieden bezeichnet und fördert, sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind.“
  2. ↑ Nostra Aetate. Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. Römisch-katholische Kirche, 2. Oktober 1965, abgerufen am 8. Januar 2014 (Kapitel 2).
  3. ↑ Papst Franziskus schreibt an “la Repubblica”. “Offener Dialog mit den Nichtgläubigen”. La Repubblica, 12. September 2013, abgerufen am 7. Januar 2014: „Sie fragen mich auch, ob es ein Irrtum oder eine Sünde sei zu glauben, dass es keine absolute Wahrheit gebe. Ich würde zunächst auch für einen Glaubenden nicht von ,absoluter‘ Wahrheit sprechen – für den Christen ist die Wahrheit die Liebe Gottes zu uns in Jesus Christus, also eine Beziehung! Und jeder von uns geht von sich selbst aus, wenn er die Wahrheit aufnimmt und ausdrückt: von seiner Geschichte, Kultur, seiner Lage usw. Das heißt nicht, dass Wahrheit subjektiv oder veränderlich wäre, im Gegenteil. Aber sie gibt sich uns immer nur als Weg und als Leben. Hat nicht Jesus selbst gesagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit, das Leben?“
  4. ↑ Predigt von Papst Benedikt XVI. Heilige Messe zum Abschluss der Begegnung mit dem “Ratzinger-Schülerkreis”. Römisch-katholische Kirche, 2. September 2012, abgerufen am 7. Januar 2014: „Niemand kann die Wahrheit haben, die Wahrheit hat uns, sie ist etwas Lebendiges! Wir sind nicht ihre Besitzer, sondern wir sind von ihr ergriffen; nur wenn wir uns von ihr führen und treiben lassen, bleiben wir in ihr; nur wenn wir mit ihr und in ihr Pilger der Wahrheit sind, dann ist sie in uns und durch uns da.“