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Werk:De ven. sap./6

aus AufEinWort, der freien Forschung

6▶Dicit inter sapientes primus Thales ille Milesius deum antiquissimum, quia ingenitus, mundum pulcherrimum, quia a deo [1] factus. Quae verba dum in Laërtio legerem, summe mihi placuere. Inspicio mundum pulcherrimum miro ordine unitum, in quo summa summi dei bonitas, sapientia pulchritudoque relucet. Moveor ad quaerendum huius tam admirandi operis artificem et intra me dico: Cum ignotum per ignotius non possit sciri, capere me oportet [2] aliquid certissimum, ab omnibus venatoribus indubitatum et praesuppositum, et in luce illius ignotum quaerere. Verum enim vero consonat.

Cum haec sollicite intra me avida mens quaereret, incidit philosophorum assertio, quam et Aristoteles in Physicorum principio assumit, quae est quod impossibile fieri non fit. Et ad ipsam [3] conversus introspexi regiones sapientiae hoc qualicumque discursu.

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Übs. Sg.

Thales von Milet,[4] der erste unter den Weisen, nennt Gott den Uralten, da er ungezeugt ist, die Welt aber urschön, da sie von Gott geschaffen ist. Als ich diese Worte bei Laërtius las, fanden sie meinen vollen Beifall. Ich betrachte die herrliche Welt, geeint in wunderbarer Ordnung, in der des höchsten Gottes höchste Gutheit, seine Weisheit und Herrlichkeit widerstrahlt. Ich fühle mich hingezogen, nach dem Künstler dieses so bewunderungswürdigen Werkes zu suchen, und ich sage zu mir: Man kann zum Wissen des Unbekannten nicht durch ein noch Unbekannteres kommen. Ich muß also eine Grundgewißheit zu fassen bekommen, die alle Jäger außer Zweifel lassen und voraussetzen. Nur in ihrem Licht kann ich dann nach dem Unbekannten suchen. Die Wahrheit ist doch in Übereinstimmung mit der Wahrheit.

Während mein wissenshungriger Geist diese Überlegungen in ängstlicher Sorge bei sich anstellte, kam ihm die Versicherung der Philosophen in den Sinn, die auch Aristoteles zu Beginn seiner Physik aufnimmt, daß nämlich das Unmögliche nicht geschieht. Im Hinblick auf diese Überzeugung habe ich die Gebiete der Weisheit einer Durchsicht unterzogen und dabei etwa folgende Linie eingehalten.

Übs. Dp.

Der erste unter den Weisen, Thales von Milet, sagte, daß Gott das Älteste sei, da er ungeschaffen ist, und daß die Welt das Schönste sei, da sie von Gott gemacht ist.

Diese Worte haben mir, als ich sie im Laertius las, überaus gefallen. Ich sehe, daß die schöne Welt, in der die höchste Güte, Weisheit und Schönheit des größten Gottes widerleuchtet, in bewundernswerter Ordnung geeint ist.

Ich werde dazu angetrieben, nach dem Künstler zu fragen, der dieses so bewunderungswürdige Werk geschaffen hat, und mir selbst sage ich: da das Unbekannte nicht durch ein noch Unbekannteres gewußt werden kann, bin ich dazu verhalten, etwas ganz Sicheres und von allen Weisheitsjägern Unbezweifeltes und stets Vorausgesetztes zu ergreifen, und in dessen Licht das Unbekannte zu suchen. Denn das Wahre stimmt mit dem Wahren überein.

Als mein Geist in mir voll Verlangen und Besorgnis danach fragte, fiel mir die Versicherung der Philosophen ein, die auch Aristoteles zu Beginn seiner Physik annimmt, und die lautet: «Das was unmöglich werden kann, wird nicht.» Dieser Versicherung gemäß betrachtete ich die Ebenen der Weisheit auf folgende Weise.

  1. ↑ Z.5
  2. ↑ Z.10
  3. ↑ Z.15
  4. ↑