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Werk:De coniecturis/Prologus (pars secunda)

aus AufEinWort, der freien Forschung

Quamvis nunc prolixius, quam acutissimo ingenio tuo necesse sit, cuncta dixerim coniecturarum mearum fundamenta, opus tamen video etiam ob tardiores, qui forte aliquando haec visuri sunt, ut ipsam simplicitatem atque identitatem conceptus in varietate multarum alteritatum capabilem faciam, et hinc ea, quae dixi, in praxi partim explicare curabo, ubi, cum idem varie resplendere videbis, facile coniecturali arte ad cuncta duceberis. Cum autem omne nostrum studium in hoc ferventissimum sit, ut veri notitiam in nobis ipsis experiamur, hinc quasdam praemittam generalium notitiarum praeambulares enodationes, ut demum ad artem pervenire queas tui ipsius venandi peritiam, coniecturaliter quidem, cum praecisio omnis a nobis absconsa remaneat.

  • Ausführlicher, als bei deinem scharfsinnigen Denken vonnöten ist, habe ich die Grundlagen meiner Mut-Maßungen dargelegt. Aber um derentwillen, die diese Ausführungen vielleicht auch einmal zu sehen bekommen, jedoch langsamer von Begriff sind, scheint es mir nötig, die Einfachheit und Selbigkeit der Grundgedanken in der Verschiedenheit vieler Andersheiten leicht faßbar zu machen. Darum will ich das Gesagte teilweise in praktischer Anwendung entfalten, damit du, wenn du siehst, daß dasselbe in verschiedener Art widerstrahlt, mit Hilfe der Kunst der Mut-Maßungen leicht zu allem hingeleitet wirst. Nun ist aber unser ganzes Streben darin am glühendsten, Begriff und Wissen des Wahren in uns selbst zu erfahren; deshalb werde ich einige Erklärungen allgemeiner Erkenntnisse voranstellen, auf daß du zuletzt die Fähigkeit erlangen kannst, die Erfahrung deiner selbst in der Art der Mut-Maßungen zu erjagen. Völlige Genauigkeit bleibt ja für uns unerreichbar.
    • 1: Dieser «Kreis des Gesamten» verbindet Zahlenspekulation, Methode und System zugleich. Er ist weder eine logisch-imaginative Abstraktion noch gibt er eine ontisch-statische Wesensvorstellung von der Welt wider. Er ist vielmehr coniectura, und zwar dem ganzen Umfang ihrer Möglichkeit nach. Als transzendentaler Begriff aus der Einheit des Geistes gewonnen, umfaßt er die mit diesem Geist verbundene Wirklichkeit der Sinne und des Verstandes in einer Weise, daß diese Wirklichkeit und das, was sie einschließt, in der Entfaltung des Wissens konstitutiv wiederkehrt. Inhalt und Form vereinen sich zu einer Onto-Logik des Ganzen, deren Bedeutung darin besteht, daß sie auf alle Gegenstände angewendet werden kann (vgl. p. 79, 99, 173) und muß. Das Einzelne steht im Ganzen und ist selbst ein Ganzes. Erst wenn beide Momente gesehen werden –, in diesem Sinn können wir auch von einer totalen Reduktion sprechen – wird der circulus universorum cusanisch verstanden.