Werk:De coniecturis/De elementis
Capitulum IV De elementis (Die Elemente)
Ex his et ante habitis satis atque manifeste concipis elementorum coniecturam. Si enim universorum universalis quaedam concordantia communem quandam omnibus primam universalissimamque dicit inesse naturam, hanc universaliter elementalem esse conicimus. Si vero in sensibili mundo omnia sensibilia in quadam communitate generalissima convenire natura ostensum est, eam elementum generale coniecturamur, atque ita de specialioribus atque specialissimis. Habito autem in omnibus, de quibus agendum est, debito respectu unitatem cuiuscumque regionis in continua alteritate eiusdem absorptam, ut non in se simpliciter subsistere queat propter parvitatem actus aut unitatis eius, elementum appello. Non est igitur elementatum in simplicia elementa resolubile, cum resolutio ad simplex pertingere nequeat careatque simplex ipsum elementum virtute actu subsistendi.
- Aus diesem und dem vorigen kannst du in hinreichender Klarheit die Mut-Maßung über die Elemente entwerfen. Wenn nämlich die gewissermaßen allgemeine Übereinstimmung des Gesamten besagt, daß eine Art allem gemeinsame erste und ganz allgemeine Natur allen Dingen innewohnt, dann nehmen wir an, daß diese in der Weise des Allgemeinen elementhaft ist. Ist aber offenbar geworden, daß in der sinnlichen Welt alles Sinnliche in gewisser Gemeinsamkeit in gattungsmäßig-allgemeinster Natur zusammenkommt, dann mut-maßen wir, daß sie ein gattungsmäßig-allgemeines Element ist; ebenso steht es mit dem eigengestaltlicheren und noch eigengestaltlicheren Allgemeinen. Nachdem ich allem, das ich besprechen will, die nötige Beachtung geschenkt habe, nenne ich die Einheit eines jeden Bereiches, welche in die ununterbrochene Andersheit desselben eingegangen ist, so daß sie nicht einfachhin in sich selbst bestehen kann, wegen der Reinheit ihrer Wirklichkeit oder Einheit Element. Das aus den Elementen Entstandene kann daher nicht in einfache Elemente aufgelöst werden, weil diese Auflösung nicht zum Einfachen durchdringen kann und weil dem einfachen Element die Kraft fehlt, tatsächlich zu bestehen.
Elementorum vero distinctionem ex ipsa generali discretiva figura elicito. Universitas enim elementorum est trina – quadrate, cubice. Alia enim sunt elementa magis intellectualia, alia magis rationalia, alia vero sensibilia. Ea enim, quae sensus primo iudicat elementa, ratio elementata convincit, atque illa, quae rationi videntur simplicia, intelligentia composita apprehendit. Refert igitur inter elementorum gradus quasi inter puncta, lineas atque superficies. Sensibilis hic mundus nihil superficiei simplicius attingit, rationalis vero simplicem lineam superficie anteponit, intellectualis autem indivisibilem punctum lineae praefert. Ita quidem alia videmus ut simplices litteras elementa, alia ut syllabas, alia ut dictiones, elementatum autem oratio est. Inter ipsas vero litteras differentias intuemur triniter distinctivas, ita et in syllabis et dictionibus. Quapropter attendito quomodo rationis iudicio omne sensibile dabile, quamvis unum alio ad elementi simplicitatem propinquius accedat, semper tamen elementatum permanet. Ita quidem intellectuali assertione ratio elementum purum non subintrat neque ipse intellectus simplicissimae divinitatis iudicio.
- Entwickle die Unterscheidung der Elemente aus der gattungshaft-allgemeinen, sondernden Figur. Die Gesamtheit der Elemente ist dreifach: wurzelhaft, quadratisch und kubisch. Die einen Elemente sind mehr vernunfthafte, andere mehr verständige, noch andere hinwieder mehr sinnliche. Das nämlich, was der Sinn zuerst für ein Element hält, beurteilt der Verstand als etwas aus dem Element Hervorgegangenes; und das, was dem Verstand einfach erscheint, begreift die Vernunft-Einsicht als zusammengesetzt. Es verhält sich bei den Gradunterschieden der Elemente wie bei Punkt, Linie und Fläche. Diese sinnliche Welt erfaßt nichts einfacheres als die Oberfläche; die verständige aber stellt der Fläche die einfache Linie voran; die vernunfthafte hingegen zieht den unteilbaren Punkt der Linie vor. Ebenso sehen wir die einen Elemente als einfache Buchstaben, andere als Silben und wieder andere als Worte: das aus Elementen Hervorgegangene aber ist die Rede. Zwischen den Buchstaben sehen wir dreifach geschiedene Unterschiede, ebenso ist es bei den Silben und Wörtern. Achte deshalb darauf, daß nach dem Urteil des Verstandes alles mögliche Sinnliche immer ein aus den Elementen Hervorgegangenes bleibt, obwohl das eine näher an die Einfachheit des Elementes herankommt als das andere. Ebenso dringt nach der Aussage der Vernunft der Verstand nicht bis zum reinen Element vor, noch das vernünftige Denken nach dem Urteil der einfachsten Gottheit.
Quattuor autem prima fingit ratio elementa ad invicem circulariter resolubilia unibiliaque. Nam cum unitatis progressio in alteritatem quaternario subsistat, erit quaternarius unitatis descensus atque alteritatis reversio. Si enim elementa puncta quaedam concipimus ob irresolubilitatem in anteriora, facile ducemur, ut infallibili ascensione sciamus non posse ad solidi constitutionem trina sufficere elementa; ac quod post quaternarium combinatio cuiuslibet cum quolibet possibilis non est scimus ex eo, quod quaelibet, sive longa sive brevis fuerit, linea in semper divisibilem lineam secari atque ad punctum divisionem pertingere non posse ac eapropter non plura in una quam alia linea puncta potentia contineri. Impossibile igitur erit punctum a linea disiungi, cum nec lineae pars sit nec subsistentiae unitatem contineat; nec eadem poterit ratione linea simplex a superficie seorsum constitui neque etiam superficies a corpore evelli. Horum | enim neutrum absque puncti segregatione a linea contingere posset. Inter duo autem puncta lineam cadere manifestum est. Duo igitur puncta linea continuantur in invicem, tria autem puncta superficie simpliciori, quae tribus clauditur lineis, quattuor vero puncta corpore in invicem mutua constrictione firmantur. Nec potest in quinario haec haberi conexio, ut quilibet punctus in quolibet innectatur, ut in omnibus poteris figuris experiri. Cum igitur prima superficies tribus indigeat punctis, quae in se tamen subsistere nequit, sufficiantque quattuor puncta quattuor superficiebus ad primam corporis soliditatem necessariis, convincitur quattuor elementa ad perfecti compositionem necessaria. Omne enim quaternarium punctorum egrediens non primum corpus solidum, sed ex primis compositum esse constat, sicuti quadrangularis superficies quattuor punctis indigens in triangulares resolubilis est. Ipsa autem triangularis prima, in aliam priorem inconducibilis, principium est multiangularium figurarum.
- Der Verstand bildet vier erste Elemente, die in einem Kreislauf ineinander auflösbar und miteinander vereinbar sind. Denn wenn der Fortgang der Einheit in die Andersheit im Vierer Bestand hat, wird auch der Abstieg der Einheit und die Rückkehr der Andersheit ein sein. Wenn wir die Elemente wegen ihrer Nichtrückführbarkeit als Punkt verstehen, gelangen wir leicht dahin, in untäuschbarem Aufstieg zu wissen, daß zur Bildung der Gänze drei Elemente nicht genügen und daß nach dem Quaternar die Verbindung eines Jeden mit Jedem nicht möglich ist. Wir wissen es auf Grund der Tatsache, daß jede Linie, ob lang oder kurz, in eine immer noch weiter teilbare Linie geteilt werden kann, daß man durch Teilung nicht zum Punkt gelangen kann und daß darum in einer Linie nicht mehr mögliche Punkte enthalten sind als in einer anderen.
- Es wird also unmöglich sein, den Punkt von der Linie zu trennen, da er weder ein Teil der Linie ist, noch die Einheit ihres Bestehens ausmacht. Aus demselben Grund kann die einfache Linie nicht von der Fläche getrennt gebildet, noch die Fläche vom Körper losgerissen werden. Keines von beiden ist möglich ohne die Trennung des Punktes von der Linie. Daß aber zwischen zwei Punkten eine Linie ist, ist klar. Zwei Punkte werden wechselseitig in einer Linie ohne Unterbrechung verbunden, drei Punkte aber in einer einfachen Fläche, die von drei Linien eingeschlossen ist. Vier Punkte hingegen werden von einem Körper in wechselseitiger Verknüpfung festgehalten. Eine derartige Verknüpfung, bei der jeder Punkt mit jedem verbunden ist, ist im Fünfer unmöglich, wie du bei allen Figuren erfahren kannst.
- Da die erste Fläche, auch wenn sie in sich selbst nicht zu bestehen vermag, drei Punkte braucht, genügen auch die vier Punkte, die für die vier Oberflächen zur Gänze des ersten Körpers notwendig sind, für den ersten Körper. Man mut-maßt also, daß vier Elemente zur Zusammensetzung des Vollständigen notwendig sind. Es steht fest, daß alles die Vierzahl der Punkte Überschreitende nicht den ersten vollständigen Körper, sondern einen aus ihm zusammengesetzten bildet; so wie bei einer viereckigen Fläche, die vier Punkte braucht und in dreieckige aufgelöst werden kann, die erste, dreieckige, die in eine andere, noch frühere nicht zurückführbar ist, das Prinzip der vieleckigen Figuren ist.
Ex quattuor igitur elementis non plures sex lineis elicies neque ex his plures quattuor superficiebus, uti haec omnia in pyramide triangulari [p.91] oculariter dum voles intueberis, quae quattuor puncta, sex lineas quattuorque triangulares continet superficies. Quattuor sunt igitur prima elementa, ex quibus sex atque his mediantibus quattuor. Et haec omnia ad perfecti aut solidi actualiter subsistentis compositionem necessario concurrere conspicis, quemadmodum pyramis ipsa, quae prima est solidorum figura, patefacit. Quattuor primorum elementorum in elementatum primum progressio imperfectissimum tale eius regionis ens constituit, ut eius unitas in fluxibili atque continua mutabilitate versetur.
- Aus vier Elementen wirst du nicht mehr als sechs Linien herauslocken und aus diesen nicht mehr als vier Flächen; das alles kannst du, wenn du willst, in der dreiseitigen Pyramide, die vier Punkte, sechs Linien und vier dreieckige Flächen enthält, mit deinen eigenen Augen sehen. Es gibt also vier erste Elemente, aus denen sechs und durch deren Vermittlung wieder vier entstehen. Du siehst, daß das alles zur Zusammensetzung dessen, was vollkommen und gänzlich ist und wirklich besteht, zusammenkommen muß, wie die Pyramide, die erste Darstellung des Gänzlichen, offenbart. Der Fortschritt der ersten vier Elemente in das erste aus diesen Entstandene bildet ein solcherart unvollkommenes Seiendes dieser Region, daß sich dessen Einheit in ständig fließender Wandelbarkeit befindet.[1]
Quoniam autem elementa ipsa prima combinabilia ad invicem exsistere necesse est, ut eapropter ipsa inaequalia atque diversa esse constet, hinc aliud exoritur, dum unum cetera unit, aliud, cum in alio uniuntur. Quodlibet igitur elementorum tria in se alia, quasi conus trigonae pyramis, poterit complicare, ut unitas unius elementorum aliorum sit actualitas atque sic cuiusque elementi proprium exsurgat elementatum. Quattuor igitur prima sunt elementata. In simpliciori enim, lucidiori atque unitiori elemento tria cetera constricta in sensibili regione ignis nomen habent, in grossiori vero atque tenebrosiori elemento cetera contracta terrae vocabulum tenent, in medio ad luciditatem accedenti aëris, in inferiori densiori aquae appellationem sortiuntur. Sunt autem haec, quae vulgo elementa dicuntur, haec quattuor primo elementata generalissima, specialiores intra se combinationes complicantia.
- Da sich aber die ersten Elemente in einem Zustand befinden müssen, der eine wechselseitige Verbindbarkeit ermöglicht, steht es fest, daß sie ungleich und verschieden sind. Daher entsteht jeweils etwas Anderes, wenn das Eine die übrigen eint, und etwas Anderes, wenn jene im Anderen geeint werden. Jedes der Elementekann in sich drei andere einschließen, wie der Kegel der dreiseitigen Pyramide es vermag, so daß die Einheit eines Elementes das Wirklichsein der anderen ist. Und so entsteht aus jedem Element das ihm eigentümliche Hervorgegangene.
- Es gibt also vier erste aus den Elementen Hervorgegangene. In dem relativ einfachsten, leuchtendsten und geeintesten Element haben die drei anderen, im sinnlichen Bereich zusammengezogenen, den Namen «Feuer». Im relativ dunkelsten und am meisten verfestigten Element verschränkt, tragen sie den Namen «Erde». Im mittleren, das dem Licht näher steht, heißen sie «Luft». Im tieferen und dichteren erhalten sie die Bezeichnung «Wasser». Das was jedoch gemeinhin «Element» genannt wird, sind jene vier in gattungshafter Allgemeinheit erstmals aus den Elementen hervorgegangenen Dinge, die in sich eigengestaltlichere Kombinationen einschließen.
- ↑ Anm. KF:vier-Elemente-Lehre ? Deckungsgleichheit prüfen