Werk:Compendium/8
▷Considerans autem signa sensibilia quomodo ab obiecto ad sensum perveniunt, reperiet res corporales splendescere actu aut habitu, actu ut lucida, potentia ut colorata. Neque aliqua res corporalis penitus est expers lucis aut coloris, qui ex luce est. Non tamen color, nisi luce iuvetur, splendorem per visum nostrum perceptibilem de se mittit. Splendor autem subito et a remotis valde per rectam lineam proicitur, ad cuius perceptionem sensus visus naturaliter est adaptatus. Sonus vero a remotis orbiculariter se diffundit, ad cuius sensationem sensus auditus creatus est. Vapor vero se minus remote diffundit et odoratu percipitur, tactu vero tangibilia propinquiora et gustu interior sapor. Haec mirabili providentia naturae ad bene esse animalium sic ordinata sunt. Nam cum nulla res, uti in se est, sit multiplicabilis et ad bonum ipsius | esse expediat rerum notitiam[1] haberi, <oportet> quod res, quae per se in notitiam alterius intrare nequeunt, per suas designationes intrent. Quare oportet inter sensibile obiectum et sensum esse medium, per quod obiectum speciem seu signum sui multiplicare possit. Et quoniam haec non nisi praesente obiecto fiunt, nisi haec signa sic possent annotari, quod etiam recedente obiecto remaneant signata, non maneret rerum notitia.
Wenn jemand darüber nachdenkt, wie sinnliche Zeichen vom Gegenstand zum Sinn gelangen, dann wird er finden, daß die körperlichen Dinge tatsächlich oder der Möglichkeit nach leuchten; tatsächlich wie die leuchtenden, der Möglichkeit nach wie die farbigen Dinge. Auch ist kein körperliches Ding gänzlich ohne Anteil am Licht oder an der Farbe, die aus dem Licht stammt. Dennoch vermag die Farbe, wenn das Licht nicht hilft, keinen Glanz von sich aus zu spenden, den unser Auge wahrnehmen kann. Ein Lichtstrahl verbreitet sich plötzlich und geradlinig aus großer Ferne. Ihn aufzunehmen ist der Gesichtssinn von Natur aus geeignet. Ein Ton hingegen breitet sich aus der Ferne kreisförmig aus. Zu seiner Aufnahme ist der Gehörsinn geschaffen. Der Duft verbreitet sich in geringere Entfernung und wird von dem Geruchssinn wahrgenommen. Durch den Tastsinn wird das noch viel nähere Berührbare und vom Geschmacksinn der innere Geschmack erfaßt. Dies ist von der wunderbaren Vorsehung der Natur der Lebewesen zum Wohlbefinden zugeordnet. Denn da kein Ding, wie es in sich ist, vervielfältigt werden kann und doch sein Wohlbefinden die Kenntnis der Dinge erfordert, müssen die Dinge, die nicht von selbst in die Kenntnis des anderen treten, durch ihre Bezeichnungen eindringen. Aus diesem Grund muß es zwischen dem sinnlichen Gegenstand und dem Sinn ein Mittel geben, durch das der Gegenstand seine Eigengestalt oder sein Zeichen vervielfältigen kann. Und da dies nur durch den gegenwärtigen Gegenstand geschieht, können diese Zeichen nur so festgehalten werden, daß, würden auch die Gegenstände entfernt, das Bezeichnete bliebe. Sonst bliebe die Kenntnis der Dinge nicht bestehen.◀▷
- ↑ fol.170r