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Werk:De ven. sap./123

aus AufEinWort, der freien Forschung

123▷Sic per se sapientia, quae est lux intelligibilis, est ante omne, quod particeps esse potest lucis illius, sive vocetur sensus sive imaginatio sive aestimatio sive ratio sive anima intellectiva sive intelligentia aut alio quocumque nomine nominetur. Et est prior omnibus sensibilibus [1] et intelligibilibus et omni discretione et ordine, quorum omnium causa. Est autem sol sensibilis, quia visibilis; praecedit igitur ipsum sensus. Sed quia lux per se visibilis est visibilium materialis causa et quia visus in actu est visibile in actu, ideo visus est visibilium formalis causa, quia posse videri posse videre causa est. Et ita patet [2] quomodo lux sensibilis cum luce intelligibili conectitur in visu sicut extrema, scilicet supremum inferioris et corporalis naturae cum inferiori superioris cognoscitivae naturae.

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Übs. Sg.

So ist die Weisheit an sich, welche das geistige Licht ist, vor allem, was an jenem Lichte teilhaben kann, gleichgültig, ob man dieses Wahrnehmungsvermögen, Vorstellungsvermögen oder Urteilskraft, ob man es Verstand, Geistseele oder Geist nennt oder irgendeinen anderen Namen gebraucht. Die Weisheit ist früher als alle Gegenstände der Wahrnehmung und des Denkens, als ale Unterscheidung und Ordnung; sie ist ihrer aller Ursache. Die Sonne aber ist wahrnehmbar, weil sichtbar; es geht ihr also das Wahrnehmungsvermögen voraus. Doch da das an sich sichtbare Licht Materialursache der sichtbaren Dinge ist und da das aktuelle Sehen das aktuell Sichtbare ist, deshalb ist das Sehvermögen die Formursache der sichtbaren Dinge, da für das Gesehen-werden-Können das Sehen-Können Ursache ist. So ist offenkundig, daß das wahrnehmbare Licht im Sehvermögen mit dem geistigen Licht in Verbindung steht. Beides sind Extreme, d.h. die höchste Kraft der unteren, körperhaften Natur steht in Berührung mit der untersten Kraft der höheren, erkennenden Natur.

Übs. Dp.

So steht die Durch-Sich-Weisheit, die das intelligibile Licht ist, vor jedem, das ihres Lichtes teilhaftig werden kann, sei es der Sinn, die Vorstellung, die Schätzung, der Verstand, die Geist-Seele, die Einsicht oder wie man es sonst nennen mag, und vor jedem Sinnlichen und Geistigen und jeder Sonderung und Ordnung, deren aller Grund sie ist.

Die Sonne aber ist sinnlich, da sie sichtbar ist. Es geht ihr also der Sinn voraus. Aber weil das Durch-Sich-Sichtbare-Licht stofflicher Grund des Sichtbaren ist und weil der Sehsinn in der Wirklichkeit, das Sichtbare in Wirklichkeit ist, so ist der Gesichtssinn der Gestaltgrund des Sichtbaren, da der Grund des Gesehen-Werden-Könnens das Sehen-Können ist. Und so wird offenkundig, daß im Sehsinn das sinnliche Licht und das geistige Licht als zwei Extreme verknüpft werden, das Höchste der niedrigen und körperlichen Natur mit dem Niedrigsten der höheren, erkennenden Natur.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10