Werk:De ven. sap./46
46▷Gaudet intellectus in hac venatione laetissima. Nam haec venatio bona, magna, vera, pulchra, sapida, delectabilis, perfecta, clara, aequa [1] et sufficiens est. Videt enim, cum bonum diffinitur, ipsa omnia praedicta: magnum, verum et cetera esse ipsum bonum; et dum magnum diffinitur, in ipso bonum, verum et cetera esse ipsum magnum. Et ita in quolibet ipsorum omnia sunt ipsum. Et quia in non aliud sunt ipsum non aliud, non est ibi bonum aliud a magno [2] et vero et ceteris, nec magnum aliud a bono et vero et ceteris. Nam non aliud ipsa omnia facit esse non aliud. Sic aliud ipsa omnia facit aliud. Bonum enim in aliud est aliud; ita magnum et verum. Cum igitur quodlibet sit aliud, non erit bonum tunc non aliud a magno nec a vero; sed sicut in ipso non aliud non aliud, ita in ipso aliud [3] aliud.
Übs. Sg.
Die Vernunft hat ihre Freude an dieser sehr fröhlichen Jagd. Denn diese Jagd ist gut, groß, wahr, schön, bekömmlich, ergötz- lich, vollkommen, klar, angemessen und hinreichend. Sie findet in der Begriffsbestimmung des Guten, daß all die vorgenannten Eigenschaften, das Große, Wahre usw. das Gute selbst sind. Und in der Begriffsbestimmung des Großen entdeckt sie, daß in ihm das Gute, Wahre usw. das Große selbst sind. So sind in jeder von diesen Bestimmungen alle die betreffende Bestimmung selbst. Da sie im Nicht-Anderen das Nicht-Andere sind, so ist dort das Gute nicht ein anderes gegenüber dem Großen und Wahren und den übrigen Bestimmungen, noch ist das Große ein anderes gegenüber dem Guten und Wahren und den übrigen Bestimmungen. Denn das Nicht-Andere bewirkt, daß sie alle nicht ein anderes sind. Ebenso macht das andere sie alle zu einem anderen. Das Gute ist im anderen ein anderes, ebenso das Große und Wahre. Da nun jedwederGegenstand ein anderer ist, darum ist das Gute dann kein Nicht-Anderes gegenüber dem Großen und dem Wahren. Wie vielmehr eine Bestimmung im Nicht-Anderen nicht eine andere ist, so ist sie im anderen eine andere.
Übs. Dp.
Es freut sich der Geist bei diesem hoffnungsfrohen Suchen. Denn diese Jagd ist gut, groß, wahr, schön, schmackhaft, erfreulich, vollkommen, klar, angemessen und hinlänglich.
Der Geist erkennt in der Definition des Guten, daß alle Aussagen wie groß, wahr usw. dieses Gute sind, und in der Definition des Großen, daß in ihm gut, wahr usw. das Große sind. Und so sind in jedem einzelnen von diesen alle anderen es selbst. Da sie nun im Nicht-Andern das Nicht-Andere selbst sind, ist hier das Gute dem Großen und Wahren und allen andern gegenüber kein Anderes. Und das Große dem Guten und Wahren und den Andern gegenüber auch kein Anderes. Denn das Nicht-Andere macht alles zum Nicht-Andern, wie das Andere alles zum Andern macht.
Das Gute nämlich ist im Andern das Andere, und ebenso das Große und das Wahre. Da also ein Jedes ein Anderes ist, wird das Gute folglich nicht nichts Anderes vom Großen oder Wahren sein. Sondern so, wie es im Nicht-Andern das Nicht-Andere ist, so ist es auch im Andern das Andere.