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Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/14

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Soweit mein brieflicher Rat und so weit von der Geschichte meiner ersten Reise zu Dionysius. Meine zweite Reise und Fahrt angehend, so kann hierauf nun Jeder, den es interessiert, verstehen, mit welcher Wahrscheinlichkeit des Erfolgs und mit welchem Vorbedacht sie geschah. Die erste Zeit meines Aufenthalts in Sizilien wurde, [338 St.3 A] wie schon bemerkt, bei mir hingebracht, bevor ich den Verwandten und Freunden des Dion einen Rat erteilen konnte. Hierauf nun beredete ich, wie ich denn nur konnte, den Dionysius mich zu entlasten, und wir verständigten uns dahin, dass dies nach Wiederherstellung des Friedens geschehen sollte, denn es war damals Krieg. [B] Dionysius nämlich versprach seinerseits mich sowohl wie den Dion wieder kommen zu lassen, sobald er den wankenden Thron sich wieder fester gestellt hätte, in Bezug auf den Dion solle man die Sache so auffassen, als wenn ihm damals keine Verbannung widerfahren sei, sondern nur eine Ortsveränderung. Ich meinerseits versprach wieder zu kommen, aber nur unter den genannten ausdrücklichen Bedingungen. Und nach Wiederherstellung des Friedens hieß er mich wieder kommen, in Betreff des Dion aber bat er noch ein Jahr zu warten, ich dagegen solle auf jeden Fall kommen. Dion seinerseits hieß mich nun infolge dessen abfahren und bat unaufhörlich, denn unter andern hatte sich von Sizilien aus die Nachricht verbreitet, dass Dionysius wieder in ein außerordentliches Verlangen nach Philosophie geraten sei, weshalb Dion mich inständigst bat dem Rufe zu folgen. Was tat ich hierauf? Ähnliche Beispiele warmer Gefühle für die Philosophie bei jungen Männern waren mir aus meiner Erfahrung [C] nicht unbekannt, ich hielt es indessen für geratener damals wenigstens vielen Plänen und auch denen des Dion und Dionysius den Abschied zu geben, und ich verfeindete mich mit Beiden durch die Antwort, dass ich erstlich schon ein alter Mann sei und dass zweitens unseren früheren Verabredungen keine der jetzigen Handlungen entspräche. Aller Vermutung nach war nach diesem Vorfalle Archytas zu Dionysius gekommen, ich hatte nämlich vor meiner letzten Abreise von dort, Archytas und meine andern Freunde zu Tarent zu Dionysius in ein gastfreundliches und inniges Verhältnis gebracht. Nebst Archytas waren auch noch andere Männer in Syrakus, welche durch Belehrung von Dion einige philosophische Bildung hatten, [D] und unter diesen andre welche, die tiefer in die gehörigen philosophischen Wahrheiten eingedrungen waren. Diese Philosophen scheinen mir nun sich mit Dionysius in eine philosophische Unterredung eingelassen zu haben, um mit ihm eine Diskussion anzustellen, weil sie voraussetzten, Dionysius habe alle meine Ideen gründlich aufgefasst. Dieser seinerseits, sonst gar nicht ohne angeborene Anlage und in Bezug auf wissenschaftliche Fähigkeit außerordentlich ehrgeizig, hatte nun wohl großen Gefallen an diesen philosophischen Gesprächen, aber schämte sich, als sich hierbei herausstellte, dass er gar nichts von dem Vortrage meiner ersten Anwesenheit profitiert habe. [E] Daher zum Teil kam ihn das Verlangen an, meinen Vortrag behufs einer klareren Anschauung gründlich zu hören, zum Teil trieb ihn auch die Eitelkeit seines Ehrgeizes dazu an. Die Ursachen aus welchen er bei meiner ersten Anwesenheit mich nicht ordentlich hörte, habe ich in den oben gegebenen Berichten soeben aufgezählt. Nachdem ich nun mich glücklich nach Hause gerettet und auf seine zweite Einladung, wie oben bemerkt, eine abschlägige Antwort gegeben hatte, da scheint Dionysius sich ganz und gar mit den Gedanken seines Stolzes gequält zu haben, dass bei manchen die Meinung aufkäme, ich möchte nicht gerne wieder zu ihm zu kommen, [339 St.3 A] weil ich aus Erfahrung seiner Veranlagung und seines fortwährenden Verhaltens, sowie von seiner Lebensart, ihn verachte. Ich werde, wie immer, die Wahrheit berichten, selbst auf die Gefahr hin, dass einer nach Vernehmung des von mir erlebten Vorgefallenen auf meine Philosophie verächtlich herabblicken, dagegen dem Tyrannen Mutterwitz zuschreiben sollte. Denn es schickte, wie bekannt, Dionysius zum dritten Male eine Trireme zur Bequemlichkeit meiner Reise, er schickte zweitens den Archidemos, seiner Ansicht nach den größten Verehrer von mir in Sizilien, und einen von den Vertrauten des Archytas, nebst anderen von meinen sizilischen Anhängern welche mir alle einstimmig verkündeten, [B] wie außerordentliche Fortschritte der Tyrann in der Philosophie gemacht habe. Er schickte auch einen langen Brief, weil er wohl wusste, in welchem Verhältnis ich zu Dion stand, und wie sehr Dion seinerseits wünschte, zu Schiffe zu gehen und nach Syrakus zu reisen. Denn in Bezug auf alle diese Verhältnisse war der Brief gleich von dem Anfange an angelegt und lautete etwa auf folgende Weise:▷