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Werk:De ven. sap./3

aus AufEinWort, der freien Forschung

3▶Quoniam autem animalia omnia naturalem mentem fixamque memoriam pabuli sui similitudinisque suae sensum habent, quae sunt eiusdem speciei sentientes, aiebat Plato hoc ex idea necessario esse, cum praeter illas nihil maneat. Ex quo elicias ideas non esse [1] sic ab individuis separatas sicut extrinseca exemplaria. Nam natura individui cum ipsa idea unitur, a qua habet haec omnia naturaliter. Dicebat Laërtius Platonem affirmare ideam unum et multa, stare et moveri. In eo enim, quod est species incorruptibilis, est intelligibilis et una. In eo vero, quod multis unitur individuis, multa dicebat. Sic [2] fixam stabilemque in eo, quod inalterabilis et intelligibilis; in eo vero, quod coniungitur mobilibus, moveri dixit. Proclus latius explanat quomodo principia essentialia sunt intrinseca et non extrinseca, et quomodo per cont[r]actum illum, quo individuum ideae suae iungitur, per ipsam ideam intelligibilem divinitati conectitur, [3] ut secundum suam capacitatem meliori modo sit quo esse et [4] con|servari potest. Refert etiam Laërtius Platonem dicere ideas principium et initium esse eorum quae natura consistunt, ut huiusmodi sint, qualia sunt. Quae si bene intelligantur, forte non tantum adversantur veritati, quantum mali interpretes ipsius suggesserunt.

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Übs. Sg.

Alle Lebewesen haben einen naturgegebenen Sinn und eine fest verankerte Gedächtnisvorstellung für ihr Futter. Dazu verfügen sie über ein Unterscheidungsvermögen für ihresgleichen, das sie ihre Artgenossen erkennen läßt. Diese Tatsache glaubte Platon aus der Idee erklären zu müssen, da außer den Ideen nichts mi Sein beharre.[5] Man mag aus dieser Beweisführung den Schluß ziehen, daß die Ideen nicht wie äußerliche Urbilder ein von den Einzeldingen getrenntes Dasein haben. Die Natur des Einzelgegenstandes ist nämlich mit der Idee selbst vereint, von der der Einzelgegenstand all diese Eigenschaften kraft seiner natürlichen Beschaffenheit besitzt. Nach Laërtius[6] hat Platon die Idee als Einheit und Vielheit, als in Ruhe und in Bewegung bezeichnet. Als unzerstörbare Artform ist sie intelligible Einheit. Als vereinigt mit vielen Einzelgegenständen dagegen nannte er sie Vielheit. So bezeichnete er sie als fest und beständig mit Rücksicht auf ihre Unveränderlichkeit und ihre Intelligibilität. Mit Rücksicht auf ihre Verbindung mit veränderlichen Dingen aber schrieb er ihr Bewegung zu. Proklus[7] legt ausführlicher dar, daß die Wesensprinzipien innerlich und keineswegs äußerlich sind und daß jener Kontakt, der das Einzelding mit seiner Idee verknüpft, es über die intelligible Idee mit der Gottheit verbindet, so daß es nach dem Ausmaß seiner Fähigkeit in der denkbar vollkommensten Weise sein und erhalten werden kann. Laërtius[8] berichtet ferner als Außerung Platons, die Ideen seien bei den Naturdingen Ursprung und Anfang ihres Soseins. Versteht man diese Nachricht richtig, dann steht sie wohl zur Wahrheit in keinem solchen Gegensatz, wie schlechte Ausleger Platons das meinten.

Übs. Dp.

Die Tatsache, daß alle Lebewesen einen natürlichen Verstand, eine feste Erinnerung an ihre Nahrung und ein Empfinden ihrer Ähnlichkeit haben und erkennen, welche Wesen von derselben Art sind, muß, wie Platon sagt, notwendigerweise aus der Idee stammen, da nichts außer den Ideen Bestand hat. Daraus kann man erkennen, daß die Ideen nicht so von den Individuen getrennt sind, als wären sie äußerliche Urbilder. Denn die Natur des Individuums ist mit der Idee selbst geeint und hat von ihr alles auf natürliche Weise. Laertius sagte: Platon versichere, daß die Idee das Eine und das Viele begründe und bewege. Darin, daß sie unzerstörbare Eigengestalt ist, ist sie geistig und eine, darin aber, daß sie aus vielen Einzelgestalten geeint ist, ist sie viele. Ebenso sagte er, daß sie in dem Unveränderlichen und Geistigen fest und beständig sei, dem Beweglichen verbunden aber bewegt werde. Proklos erklärt ausführlicher, auf welche Weise die wesenhaften Ursprungsgründe innerliche und nicht äußerliche sind und auf welche Weise das Individuum vermittels jener Berührung, in der es seiner zugehörigen Idee verbunden ist, durch eben diese geistige Idee der Gottheit verknüpft wird, damit es entsprechend seiner Fähigkeit auf die beste Weise, nach der es sein und erhalten werden kann, sei. Laertius berichtet auch, daß Platon gesagt habe, die Ideen seien der Ursprung und Anfang der von Natur aus bestehenden Dinge, auf diese Weise seien sie, was sie sind. Und das steht, wenn man es richtig begreift, vielleicht zur Wahrheit in gar keinem so großen Widerspruch, wie es ihm seine schlechten Interpreten unterstellt haben.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑ fol.201v
  5. ↑
  6. ↑
  7. ↑
  8. ↑