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Wahrheit in den Wissenschaften

aus AufEinWort, der freien Forschung

Q: Wahrheit in den Wissenschaften

Wahrheit, Wissenschaft und Wirklichkeit stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Ziel jeder Erkenntnis(Wissenschaft) ist die Wahrheit. Wissenschaft als Form des gesellschaftlichen Bewusstseins „widerspiegelt“ (beschreibt) die objektive Realität. Dabei wird mit dem Begriff der Wahrheit die Genauigkeit der Widerspiegelung der Wirklichkeit charakterisiert. Mit absoluter Wahrheit (Genauigkeit) ist eine „perfekte, exakte“ Wiedergabe gemeint, die nur für numerische Sachverhalte gelingt, wie z. B. bei der richtigen Angabe der Anzahl von Gegenständen. Im Allgemeinen sind jedoch wissenschaftliche Aussagen wie jegliches Wissen mit einer mehr oder weniger großen Unsicherheit verbunden, so dass dann von relativer Wahrheit gesprochen wird.

Wahrheit in den Natur- und technischen Wissenschaften

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Für die Naturwissenschaften und technischen Wissenschaften ist die Praxis (z. B. das Experiment) als praktischer Beweis das primäre und hinreichende Kriterium der Wahrheit. Die Natur- und technischen Wissenschaften haben wie die Wahrheit objektiven Charakter (siehe oben: Materialistische Widerspiegelungstheorie), andere Wahrheitstheorien werden nicht benötigt.[1] In den Natur- und technischen Wissenschaften ist mit dem Geltungsanspruch eines Ergebnisses meistens auch ein Genauigkeitsanspruch verbunden. Wie mit dem dialektischen Verhältnis von absoluter und relativer Wahrheit in Wissenschaft und Technik umgegangen wird, macht die Metrologie deutlich. Der Messunsicherheit, die den wahren Wert verdeckt, wird nicht nur durch genauere Messungen begegnet, sondern auch mit statistischen Methoden bei der Auswertung von Wiederholungsmessungen (DIN 1319). Die Wahrheit in Gestalt wahrer Werte ist zwar nicht direkt messbar, doch kann sie eingegrenzt werden. Eine Bestätigung von Naturgesetzen gelingt im Rahmen der Messunsicherheit. Die Metrologie zeigt, wie der Begriff der Wahrheit in Naturwissenschaft und Technik durch Messungen enger determiniert wird.

Wahrheit in den Sozial- und Geisteswissenschaften

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In den Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften kann das Experiment als Kriterium der Wahrheit kaum angewendet werden. So O. Schwemmer: „Eine methodische Konstruktion der Wirklichkeit, wie sie im Experiment vorgenommen wird, ist in den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht möglich. Und wo dort dennoch von Experimenten die Rede ist, unterscheiden diese sich grundlegend von den Experimenten der Naturwissenschaften. Dies schon darum, weil wir keine isolierten Systeme mit Menschen aufbauen, weil wir die prägenden Einflüsse aus den physischen, sozialen und semantischen Umgebungen der Menschen nicht zu einer ‚idealen‘ Modellsituation rückbauen können.“[2] Es bleiben nur „sekundäre Wahrheitskriterien“, die nur von notwendigem, aber nicht von hinreichendem Charakter sind. Der subjektive Einfluss des Erkennenden lässt sich nicht völlig eliminieren. Die Folge ist, dass die Sozial- und Geisteswissenschaften den Anspruch einer Wissenschaft auf Objektivität und Allgemeingültigkeit nur bedingt erfüllen können.[3] Allerdings ist auch im Bereich der Physik, speziell der Quantenphysik, die unvermeidliche Beeinflussung des Beobachteten durch die Beobachtung bzw. den Beobachter bekannt, was metrologisch mit der Messunsicherheit eingegrenzt wird.

  1. ↑ „Was ist Wahrheit?“ – Überblick zu aktuellen Wahrheitstheorien. In: Aufklärung und Kritik (2002). S. 96–103
  2. ↑ Wahrheit und Wissenschaft von Oswald Schwemmer, Downloadseite. (DOC) Humboldt-Universität zu Berlin, abgerufen am 6. Februar 2017.
  3. ↑ O. Bollnow: Die Objektivität der Geisteswissenschaften und die Frage nach dem Wesen der Wahrheit.- Zeitschrift für philosophische Forschung, 16. Jahrgang.- 1962.- S. 3–25