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Werk:Compendium/5

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Signa omnia sensibilia sunt et aut naturaliter res designant aut ex instituto. Naturaliter, uti signa, | per quae in sensu designatur obiectum.[1] Ex instituto vero, uti vocabula et scripturae et omnia, quae aut auditu aut visu capiuntur et res, prout institutum est, designant. Naturalia signa naturaliter nota sunt sine omni alio doctore, sicut signum designans colorem omnibus videntibus notum est et designans vocem omnibus audientibus – ita de aliis sensibus – et vox laetitiae, ut risus, et tristitiae, uti gemitus cum fletu, et talia. Alia vero signa, quae ad designandum ad placitum sunt instituta, quibus institutio non est nota, non innotescunt nisi arte aut doctrina. Et quoniam necesse est signa omnia, per quae tradi debet notitia, nota esse magistro et discipulo, erit prima doctrina circa talium signorum notitiam. Quae ideo prima, quia sine ipsa nihil tradi potest et in eius perfectione omne, quod tradi potest, includitur.

Alle Zeichen sind sinnlich und bezeichnen die Dinge entweder von Natur aus oder auf Grund einer Festsetzung. Sie sind natürlich wie die Zeichen, durch die ein Gegenstand im Sinn abgezeichnet wird. Sie bestehen auf Grund einer Festsetzung, wie Wort und Schriftzeichen und alle Zeichen, die von Hören und Sehen wahrgenommen werden, und die die Dinge je nachdem, wie es eben festgesetzt worden ist, bezeichnen. Natürliche Zeichen sind von Natur aus, ohne irgendwelchen Lehrmeister, bekannt, z. B. ein Zeichen, das eine Farbe bezeichnet und jedem Sehenden bekannt ist; und ein Zeichen, das einen Ton bezeichnet, allen Hörenden bekannt ist. Das gilt auch für die anderen Sinne. Es gibt einen Ton der Freude, wie Lachen, einen Ton der Trauer, wie Seufzen, usw. bekannt. Andere Zeichen hingegen, welche zur Bezeichnung willkürlich festgesetzt sind, werden denen, welchen diese Festsetzung unbekannt ist, nur durch Kunst oder Wissenschaft bekannt. Und weil alle Zeichen, durch welche Kenntnis überliefert werden soll, dem Lehrer und dem Schüler bekannt sein müssen, muß der erste Teil der Wissenschaft um die Kenntnis solcher Zeichen kreisen. Diese ist deshalb der erste Teil, weil ohne sie nichts überliefert werden kann und weil in ihrer Vollendung alles, was überliefert werden kann, eingeschlossen ist.◀▷

  1. ↑ fol.169v