Werk:De ven. sap./21
21▷Et hos conditorios deos Proclus nominat, quorum participatione omnia quae sunt exsistunt, quae vivunt vivunt et quae intelligunt intelligunt. Et quoniam omnia quae vivunt et intelligunt, nisi essent, nec viverent nec intelligerent, ideo causam entium vocavit post primum deum deorum – quem unum bonum, ut dixi, affirmabat[1] – secundum deum, scilicet conditorem intellectum. Hunc Proclus Iovem, omnium regem et principalem, credidit. Posuit sic caelestes et mundanos et alios varios et aeternos deos, prout haec extense Proclus in sex libris De theologia Platonis expressit. Omnibus tamen praeposuit deum deorum, causam universalem omnium.[2] Et ita illa, quae deo bono attribuimus, quae non sunt nisi ratione et nequaquam re differentia, ipse videtur deos asserere diversos propter diversam attributorum rationem motus, <eo quod> nihil intelligibile nisi actu sit, cum esse necessario per intelligibile participetur. Ideo omne, quod intelligitur, esse affirmabat. Sic intelligibilem hominem[3] et leonem et cuncta, quae a materia vidit abstracta et absoluta, intellectualiter esse asseruit, modo quo supra ponitur.
Übs. Sg.
Proklus bezeichnete sie als schöpferische Gottheiten, durch deren Teilhabe[4] alles, was ist, Sein hat, was lebt, Leben und was denkt, Denken besitzt. Und da alles, was lebt und denkt, ohne das Dasein nicht Leben und Denken besäße, deshalb nannte er die Ursache der Seienden[5] nach dem ersten Gott der Götter[6] – den er, wie gesagt, als das Eine Gute bezeichnete[7] – den zweiten Gott, nämlich die schöpferische Vernunft. Diese hielt Proklus für Jupiter, den König und Herrscher von allem.[8] In dieser Weise nahm er außer- und innerweltliche und mancherlei andere ewige Götter an,[9] wie das Proklus ausführlich in den sechs Büchern Über die Platonische Theologie dargestellt hat. An die Spitze von ihnen allen indes setzte er den Gott der Götter, die allgemeine Ursache von allem. Und so scheint er die Eigenschaften, die wir dem guten Gott zusprechen und die nur begrifflich, nicht tatsächlich voneinander verschieden sind, als verschiedene Götter zu bezeichnen. Dazu veranlaßte ihn die begriffliche Verschiedenheit der Eigenschaften, weil nur das aktuell Wirkliche erkennbar sei, da das Erkennbare notwendigerweise am Sein teilhabe. Aus diesem Grunde bezeichnete er alles, was erkannt wird, als seiend. Ebenso erklärte er das intelligible Wesen des Menschen, des Löwen und alles, was er von der Materie abgezogen und abgelöst fand, als geistig seiend, wie das oben dargestellt ist.
Übs. Dp.
Proklos nannte diese Gründer-Gottheiten; durch die Teilhabe an ihnen existiert alles, das existiert, lebt alles, das lebt und denkt alles, das denkt. Und da alles, das lebt und denkt, weder lebte noch dächte, wenn es nicht wäre, bezeichnete er die Ursachen des Seienden nach dem ersten Gott der Götter, den er, wie ich ausgeführt habe, den Einen Guten nannte, als den zweiten Gott – die schöpferische Vernunft. Der zweite Gott, glaubte er, sei Jupiter, der König und oberste Herrscher über alles.
So stellte er himmlische und irdische und verschiedene andere ewige Götter auf, wie er es ausführlich in den sechs Büchern der «Theologia Platonis» dargelegt hat. Dennoch stellte er allen Göttern den Gott der Götter als universalen Grund von allem voran und schien so das, was wir dem guten Gott zuteilen, und was nur als Wesenssinn, nicht aber als Sache verschieden ist, wegen der verschiedenen Wesensgründe der Attribute, für verschiedene Götter zu halten. Er ging von dem Gedanken aus, daß es nichts Denkbares gäbe, außer wenn es wirklich wäre, da das Denkbare notwendigerweise am Sein teilhat. Darum versicherte er, daß alles, was gedacht wird, auch sei. So sagte er, daß ein intelligibler Mensch oder Löwe und alles, das er von der Materie losgelöst und getrennt fand, auf geistige Weise bestehe, wie oben dargelegt wurde.