Zum Inhalt springen

Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/31

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷[D] Nein, weder ein Dion noch ein Anderer seiner Denkart wird je freiwillig nach einer solchen politischen Gewalt sein Streben richten, deren Schuld auf ihm und seinem ganzen Geschlechte für alle Zeit liegen würde. Wohl aber würde ein solcher Hand anlegen bei einer Ordnung und Einrichtung des Staates und bei Aufstellung eines Gesetzes welches auf der heilsamen Basis der reinsten Gerechtigkeit und Vernunft errichtet wäre und zu seiner Sicherung keine Hinrichtungen und Verbannungen nötig hat. Solche Pläne nun verfolgte in unseren Tagen auch Dion, indem er zwar [E] vorzog eher politische Sünden zu erdulden als sie zu verüben, dabei aber auch gegen die Erduldung von Unwürdigkeiten seine vernünftigen Maßregeln nahm. Dennoch fiel er, nachdem er bereits so weit war über seine Feinde zu siegen, und dieses Unglück darf einen nicht wundern. Der für alles heilige Recht lebende Mann gottlosen Schurken gegenüber, wenn er Besonnenheit und Verstand übt, täuscht sich zwar im Ganzen niemals über die Seelenverfassung bei solchen Menschen, aber dabei hat es nichts Auffallendes, wenn ihm dabei vielleicht passiert was manchmal dem tüchtigen Steuermann begegnet, dem zwar der kommende Sturm nicht unbekannt ist, wohl aber die ungewöhnliche und unerwartete Größe der Stürme, und den daher der Sturm nur zu Grunde richten konnte durch seine aller menschlichen Berechnung überlegene Gewalt. Ebenso ging es bekanntlich dem Dion bei seinem Falle. Dass diejenigen, welche ihn stürzten, schlecht waren, das entging ihm gar nicht, aber welchen ungeheuren Abgrund von Verblendung und sonstigen Niederträchtigkeit und Unersättlichkeit sie in ihrem Innern bargen, das blieb ihm unbekannt, und darin verrechnete er sich und kam zu Fall, wodurch er Sizilien in tausendfachen Jammer versetzte.▷