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Werk:De ven. sap./100

aus AufEinWort, der freien Forschung

100▷Ecce doctissimum virum hac distinctione vocabuli multa dilucidasse, quae alibi obscura reperiuntur. Quantum etiam Aristoteles laboraverit, ut distingueret vocabula, Metaphysica eius declarat. Unde per vocabulorum distinctiones multae varietates scribentium [1] concordantur, in quibus multi doctissimi se occupaverunt.

Sed haec nostra inquisitio ineffabilis sapientiae, quae praecedit impositorem vocabulorum et omne nominabile, potius in silentio et visu quam in loquacitate et auditu reperitur. Praesupponit vocabula illa humana, quibus utitur, non esse praecisa nec angelica nec divina; [2] sed ipsa sumit, cum aliter non posset conceptum expri|mere, [3] praesupposito tamen, quod illa non velit aliquod tale, propter quod imposita sunt, significare, sed talium causam, verbumque nullius temporis esse, cum aeternitatem per ipsa velit figurare.

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Übs. Sg.

Sieh, der sehr gelehrte Mann hat mit dieser Wortunterscheidung vieles aufgehellt, was anderswo mi Dunkel bleibt. Wie sehr auch Aristoteles[4] sich mit Wortunterscheidungen Mühe gab, zeigt seine Metaphysik. So werden durch Wortunterscheidungen viele Differenzen der Schriftsteller zur Übereinstimmung gebracht, und viele große Gelehrte haben sich mit dieser Aufgabe beschäftigt.

Aber dieses unser Suchen nach der unaussprechlichen Weisheit, die vor dem Geber der Namen und vor allem Benennbaren ist, findet man eher im Schweigen und im Schauen als in Geschwätzigkeit und im Zuhören. Sie macht die Voraussetzung, daß jene menschlichen Worte, die sie gebraucht, nicht genau sind, weder in ihrer Anwendung auf die Engel noch auf Gott. Doch sie benützt sie, da sie auf andere Weise ihren Erkenntnisgehalt nicht auszudrücken vermöchte, wobei sie freilich voraussetzt, daß sie mit jenen Worten nicht eine von den Bedeutungen, um deretwillen sie geprägt sind, ausdrücken will, son- dern die Ursache von all dem, und daß das Zeitwort keine Zeitbedeutung besitzt, da sie die Ewigkeit mit Hilfe dieser Worte darstellen will.

Übs. Dp.

Du siehst, daß dieser gelehrte Mann durch diese Unterscheidung der Wortbedeutung vieles erhellt hat, das sonst überall dunkel bleibt.

Welche Mühe Aristoteles aufwandte, die Worte zu unterscheiden, zeigt seine Metaphysik.

So werden durch die genaue Unterscheidung der Wortbedeutung viele Widersprüche der Schriftsteller, mit denen die Gelehrten sich beschäftigen, in Übereinstimmung gebracht. Dieses mein Suchen nach der unsagbaren Weisheit, die sowohl dem vorausgeht, der die Namen gegeben hat, als auch allem Benennbaren, wird eher in Schweigen und Schau als in Geschwätzigkeit und Hören gefunden. Man setzt voraus, daß jene menschlichen Worte, die man gebraucht, keine genauen, weder die Worte der Engel noch Gottes sind. Man verwendet sie aber, da man die Gedanken nicht anders ausdrücken kann, wobei jedoch vorausgesetzt ist, daß man nicht will, daß diese etwas, dessentwegen sie gesetzt sind, bezeichnen, sondern, da man die Ewigkeit durch sie ausdrücken will, daß auch das Wort aus derartigen Gründen keiner Zeit angehört.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ fol.215v
  4. ↑