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Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/11

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷[D] Vom heimatlichen Athen, wo ich geboren ward, kam ich als langjähriger inniger Freund des Dion, in der Absicht zu Dionysius, damit ich ein freundliches Verhältnis zwischen beiden zustande brächte, aber keinen Krieg, allein bei aller athenischen Bildung unterlag ich im Kampfe mit meinen Verleumdern. Als aber Dionysius durch Ehren und Geld mich dahin zu bestechen suchte, dass ich mit meiner Freundschaft offenkundig auf seine Seite trete, damit ihm dies zur Beschönigung für seine Verbannung des Dion diene, so verfehlte er, wie es sich von selbst versteht, diese Absichten. Aber hiervon genug! Nach der Zeit kehrte Dion bekanntlich in seine Heimat zurück [E] und brachte da zwei Freunde aus Athen mit, welche Brüder waren, die Freundschaft war nicht aus Liebe zur Philosophie entstanden, sondern aus dem Ursprung der meisten Freundschaften, aus jener alltäglichen Verbrüderung, welche man aus dem gemeinsamen Feiern und aus den Feiern der Mysterien gewinnt. Auf diese Veranlassung und in Folge ihrer Dienstfertigkeit bei der Heimreise waren nun auch die erwähnten Begleiter Dions zu dessen Freundschaft und vertrauterem Umgang gelangt. Aber nachdem sie bei ihrer Ankunft in Sizilien in Erfahrung brachten, dass Dion [334 St.3 A] bei eben den von ihm befreiten Sizilianern verdächtigt sei, als führe er im Schilde Tyrann zu werden, so begingen sie nicht nur an ihrem guten Freunde einen Verrat, sondern wurden auch so gut wie seine eigenhändigen Mörder, denn mit Waffen in der Hand standen sie als Helfer seinen Mördern bei. Übergehen will ich diese schändliche und himmelschreiende Tat nicht, aber ich will auch weiter kein Wort darüber verlieren. Viele Andere nämlich machen sich ein angelegenes Geschäft daraus in solche Gräueltaten ein Loblied auf sich einzufügen, und werden es auch in Zukunft tun. [B] Nur das bei dieser Gelegenheit über die Athener verbreitete Gerede, als hätten jene Mörder der Bildung ihres Geburtsortes einen ewigen Schimpf angehängt, muss ich hier mit einem Worte hervorheben, denn ich darf hier erklären, dass eben auch der ein Athener ist, welcher den Mann nicht verriet, obwohl er für einen Verrat Geldschätze und andere Auszeichnungen hätte gewinnen können. Denn sie waren aus niedrigen Beweggründen sein Freund geworden und nicht aus gemeinschaftlichen Interesses für höhere Bildung, auf welches geistige Band der Mann von tiefer Einsicht mehr vertraut als auf die leibliche Verwandtschaft. Die beiden Mörder des Dion verdienen es demnach nicht, dass man von ihnen sagt, sie seien von Bedeutung und hätten der Stadt Athen einen Schandflecken angehängt.▷