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Werk:De ven. sap./58

aus AufEinWort, der freien Forschung

58▷Scit etiam homo, quod ipsum oporteat liberum arbitrium suum per laudabilia determinare, ut sit ex electione sicut a natura laudabilis. Bonitas, virtus, veritas, honestas, aequitas et cetera talia laudabilia sunt, possuntque eligi per liberum arbitrium aut eorum contrarium. [1] Si eliguntur, totus homo tam ex naturalibus quam arbitrii electione laudabilis perfecte deum laudat. Si vero vitia et laudabilibus adversa eligit, non est laudabilis, sed sibi deoque contrarius. Quomodo tunc laudare deum poterit laudi contrarius? |

Proficit autem continue semper laudans deum sicut citharoedus [2] [3] citharizando et fit deo semper similior. Et hic est finis hominis, deo scilicet similiorem fieri, ut recte Plato dicebat. Nam quanto plus deum laudat, tanto ipse deo gratior; igitur et ipse laudabilior divinaeque laudabilitati similior. Recte sapiens Socrates comperit nihil nos certius scire quam ea quae laudabilia sunt, et monuit ad illa [4] ceteris dimissis tamquam superfluis et incertis solum nostrum studium converti. Laudabilibus enim moribus suasit insudandum, quorum ex nobis scientiam haurire possumus et ex consuetudine perficientem habitum acquirere et ita continue fieri meliores.

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Übs. Sg.

Es weiß auch der Mensch, daß er seinen freien Willen auf preiswürdige Ziele richten soll, auf daß er wie von Natur so auch durch seine freie Wahl selbst preiswürdig sei. Die Gutheit, die Tugend, die Wahrheit, der Anstand, die Gerechtigkeit und die übrigen Werte sind preiswürdig, der freie Wille kann sie oder ihr Gegenteil wählen. Werden sie gewählt, dann ist der ganze Mensch wie nach seiner natürlichen Beschaffenheit so auchnach der Wahl seines Willens lobenswürdig und ein vollkommener Lobpreis Gottes. Wählt er aber die Laster und den preiswürdigen Dingen entgegengesetzte Ziele, so ist er nicht lobenswürdig, sondern steht sich und Gott entgegen. Wie sollte er dann Gott preisen können, wenn er selbst dem Lobpreis entgegen steht?

Wer aber immer ohne Unterlaß Gott lobpreist, der macht Fortschritte wie ein Zitherspieler beim Spielen und wird Gott immer ähnlicher. Und das ist das Ziel des Menschen, Gott ähnlicher zu werden, wie Platon mit Recht sagte.[5] Je mehr er nämlich Gott preist, desto wohlgefälliger wird er selbst Gott; darum wird er selbst lobwürdiger und der Preiswürdigkeit Gottes ähnlicher. Richtig erfaßte der weise Sokrates,[6] daß wir nichts mit solcher Gewißheit wissen als das, was des Lobes würdig ist. Und er mahnte, alles übrige als überflüssig und unsicher beiseite zu lassen und nur darauf unser Streben zu richten. Wir müßten uns, so lautete nämlich sein Rat, lobwürdiger Sitten befleißigen. Ihre Kenntnis vermögen wir aus uns zu schöpfen und durch Gewöhnung eine Grundhaltung uns anzueignen, die uns ver- vollkommnet, um so stets besser zu werden.

Übs. Dp.

Der Mensch weiß auch, daß es für ihn gut ist, seinen freien Willen auf das Lobenswerte auszurichten, auf daß er ebenso wie von Natur auch aus eigener Entscheidung lobenswert ist. Denn die Güte, Tugend, Wahrheit, Ehrenhaftigkeit, Gleichheit usw. ... sind lobenswert und aus freier Entscheidung können sie oder ihr Gegenteil erwählt werden.

Wenn sie erwählt werden, dann ist der ganze Mensch sowohl von Natur aus als auch auf Grund der eigenen Willensentscheidung lobenswert und lobt Gott auf vollkommene Weise. Wenn er sich aber für die Laster und das dem Lobenswerten Entgegengesetzte entscheidet, ist er nicht lobenswert, sondern sich selbst und Gott zuwider. Wie könnte er dann, wenn er selbst das Gegenteil des Lobes wäre, Gott loben? Wer aber Gott immer lobt, wird ständig vollkommener, wie der Kitharaspieler durch sein Spiel; und er wird Gott immer ähnlicher.

Das ist, wie es Plato ganz richtig sagte, das Ziel des Menschen: Gott ähnlicher zu werden. Je mehr er Gott lobt, um so mehr wird er selbst Gott wohlgefälliger, daher auch selbst lobenswerter und dem Göttlich-Lobenswerten ähnlicher.

Mit Recht erkannte der weise Sokrates, daß wir nichts sicherer wissen als das, was lobenswert ist, und er ermahnte uns, unser Bemühen ganz allein darauf zu richten, und alles sonstige als überflüssig und unsicher abzutun. Auch riet er, sich sehr um lobenswerte Sitten zu bemühen, deren Kenntnis wir aus uns selbst schöpfen können, aus dieser ständigen Bemühung eine sich vervollkommnende Haltung und Gewohnheit zu gewinnen und so ständig besser zu werden.


  1. ↑ Z.5
  2. ↑ fol.209r
  3. ↑ Z.10
  4. ↑ Z.15
  5. ↑
  6. ↑