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Werk:De ven. sap./109

aus AufEinWort, der freien Forschung

109▷Factum autem semper est singulare et implurificabile, sicut omne individuum, sed non est semper incorruptibile, nisi sit primum. Quod enim imitatur primum, cum id sit quod est participatione primi, corruptibile est. Non enim potest eius incorruptibilem [1] singularitatem, quae est immultiplicabilis, participare. Et quod prima, quorum esse non dependet a participatione alicuius prius facti, sint incorruptibilia, ideo est quia posse fieri est in ipsis specifice determinatum.  Ob hoc intelligibilia et caelestia sunt incorruptibilia, sicut sunt intellectuales naturae et sol et luna et stellae. Quod autem sol et [2] luna et stellae sint prima facta, Moyses clare in Genesi refert illa a deo facta, ut semper luceant. Semper igitur et sine intermissione visibili mundo hoc est necessarium, si non debet deficere visibilitas eius. Ideo, quae facta sunt, ut luceant semper, sic manere necesse est. Quare non sunt facta post aliquod prius factum, cuius participatione id [3] sint quod sunt. Ita posse fieri solem, lunam et stellas in ipsis individuis quae videmus est determinatum.

Individua vero sensibilis naturae imitantur intelligibilia exemplaria et – ut dicit Dionysius – sunt ipsorum imagines, quae etsi secundum suam singularitatem non sint multiplicabilia, tamen, cum sint [4] imagines intelligibilium, quorum participatione id sunt quod sunt, et cum intelligibilia per sensibilia non possint praecise imitari, variabiliter et temporaliter illa quae perpetua sunt participant. Quare secundum hoc perpetua esse nequeunt.

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Übs. Sg.

Das Gewordene aber ist immer ein Einzelnes und Unwiederholbares wie jeder individuelle Gegenstand. Es ist indes nicht immer unzerstörbar, außer es ist das Erste. Was nämlich das Erste nachahmt, ist vergänglich, da es das, was es ist, nur durch die Teilhabe am Ersten ist. Es kann ja nicht an der unzerstörbaren Einmaligkeit des Ersten teilhaben, die sich einer Vervielfachung entzieht. Der Umstand, daß die ersten Gegenstände, deren Sein nicht von der Teilhabe an einem früher Gewordenen abhängt, unzerstörbar sind, erklärt sich daraus, daß das Werden-Können bei ihnen in der Form der Art zum Abschluß gebracht ist. Aus diesem Grunde sind die intelligiblen Wesen und die himmlischen Körper unzerstörbar. Dazu gehören die Geistnaturen sowie Sonne, Mond und Sterne. Daß aber Sonne, Mond und Sterne erstgewordene Dinge sind, berichtet Moses 5I4 eindeutig in der Genesis und sagt, sie seien von Gott geschaffen, um immer zu leuchten. Immer und ohne Unterlaß ist das für die sichtbare Welt notwendig, wenn ihre Sichtbarkeit nicht aufhören soll. Darum müssen die Dinge, die geschaffen sind, um immer zu leuchten, immer so bleiben. Sie sind darum nicht nach einem anderen, das früher geworden wäre, geschaffen, durch dessen Teilhabe sie das wären, was sie sind. So ist das Werden-Können für die Sonne, den Mond und die Sterne in den Einzelgegenständen, die wir sehen, zum Abschluß gebracht.

Die Einzeldinge der Sinnenwelt jedoch ahmen die geistigen Vorbilder nach und sind, wei Dionysius sagt,[5] ihre Nachbilder. Zwar können die Einzeldinge wegen ihrer Einmaligkeit nicht vervielfacht werden; aber sie sind ja Abbilder der geistigen Wesen- heiten und sind durch Teilhabe an ihnen das, was sie sind. Da ferner die geistigen Wesenheiten durch die Sinnendinge nicht genau nachgebildet werden können, so haben die Sinnendinge in mannigfacher und zeitbedingter Weise an ihnen teil, die ewig sind. Daher können demgemäß die Sinnendinge nicht ewig sein.

Übs. Dp.

Das Gewordene aber ist immer einzig und unwiederholbar wie jedes Individuum. Aber es ist nicht immer unvergänglich, außer wenn es ein Erstes ist. Das, was ein Erstes nachahmt, ist eben deshalb, weil es durch Teilhabe am Ersten das ist, was es ist, vergänglich. Denn es kann nicht an dessen unvergänglicher und unwiederholbarer Einzigkeit teilhaben.

Die Tatsache, daß die Ersten, deren Sein nicht von der Teilhabe an etwas früher Gewordenem abhängt, unvergänglich sind, beruht darauf, daß das Werden-Können in ihnen eigengestaltlich bestimmt ist. Deshalb sind die geistigen und himmlischen Dinge unvergänglich, ebenso wie die geistigen Naturen, Sonne, Mond und Sterne. Daß Sonne, Mond und Sterne als erste geschaffen wurden, spricht Moses in der Genesis deutlich aus; dort, wo er berichtet, sie seien von Gott geschaffen, auf daß sie immer leuchten. Das ist für die sichtbare Welt, wenn ihre Sichtbarkeit nicht aufhören soll, immer und ohne Unterbrechung notwendig. Die Dinge, die geschaffen sind, um zu leuchten, müssen darum immer so bleiben und folgen deshalb nicht auf ein Anderes, früher Gewordenes, durch dessen Teilhabe sie das sind, was sie sind.

Infolgedessen ist das Werden-Können von Sonne, Mond und den Sternen in jenen sichtbaren Einzelgestalten beschlossen. Die Einzelgestalten der sinnlichen Natur dagegen ahmen die geistigen Urbilder nach, und sind, wie Dionysius sagt, ihre Abbilder, wenn auch gemäß ihrer Einzigkeit unwiederholbar. Als Abbilder des Geistigen, durch dessen Teilhabe sie das sind, was sie sind, und weil das Geistige durch das Sinnliche nicht genau nachgeahmt werden kann, haben sie dennoch auf veränderliche und zeitliche Weise am Immerwährenden teil, können aber aus diesem Grund nicht immerwährend sein.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ Z.20
  5. ↑