Zum Inhalt springen

Werk:De ven. sap./115

aus AufEinWort, der freien Forschung

115▷Quia nihil factum est quod non potuit fieri, et nihil se ipsum facere potest, sequitur, quod triplex est posse: scilicet posse facere, [1] posse fieri et posse factum. Ante posse factum posse fieri; ante posse fieri posse facere. Principium et terminus posse fieri est posse facere. Posse factum per posse facere de posse fieri est factum.

Posse facere, cum sit ante posse fieri, nec est factum nec fieri potest aliud. Est igitur omne quod esse potest. Non potest igitur [2] esse maius, et hoc vocamus maximum; nec minus, et hoc vocamus minimum; nec potest esse aliud. Omnium igitur est causa efficiens, formalis seu exemplaris et finalis, cum sit terminus et finis posse fieri et ideo posse facti. Sunt igitur in ipso posse facere omnia, quae possunt fieri et quae facta sunt, prioriter ut in causa efficienti, [3] formali et finali; et posse facere est in omnibus ut absoluta causa in causatis.

◀△▷

Übs. Sg.

Nichts ist geworden, was nicht werden konnte, und nichts kann sich selbst machen. Daraus folgt das Vorhandensein eines dreifachen Könnens: des Machen-Könnens, des Werden-Könnens und des Geworden-Sein-Könnens. Vor dem Geworden-Sein-Können ist das Werden-Können; vor dem Werden-Können ist das Machen-Können. Ursprung und Endpunkt des Werden-Könnens ist das Machen-Können. Das Geworden-Sein-Können ist durch das Machen-Können aus dem Werden-Können geworden.

Das Machen-Können ist vor dem Werden-Können und dar- um nicht geworden, noch kann es zu einem anderen werden. Es ist deshalb al das, was es sein kann. Es kann darum nicht größer sein, und das nennen wir das Größte; noch kann es kleiner sein, und das nennen wir das Kleinste; noch kann es ein anderes sein. Für alle Dinge ist es darum Wirkursache, Form- oder Exemplarursache und Finalursache. Es ist ja der Endpunkt und das Ziel des Werden-Könnens und darum auch des Geworden- Sein-Könnens. Es haben deshalb im Machen-Können alle Dinge, die werden können oder die geworden sind, vorgängi- ges Dasein als in ihrer Wirk-, Form- und Finalursache. Das Machen-Können ist in allen als die absolute Ursache in dem von ihr Gewirkten.

Übs. Dp.

Da nichts geworden ist, das nicht hätte werden können und nichts sich selbst machen kann, folgt, daß das Können ein Dreifaches ist, nämlich Machen-Können, Werden-Können und Gewordensein-Können.

Vor dem Gewordensein-Können ist das Werden-Können, vor dem Werden-Können das Machen-Können. Ursprung und Zielgrenze des Werden-Könnens ist das Machen-Können. Das Gewordensein-Können ist durch das Machen-Können aus dem Werden-Können gemacht worden.

Das Machen-Können ist, da es vor dem Werden-Können steht, weder geschaffen worden noch kann es etwas anderes werden. Es ist also alles, was es sein kann. Es kann nicht größer sein – darum nennen wir es das Größte –, es kann nicht kleiner sein – darum nennen wir es das Kleinste –, noch kann es Anderes sein. Es ist eines jeden Wirk-, Gestalt- oder Bild- und Zielgrund, da es Grenze und Ziel des Werden-Könnens und demnach auch des Gewordensein-Könnens ist. Alles, was werden kann und was geworden ist, ist vorgängigerweise im Machen-Können als im Wirk-, Gestalt- und Zielgrund, und das Machen-Können selbst ist in allem als der absolute Grund im Begründeten.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15