Werk:De ven. sap./24
24▷Hoc autem verbum Platonici conditorem intellectum appellant, quem et unigenitum dicunt atque dominum universorum, ut Proclus credit. Deum enim unum appellant; ideo conditorem intellectum unigenitum; quidam vero primam intelligentiam appellant. Anaxagoras autem ipsum mentem nominat, Stoici verbum, quod[1] et deum asserunt, ut in Laërtio legitur. Et hi optime secuti sunt David prophetam qui dixit: «Verbo domini caeli firmati sunt»[2], et alibi: «Dixit et facta sunt, mandavit et creata sunt»[3].
Ad haec, quid philosophi senserint de his principiis, attende: Anaxagoras mentem, motus principium, dicit accessisse ad materiam,[4] in qua omnia erant in confuso, et singula discrete composuisse. Sic Plato deum et materiam duo dicit rerum principia. Aristoteles resolvit omnia in actum et potentiam. Pythagoras principia monadi et dualitati assimilat; dualitatem uti indiffinitam materiam monadi auctori aiebat subiectam. Stoici deum, quem et Mentem et Iovem[5] nominant, «opificem»[6] dicunt «immensi huius operis»[7]. Quibus visum est «duo esse rerum omnium principia, faciens et patiens; et quod patitur, sine qualitate substantiam seu materiam, quod autem facit, verbum, quod et deum esse»[8] dicunt. Epicurus autem dicebat imperio dei omnia ex materia, quam atomorum infinitatem credidit. Haec in[9] Laërtio latius.
Übs. Sg.
Dieses Wort aber nennen die Platoniker die schöpferische Vernunft, die sie auch als Eingeborenen und als Herrn von allem bezeichnen, wie Proklus glaubt.[10] Gott nennen sie nämlich das Eine und deshalb die schöpferische Vernunft den Eingeborenen. Manche[11] jedoch bezeichnen es als erste Intelligenz. Anaxagoras[12] nennt es Geist, die Stoiker[13] Wort, das sie auch als Gott bezeichnen, wie man bei Laërtius lesen kann. Diese Denker schlossen sich aufs beste dem Propheten David an, der sagte: »Durch das Wort Gottes sind die Himmel befestigt worden«, und an einer anderen Stelle: »Er sprach, und die Dinge wurden, er befahl, und sie wurden geschaffen«.[14]
Zu den Meinungen der Philosophen über diese Urgründe bedenke: Anaxagoras[15] ließ den Geist als Ursprung der Bewegung zur Materie hinzutreten, in der alles ungeordnet war, und ließ ihn die Besonderung der einzelnen Dinge wirken. Ebenso sah Platon[16] in Gott und der Materie die beiden Urgründe der Dinge. Aristoteles[17] löste alles in Wirklichkeit und Möglichkeit auf. Pythagoras[18] macht die Urgründe gleich der Einheit und Zweiheit; die Zweiheit als unbestimmte Materie sei der Urheberschaft der Einheit unterworfen. Die Stoiker[19] bezeichnen Gott, den sie auch Geist und Jupiter nennen, als Werkmeister dieses gewaltigen Werkes. Sie nahmen das Bestehen zweier Urgründe von allem an, eines tätigen und eines leidenden; das Leidende sei die qualitätslose Substanz oder die Materie, das Tätige aber das Wort, das sie auch als Gott bezeichnen. Epikur[20] aber erklärte, daß alles auf Geheiß Gottes aus der Materie geworden sei, die er als unendliche Zahl von Atomen ansah. Ausführlichere Angaben darüber finden sich bei Laërtius.
Übs. Dp.
Dieses Wort nannten die Platoniker schöpferische Vernunft, die sie auch als den Eingeborenen und den Herrn des Universums bezeichneten, wie Proklos meint. Denn sie nannten Gott das Eine und die schöpferische Vernunft das Eingeborene.
Manche nennen es die erste Geistigkeit, Anaxagoras bezeichnet ihn als Vernunft, die Stoiker als Wort, das sie, wie bei Laertius zu lesen ist, auch Gott heißen. Und so folgen diese alle genau dem Propheten David, der gesagt hat: «Durch das Wort des Herrn sind die Himmel gefestigt», und an anderer Stelle: «Er sprach und es entstand, er befahl und es wurde geschaffen.» Beachte, was die Philosophen hinsichtlich dieser Prinzipien dachten.
Anaxagoras ist der Meinung, daß der Geist als Ursprung der Bewegung zur Materie, in der alles zur Einheit verschmolzen vorhanden war, hinzugekommen sei, und daß er das Einzelne in seiner Bestimmtheit geordnet habe. So bezeichnet Plato Gott und die Materie als die beiden Ursprünge der Dinge. Aristoteles löst alles in Akt und Potenz auf. Pythagoras ordnet die Prinzipien der Einheit und Zweiheit zu, indem er sagt, daß die Zweiheit als unbestimmte Materie der Einheit als ihrem Schöpfer unterworfen sei. Die Stoiker sagen, daß Gott, den sie auch Geist oder Jupiter nennen, der Erbauer dieses unermeßlichen Werkes sei. Und sie meinen, daß es zwei Prinzipien aller Dinge gäbe, das tätige und das leidende. Das leidende sei die qualitätslose Substanz oder Materie, das tätige aber das Wort, das Gott sei. Epikur meinte, daß auf Befehl Gottes alles aus der Materie, die er für eine unbegrenzte Fülle von Atomen hielt, anstanden sei; darüber findet man Ausführlicheres bei Laertius.