Werk:De ven. sap./48
48▷Omnia autem, quae intellectus concipere potest, aut sunt non aliud aut aliud. In non aliud, cum ipsum sit id quod esse potest, simplicissimum et perfectissimum, non cadit varietas. Ideo in li aliud omnem cadere varietatem videt. Varietas igitur modorum essendi [1] ipsius aliud alia et alia sortitur nomina. Bonitas igitur, magnitudo, veritas et cetera secundum alium modum combinationis constituunt id quod vocatur esse, secundum alium id quod vocatur vivere, secundum <alium> id quod vocatur intelligere; et ita de omnibus. Nec illa omnia, quae sunt, vivunt et intelligunt, aliud sunt quam [2] ipsius non aliud, quod omnia diffinit, varia receptio. Ex qua sequitur varia eius relucentia, in uno clarius, in alio obscurius, clarius et durabilius in intellectualibus, obscurius et corruptibilius in sensibilibus, et in his differenter.
Übs. Sg.
Alles aber, was die Vernunft erfassen kann, ist entweder ein Nicht-Anderes oder ein anderes. Im Nicht-Anderen hat keine Verschiedenheit Raum, da es das ist, was es sein kann in absoluter Einfachheit und Vollkommenheit. Darum gehört sichtlich alle Verschiedenheit dem anderen an. Die Mannigfaltigkeit der Seinsweisen des anderen erhält also jeweils Benennungen. Gutheit, Größe, Wahrheit und die übrigen Eigenschaften bilden nach der einen Weise der Verbindung das, was man Sein nennt, nach einer anderen das, was man Leben nennt, nach einer dritten das, was man vernünftiges Denken nennt, und das gilt von allen Eigenschaften. Und doch ist alles, was Sein, Leben und Vernunft hat, nichts anderes als die mannigfache Aufnahme des Nicht-Anderen, das alles in seinem Wesen bestimmt. Daraus folgen die mannigfachen Spiegelungen desselben, die im einen klarer, im anderen dunkler sind; klarer und beständiger in den Geistwesen, dunkler und vergänglicher in den Sinnendingen, und in diesen wiederum in verschiedener Weise.
Übs. Dp.
Alles, was der Geist erfassen kann, sind entweder das Nicht-Andere oder das Andere. In das Nicht-Andere dringt, da es das Einfachste und Vollkommenste ist – das ist, was es sein kann –, die Verschiedenheit nicht ein. Also sieht der Geist, daß alle Verschiedenheit dem Anderen zufällt.
Daher nimmt die Verschiedenheit der Wirklichkeitsweisen des Anderen immer wieder neue Namen an. Gutsein, Größe, Wahrheit usw. ergeben entsprechend einer bestimmten Art der Zusammenstellung das, was Sein genannt wird, nach einer andern das, was Leben genannt wird, nach einer weiteren Art das, was verstehendes Denken genannt wird usw. Denn alles, was ist, lebt und denkt, ist nichts anderes als die verschiedene Aufnahme des Nicht-Andern, das alles begrenzt und bestimmt.
Daraus folgt, daß die verschiedene Widerspiegelung von ihm in dem einen deutlicher und durchsichtiger, im anderen verdunkelt und verborgener ist; deutlicher und beständiger im Geistigen, verschleierter und vergänglicher im Sinnlichen und auch in diesem unterschiedlich.