Werk:De coniecturis/Quomodo elementum in elementato
Capitulum V Quomodo elementum in elementato (Wie das Element in dem aus ihm Hervorgegangenen enthalten ist)
Ad hoc autem, ut in coniectura iuveris quomodo elementum in elementato exsistat, ad primam conspice figuram. Nam si universum ignem aut aërem, aquam aut terram maiorem circulum fingis, intueberis quomodo in eo aliorum trium elementorum circuli continentur ac etiam quomodo in aëre ipsius ignis alia tria insunt elementa, atque ita deinceps. Nec hic processus quaternarium exit. De universali igitur in speciale quaternario progressu devenitur. Unum igitur elementum universaliter in se tria, tria vero generaliter in se novem, novem autem specialiter in se viginti septem complicant. Ternarii igitur cubus explicatio est specialis unitatis cuiusque elementi. Species vero specialia sua ita complicat elementa, sicut specialis ipsa Latina lingua sua habet specialia litterarum elementa. Unde uti oratio Latina est de universalissimis quibusdam litteris, generalibus, specialioribus atque ultimo specialissimis Latine contractis, quae, quamvis paucae sint, inevacuabilis tamen potentiae exsistunt, ita quidem omne hoc sensibile quasi oratio perfecta se habet.
- Um aber in einer Mut-Maßung Hilfe zum Verständnis dafür zu erhalten, wie das Element in dem aus ihm Hervorgegangenen bestehe, wende dich der ersten Figur zu. Wenn du dir das Gesamt als das Feuer oder die Luft, das Wasser oder die Erde im größten Kreis vorstellst, wirst du sehen, daß in diesem Kreis die Kreise der drei anderen Elemente enthalten sind; und auch, daß in der Luft des Feuers die anderen drei Elemente enthalten sind usw.; dieser Fortgang geht nicht über den Quaternar hinaus. Man gelangt vom Allgemeinen zum Eigengestaltlichen in vierfachem Fortschreiten. Das eine Element faßt allgemein in sich die drei anderen, diese drei aber umfassen in gattungshafter Allgemeinheit neun andere und diese wiederum siebenundzwanzig in sich. Der Kubus des Ternars ist also die Entfaltung der eigengestaltlichen Einheit eines jeden Elementes. Die Eigengestalt aber schließt ihre eigengestaltlichen Elemente so ein, wie die eigengestaltliche lateinische Sprache ihre eigengestaltlichen Elemente der Buchstaben hat. Wie daher die lateinische Sprache aus ganzallgemeinen, gattungshaft allgemeinen, eigengestaltlichen und zuletzt aus ganz eigengestaltlichen, lateinisch verschränkten Buchstaben besteht, welche, obgleich wenige an der Zahl, doch unerschöpfliche Möglichkeiten darstellen, so verhält sich alles Sinnliche gleichsam wie eine vollkommene Rede.
Inevacuabilis igitur atque inexplicabilis est omnis speciei individualis explicatio. Ambit enim potentia virtutis unitatis eius numerum nullo umquam tempore finibilem, uti unitas Latinae linguae numerum indicibilium | sermonum. Infinitatem enim cum unitate coincidere audisti. Quare ipsa individuorum infinitas est specifica unitas. Omne ergo, quod infinito minus est, et eius est virtute minus. Nullus igitur numerus tantus esse potest, quanta virtus specificae unitatis. Ascendit igitur elementorum universalitas in specialissima, uti punctus in corpus per medium lineae et superficiei seu litterae in orationem per medium syllabarum et dictionum, sicut potentia in actum, descenditque ipsum specialissime elementatum in universalissima elementa, sine quibus subsistere non potest, ut actus in potentiam. Est enim individuum quasi finis fluxus elementorum atque initium refluxus eorum, generalissimum vero quasi initium fluxus eorum finisque refluxus. Contrahit autem ipsa virtus specialissima generalitatem elementorum infra ambitum suae regionis atque semel contracta effluere facit, ut in generalitatem redeant. Hac similitudine mare ipsum universalis dicitur mater fluviorum; per meatus enim generales demum in fonte specialissime contrahitur, ubi rivus nascitur, ac deinde ad mare rivus ipse revertitur. Ita de universalibus elementis quasi de mari et specialissimis quasi de fonte quadam similitudine imaginandum.
- Unerschöpflich und unentfaltbar ist die Entfaltung jeder individuellen Eigengestalt. Die Mächtigkeit der Kraft ihrer Einheit reicht weiter als die Zahl, die in keiner Zeit je zu Ende geführt werden kann, so wie die Einheit der lateinischen Sprache die Zahl unsagbar vieler Redeteile überschreitet. Du hast gehört, daß die Unendlichkeit mit der Einheit koinzidiert. Darum ist die Unendlichkeit der Individuen die eigengestaltliche Einheit. Also ist alles, was kleiner ist als das Unendliche, auch kleiner als seine Einheit; und keine Zahl kann so groß sein wie die Kraft der eigengestaltlichen Einheit. Die Allgemeinheit der Elemente steigt also ins völlig Eigengestaltliche hinauf, so wie der Punkt über das Mittel der Linie und der Fläche in den Körper oder der Buchstabe über das Mittel der Silben und Wörter in die Rede aufsteigt; oder wie die Möglichkeit in die Wirklichkeit. Und das in völlig eigengestaltlicher Weise aus dem Element Hervorgegangene steigt in jenes allgemeinster Art herab, ohne die es nicht bestehen kann, so wie die Wirklichkeit in die Möglichkeit. Das Individuum ist nämlich gleichsam das Ende des Fließens der Elemente und der Anfang des Zurückfließens. Das Gattungs-Allgemeinste hingegen ist gleichsam der Anfang ihres Fließens und das Ende ihres Zurückfließens.[1] Die völlig eigengestaltliche Kraft aber verschränkt die Gattungs-Allgemeinheit der Elemente im Umkreis ihres Bereiches und läßt das einmal Verschränkte entströmen, damit es in die Gattungs-Allgemeinheit zurückkehrt. Nach dieser Ähnlichkeit wird das Meer die allgemeine Mutter aller Flüsse genannt. Durch gattungshaft-allgemeine Flüsse wird es schließlich in völlig eigengestaltlicher Weise in der Quelle verschränkt, aus der ein Bach entsteht, der schließlich zum Meer zurückkehrt. Nach diesem Beispiel kann man sich die allgemeinen Elemente gleichsam als Meer und die völlig eigengestaltlichen gleichsam als Quelle vorstellen.
Satis autem manifestum tibi est nullam scientiam attingere praecisam elementorum compositionem, cum impossibile sit duo aeque elementorum participare naturam. Nec est proportio differentiae unius et alterius quovis modo scibilis. Quapropter cum scientia punctum non attingat, scientia graduum elementorum cum ignorantia currit, ut in confusiori atque generaliori scientia minor sit ignorantia, in singulariori vero praesumptione maior defectus. Ita vides scientiam medicinalem coniecturam evadere non posse, sicut nec omnem aliam mensuris incumbentem.
- Es ist dir aber zur Genüge klar, daß kein Wissen die genaue Zusammensetzung der Elemente erreichen kann, da es unmöglich ist, daß zwei Dinge in gleicher Weise an der Natur der Elemente teilhaben. Auch kann man den Verhältnisbezug des Unterschieds des einen und anderen auf keine wie immer geartete Weise wissen. Aus diesem Grund, da das Wissen den Punkt nicht erreicht, ist das Wissen von den Abstufungen der Elemente mit Unwissenheit verbunden, so daß im stärker vermischten und mehr gattungshaft-allgemeinen Wissen die Unwissenheit geringer ist, im mehr singularen jedoch infolge der Voraussetzung der Abstand größer ist. So siehst du z. B., daß die medizinische Wissenschaft die Mut-Maßung nicht weniger vermeiden kann als jede andere, die auf Maße angewiesen ist.