Werk:De coniecturis/De tribus mundis
Capitulum XII De tribus mundis (Die drei Welten)
Per haec taliter, quamvis ineptius quam forte potuissem, tradita mundum quendam supremum ex theophanico descensu divinae primae unitatis in denariam atque ex denariae unitatis regressione in primam constitui concipe, qui et tertium caelum, si libet, vocitetur. Alium pari descensu ex secundae unitatis in tertiam et ipsius tertiae ascensu in secundam constituas, qui et secundum caelum dici poterit. Tertium vero mundum per descensum tertiae unitatis in quartam et quartae reascensum in tertiam coniectura.
- Nach diesen, wenn auch vielleicht unzureichenden Ausführungen sollst du begreifen, daß die höchste Welt durch das theophanische Herabsteigen der ersten göttlichen Einheit in die Zehnheit und aus der Rückkehr der Zehnheit in die erste Einheit gebildet wird. Diese höchste Welt kann man auch, wenn man will, den dritten Himmel nennen. Durch den gleichen Herabstieg aus der zweiten Einheit in die dritte und den Aufstieg aus der dritten zurück in die zweite bildest du eine andere Welt, die man den zweiten Himmel nennen kann. Die dritte Welt dagegen mut-maße vermittels des Abstieges der dritten Einheit in die vierte und des Rück-Aufstieges der vierten in die dritte.
Universum igitur sic erit ex centraliori spiritualissimo mundo atque | ex circumferentialiori grossissimo et ex medio. Centrum primi deus, centrum secundi intelligentia, centrum tertii ratio. Sensibilitas est quasi grossissima cortex tertii atque circumferentialis tantum. Primum centrum indivisibilis entitatis omnia in omnibus tenentis ubique centralis, sensibilitas semper extremitatem tenet.
- So besteht also das Gesamt aus einer rein geistigen Zentralwelt, einer völlig groben Umfangswelt und einer mittleren. Der Mittelpunkt der ersten ist Gott, der der zweiten ist die Vernunft-Einsicht, der der dritten ist der Verstandessinn. Die Sinnlichkeit ist gleichsam die dichte Rinde der dritten, der Umfangswelt. Das erste Zentrum der unteilbaren Seiendheit, die alles in allem hält, ist überall in der Mitte, die Sinnlichkeit bildet immer das Äußerste.
Omnia sunt in primo mundo, omnia in secundo, omnia in tertio, in quolibet modo suo. Entitas omnis rei est centrum seu unitas illa absolutissima. Cum igitur haec sit ipsa veritas omnium et cuiuslibet, est omnis res vera in tertio caelo, ut a veritate sua immediatius im- permixteque fluit, quasi pater in filiis. Est in secundo caelo, ut in veri similitudine remotiori, quasi pater in nepotibus. Est in infimo caelo, ut in remotissima adumbratione, ubi in ultimis tantum signis occultatur, ut pater in distantissimis consanguineis ab eo descendentibus. Deus autem pater atque principium nostrum est, cuius verae filiationis imaginem in tertio tantum caelo tenemus, cuius centralis unitas est ipsa veritas. Ibi tantum ut filii veri veritatis regnum possidere poterimus. Unde illud est intellectuale caelum, ubi lucet veritas clare, uti est. Cuius quidem veritatis lumen in secundo rationali caelo, adumbratum rationibus, varietatem induit opinativam, in inferiori vero densissima grossitie confunditur.
- Alles ist in der ersten Welt, alles ist in der zweiten Welt, alles in der dritten Welt auf seine jeweilige Weise. Die Seiendheit eines jeden Dinges ist das Zentrum oder jene völlig absolute Einheit. Da diese indes die Wahrheit jedes beliebigen Dinges ist, ist jedes wahre Ding im dritten Himmel, so daß es wie der Vater in den Söhnen aus seiner Wahrheit direkt und unvermischt entfließt. Es ist wie der Vater in den Enkeln im zweiten Himmel als in entfernteren Wahr-Ähnlichkeit. Es ist im dritten Himmel in ganz entfernter Verdunklung, in den alleräußersten Zeichen, wie der Vater in den entferntesten, von ihm abstammenden Blutsverwandten verborgen. Gott aber ist unser Vater und Ursprung; das Bild seiner wahren Kindschaft haben wir allein im dritten Himmel, dessen zentrale Einheit die Wahrheit selbst ist; nur dort werden wir als wahre Söhne das Reich der Wahrheit besitzen können. Daher ist jener der vernunfthafte Himmel. Dort leuchtet die Wahrheit, so, wie sie ist, klar auf; das Licht dieser Wahrheit wird im zweiten verständigen Himmel durch die Verstandessinne verdunkelt und nimmt die meinungshafte Verschiedenheit an; im untersten Himmel aber wird es mit der dichten Festigkeit vermischt.