Zum Inhalt springen

Werk:De ven. sap./37

aus AufEinWort, der freien Forschung

37▷ Iterum, unum et eius potentia differunt. Nam unum actu, ut est principium numeri, est post posse fieri, quia est multiplicabile, et non est actu quod esse potest. Unum vero potentialiter est omnis numerus. Differt igitur unum et eius potentia. Respice igitur in[1] possest ante illam differentiam, et vides in aeternitate unum et eius potentiam ante differentiam esse actu aeternitatem. Omnem igitur numerum, qui ex potentia unitatis post posse fieri actu constitui potest, actu vides esse aeternitatem. Et illum actum aeternum actus numeri, qui fit aut fiet, sequitur ut imago veritatem. Nam sicut[2] monas in aeternitate est, ita unum, quod omnia actu quae unum fieri potest. Sic et duo in aeternitate est ita duo, quod omnia, quae duo fieri possunt; ita de omnibus. Vides igitur, quod duo actu post posse fieri imitatur actum ipsius duo in aeternitate. Sed pro|portio[3] ipsius duo post posse fieri ad duo illa, quae sunt aeternitas, est sicut[4] numerabilis ad innumerabile seu finitum ad infinitum.

◀△▷

Übs. Sg.

Ferner: Die Eins und ihre Möglichkeit sind zu unterscheiden. Die wirkliche Eins, wie sie als Ursprung der Zahl ist, ist dem Werden-Können nachgeordnet, da sie der Vervielfachung fähig ist, und ist auch nicht das wirklich, was sie sein kann. Die Eins ist vielmehr ihrer Möglichkeit nach jede beliebige Zahl. Es besteht also ein Unterschied zwischen der Eins und ihrer Möglichkeit. Richte den Blick also auf das Können-Sein vor jenem Unterschied, und du findest, daß vor der Unterscheidung in der Ewigkeit die Eins und ihre Möglichkeit die Ewigkeit in Wirklichkeit sind. Jede Zahl, die aus der Potenz der Einheit nach dem Werden-Können wirklich gebildet werden kann, entdeckt man als ewige Wirklichkeit. Jener ewigen Wirklichkeit folgt die Wirklichkeit der Zahl, die wird oder werden wird, wie ein Abbild dem Urbild. Wie nämlich die Einheit in der Ewigkeit ist, so die Eins, welche in Wirklichkeit alles ist, wozu die Eins werden kann. So ist auch die Zwei in der Ewigkeit dergestalt zwei, daß sie alles ist, wozu die Zwei werden kann; dasselbe gilt von allen Zahlen. Man sieht also, daß die wirkliche Zwei, welche dem Werden-Können nachgeordnet ist, die Wirklichkeit der Zwei, wie sie in der Ewigkeit ist, nachbildet. Das Verhältnis der Zwei jedoch, die dem Werden-Können nachgeordnet ist, zu jener Zwei, welche die Ewigkeit ist, ist gleich dem Verhältnis des Zählbaren zum Unbestimmten oder des Begrenzten zum Unendlichen.

Übs. Dp.

Ebenso unterscheiden sich das Eine und dessen Verwirklichungsmöglichkeit. Denn das Eine als Wirkliches, zum Beispiel als Prinzip der Zahl, steht nach dem Werden-Können, weil es vervielfältigt werden kann und als Wirkliches nicht ist, was es sein kann. Als Verwirklichungsmöglichkeit aber ist das Eine jede Zahl. Darum unterscheidet sich das Eine und seine Verwirklichungsmöglichkeit.

Wende also deinen Blick auf das Werden-Können, wie es vor jenem Unterschied ist, und du wirst sehen, daß in der Ewigkeit das Eine und seine Verwirklichungsmöglichkeit vor diesem Unterschied die Ewigkeit als Wirklichkeit sind.

Man sieht daher, daß jede Zahl, die aus der Verwirklichungsmöglichkeit der Einheit nach dem Werden-Können tatsächlich gebildet werden kann, die Ewigkeit als Wirklichkeit ist. Und dieser ewigen Wirklichkeit folgt die Tatsächlichkeit der Zahl, die wie ein Abbild der Wahrheit wird oder werden kann. Denn ebenso wie die Eins in der Ewigkeit so Eins ist, daß sie als Wirklichkeit alles ist, das Eins werden kann, so ist auch die Zwei in der Ewigkeit so Zwei, daß sie alles ist, was Zwei werden kann. Und so verhält es sich mit allem. Du siehst also, daß die nach dem Werden-Können wirkliche Zwei die Wirklichkeit dieser Zwei in der Ewigkeit nachahmt. Das Verhältnis der Zwei, die aus dem Werden-Können hervorgegangen ist, zu jener Zwei, die die Ewigkeit ist, ist freilich wie das des Zählbaren zum Unzählbaren oder des Begrenzten zum Unbegrenzten.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ fol.206r
  4. ↑ Z.15