Zum Inhalt springen

Werk:Anfangsgründe aller mathematischen Wissenschaften Erster Teil/Einleitung Geometrie

Die wenigsten sehen die Geometrie mit rechten Augen an und können daher nicht begreifen, warum Plato diejenigen, welche in derselben unerfahren waren, aus seinem Auditorio zurück wies, und zum Studiren nach unserer Mundart für untüchtig erklärte. Man bildet sich ein, es komme ihr auf das blosse Feldmessen an: da sie doch den Grund zu aller Genauen Erkenntniß in allen natürlichen Wissenschaften legt, und ohne sie durch die Kunst wenig ausgerichtet werden kann. Ich habe denmnach die nützlichsten Lehrsätze derselben auf gehörige Weise erwiesen, und damit sie nicht verdrüßlich fielen, ihren Nutzen jederzeit in Auflösung verschiedener Aufgaben gezeiget. Ungeachtet aber dieselben im blossen Feldmessen und Ausrechnung des cörperlichen inhalts zu bestehen scheinen: so wird doch im folgenden das Widerspiel klärlich erhellen, wenn wir in den übrigen Theilen der Mathematik die Geometrie anbringen werden. Ich hatte mir zwar vorgenommen, die Application der geometrischen Sätze in der Natur und Kunst hin und wieder zu zeigen: allein weil dieses für einen kurzen Begriff, den ich beyzubringen willens bin, zu weitläufig fallen würde, auch nicht allen einerley Exempel nöthig und angenehm sind: so habe ich solches im Werke selbst unterlassen wollen, und behalte mir die völlige Freyheit in meinen Discursen nach der Beschaffenheit meiner Zuhörer Exempel zu erwählen. Hier habe ich nur erinnern wollen, daß man durch geometrische Auflösungen verschiedener Aufgaben öfters leicht finden kann, was man durch Rechnung weitläufig, und nicht ohne Verdruß suchen mü0te. Und das war die Absicht der Alten, die zuerst auf die geometrischen Auflösungen gedacht haben, welche die Unverständigen heut zu Tage für ein leeres Spielwerk ansehen. Ich wünsche allen die diesews lesen werden, Lust zur Geometrie; so werden sie erfahren, daß ich mir nicht im geringsten vorgenommen habe, ihr eine Lobrede zu halten.