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Werk:De ven. sap./35

aus AufEinWort, der freien Forschung

35▷Non est igitur deus quaerendus in alio campo quam possest. Nam quocumque demonstrato hoc deus non est, quia hoc potest fieri aliud. Non est deus parvus, quia parvum potest esse maius, neque magnus, quia magnum potest esse minus, sed ante omnia, quae[1] aliter fieri possunt, et ante omnia, quae differunt. Est enim ante differentiam omnem: ante differentiam actus et potentiae, ante differentiam posse fieri et posse facere, ante differentiam lucis et tenebrae, immo ante differentiam esse et non esse, aliquid et nihil, atque ante differentiam indifferentiae et differentiae, aequalitatis et[2] inaequalitatis, et ita de cunctis. Unde si respicis ad cuncta quae post ipsum sunt, omnia sunt ab invicem differentia atque etiam ad invicem concordantia, in genere entis aut specie <aut> numero differentia. Ipse autem deus est ante omnem differentiam differentiae et concordantiae, quia possest. Et cum sit ante differentiam unius[3] et alterius, non est plus unum quam aliud, et ante differentiam parvi et magni, non maior uni et minor alteri nec aequalior uni et alteri inaequalior.


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Übs. Sg.

Man darf also Gott nicht in einem anderen Feld suchen als in dem des Können-Seins. Was immer man aufzeigt, es ist nicht Gott, da es etwas anderes werden kann. Gott ist nicht klein, weil das Kleine größer werden kann, noch ist er groß, weil das Große kleiner sein kann; vielmehr ist er vor allem, was anders werden kann, und vor allem, was voneinander sich unterscheidet. Er ist ja vor aller Unterscheidung: vor der Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit, vor der Unterscheidung zwischen Werden-Können und Machen-Können, vor der Unterscheidung von Licht und Finsternis, ja vor der Unterscheidung von Sein und Nichtsein, Etwas und Nichts und vor der Unterscheidung von Nicht-Verschieden- und Verschieden-Sein, von Gleichheit und Ungleichheit, und so bei sämtlichen Bestimmungen. Wenn man deshalb sein Auge richtet auf alles, was ihm nachgeordnet ist, so sind alle Dinge voneinander verschieden und auch zueinander in Übereinstimmung, doch verschieden der Gattung des Seins oder der Art oder der Zahl nach. Gott selbst jedoch ist vor allem Unterschied des Unterschieds und der Übereinstimmung als das Können-Sein.

Und da er vor dem Unterschied zwischen dem einen und dem anderen ist, so ist er nicht in höherem Maße das eine als das andere. Da er vor dem Unterschied zwischen dem Kleinen und dem Großen ist, so ist er nicht größer als das eine und nicht kleiner als das andere, noch dem einen mehr gleich und dem anderen weniger gleich.

Übs. Dp.

Darum darf Gott in keinem andern Feld als dem des Können-Ist gesucht werden. Was immer man darstellt, ist nicht Gott, weil es anders werden kann; Gott ist nicht klein, weil das Kleine größer werden kann, und nicht groß, weil das Große kleiner werden kann, er steht vor allem, das anders werden kann, und vor allem, das sich unterscheidet.

Er ist vor jedem Unterschied, vor dem Unterschied von Tatsächlichkeit und Möglichkeit, vor dem Unterschied des Werden-Können und des Machen-Können, vor dem Unterschied von Licht und Finsternis, auch vor dem Unterschied von Sein und Nichtsein, Etwas und Nichts, und vor dem Unterschied von Unterschiedslosigkeit und Unterschiedenheit, Gleichheit und Ungleichheit usw.

Wenn man alles, was nach ihm ist, betrachtet, sieht man, daß alles voneinander verschieden ist, und auch das, was miteinander in der Art des Seins oder der Eigen-Gestalt nach übereinstimmt, sich durch die Zahl unterscheidet. Aber Gott selbst steht vor jedem Unterschied des Unterschiedes und der Gleichheit, weil er das Können-Ist ist; weil er vor dem Unterschied des einen und des andern steht, ist er eines nicht mehr als ein anderes, und weil er vor dem Unterschied des Kleinen und des Großen steht, ist er nicht größer als eines und kleiner als ein anderes und nicht dem einen ähnlicher und dem andern unähnlicher.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15